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ERC „Starting Grant“ für Geowissenschaftler der Universität Tübingen

10.07.2012
Der Europäische Forschungsrat vergibt 1.5 Millionen Euro an den Geomikrobiologen Andreas Kappler für innovatives und bahnbrechendes Forschungsprojekt.

Erneut hat sich ein Wissenschaftler der Universität Tübingen erfolgreich um die hochdotierten „Starting Grants” des Europäischen Forschungsrats beworben: Prof. Dr. Andreas Kappler vom Fachbereich Geowissenschaften wird für seine Forschung über fünf Jahre mit 1,5 Millionen Euro unterstützt.

Andreas Kappler ist einer der international führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Geomikrobiologie, insbesondere der mikrobiellen Bildung von Eisenmineralen und der Bedeutung dieser mikrobiellen Prozesse sowohl für die Gesteinsbildung auf der frühen Erde als auch für das Umweltverhalten von Schadstoffen in unserer Umwelt. Er erhält den Starting Grant für das interdisziplinäre Projekt „Microbial formation of minerals by communities of Fe(II)-oxidizing bacteria in modern and ancient environments“ („Mikrobielle Bildung von Mineralen durch Gemeinschaften von eisenoxidierenden Bakterien in der Natur und auf der frühen Erde“).

Der „Starting Grant“ ist eine Förderlinie des Europäischen Forschungsrats für exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchs-wissenschaftler und wird seit 2008 vergeben. Das hoch kompetitive Programm ist themenoffen und hat seinen Schwerpunkt in der Grundlagen- und Pionierforschung. Einmal jährlich werden nach einer Ausschreibung die besten Projektideen zur Förderung ausgewählt. Hier erfolgreich zu sein, bedeutet eine Auszeichnung für Wissenschaftler und ihre Forschung.

Im Rahmen seines Projekts plant Andreas Kappler, seit 2008 Professor für Geomikrobiologie an der Universität Tübingen, die Häufigkeit, Verteilung und Aktivität der verschiedenen mineralbildendenden Bakterien in der Natur zu untersuchen. Er will damit zum ersten Mal Gemeinschaften solcher Bakterien aus der Natur isolieren und unter kontrollierten Bedingungen im Labor kultivieren. Mit Hilfe innovativer Kultivierungsmethoden und modernster Analysetechniken soll dann untersucht werden, in welchem Maße Populationen von mineralbildenden Bakterien zur Bildung der weltgrößten Eisenerzvorräte beigetragen haben. Diese so genannten „gebänderten Eisenformationen“ sind bis zu 3,5 Milliarden Jahre alt, lagern u.a. in Australien und Südafrika und wurden vermutlich durch die Aktivität von eisenoxidierenden, und dadurch Eisenmineral-, also Rostbildenden, Bakterien abgelagert. Das Projekt zielt ab auf neue Erkenntnisse zur Entstehung und Entwicklung des Lebens auf der frühen Erde und möglicherweise sogar auf dem eisenreichen Planeten Mars. Außerdem wird Kappler untersuchen, welche Rolle solche rostbildenden Bakterien heute in der Natur für das Umweltverhalten von giftigen Metallen wie Arsen und Chrom spielen, weil diese Metalle an die von den Bakterien gebildeten Minerale binden. Diese Prozesse haben wiederum große Bedeutung in Trinkwasserfiltern und dadurch sogar Potential für biotechnologische Anwendungen.

Für seine interdisziplinären Arbeiten verknüpft Andreas Kappler mehrere Disziplinen (Mikrobiologie, Biogeochemie, Mineralogie, Schadstoffchemie) und arbeitet eng zusammen mit Experten aus der ganzen Welt (beispielsweise USA, Canada, Südafrika, Schweiz, Frankreich, China, Bangladesch, Vietnam).

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Kappler
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Fachbereich Geowissenschaften
Sigwartstraße 10
72076 Tübingen
Telefon: +49(0)7071 29-74 992
andreas.kappler@uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

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