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Weitere ERC-Grants für Wissenschaftler der Universität Tübingen

24.07.2013
Europäischer Forschungsrat vergibt hochdotierte Förderung an Projekte aus der Neurowissenschaft, der biomedizinischen Physik und der Molekularbiologie

Weitere drei Wissenschaftler der Universität Tübingen haben sich erfolgreich um „Starting Grants“ des Europäischen Forschungsrates beworben: Dr. Markus Siegel (Centrum für Integrative Neurowissenschaften, CIN), Dr. Daniela Thorwarth (Biomedizinische Physik, Universitätsklinik für Radioonkologie) und Dr. Stephan Wenkel (Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen, ZMBP) erhalten die hochdotierte Forschungsförderung der EU.

Diese soll europäischen Forschern, die herausragende Leistungen erbracht haben, Freiräume für innovative Forschungsvorhaben geben. Die „Starting Grants“ finanzieren Pionierforschung für eine Dauer von fünf Jahren.

Dr. Markus Siegel vom Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) erhält einen Starting Grant für sein Projekt „SPECFIN - Spektrale Fingerabdrücke neuronaler Interaktionen“ (Projektvolumen 1,5 Millionen Euro). Er untersucht darin die neuronalen Grundlagen von Kognition. Kognitive Prozesse wie Wahrnehmen, Erinnern oder Entscheiden beruhen auf Interaktionen weit verteilter Gruppen von Nervenzellen im Gehirn ‒ doch noch immer ist wenig über diese Interaktionen bekannt.

Neuronale Oszillationen ‒ das heißt rhythmische neuronale Aktivitäten ‒ finden sich überall im Gehirn und können beim Menschen nicht-invasiv mittels Magneto- und Elektroenzephalografie (MEG/EEG) untersucht werden. Ziel des Projekts von Markus Siegel ist die Identifikation von Schwingungsmustern, die elementare neuronale Interaktionen während kognitiver Prozesse widerspiegeln. In einem interdisziplinären Ansatz untersucht der Wissenschaftler hierfür beim Menschen neuronale Schwingungen, während diese verschiedene kognitive Aufgaben lösen.

Parallel erforscht er in direkt vergleichbaren Tierexperimenten, welche detaillierten neuronalen Interaktionen diesen Schwingungen zu Grunde liegen. Es wird erwartet, dass die gewonnenen Erkenntnisse sowohl einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der neuronalen Grundlagen verschiedener kognitiver Prozesse leisten als auch einen neuen Zugang zu neuropsychiatrischen Erkrankungen ermöglichen.

Markus Siegel studierte Medizin und Philosophie in Berlin, Zürich und Boston und promovierte an der Humboldt-Universität Berlin. Nach Forschungsstationen in Hamburg und am Massachusetts Institute of Technology übernahm er 2010 die Leitung einer Arbeitsgruppe am Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen (CIN).Seit 2013 leitet er das MEG-Zentrum des Universitätsklinikums Tübingen.

Dr. Daniela Thorwarth aus der Biomedizinischen Physik der Tübinger Universitätsklinik für Radioonkologie erhält den Starting Grant für ihre Projekt „bio_iRT: Biologisch individualisierte Strahlentherapie auf der Basis multi-parametrischen Tumor-Profilings“(Projektvolumen 1,4 Millionen).Strahlentherapie ‒ allein oder in Kombination mit Chirurgie oder Chemotherapie ‒ spielt eine wesentliche Rolle bei der Behandlung von Krebspatienten. Doch trotz moderner Behandlungsstrategien kann beispielsweise bei fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren derzeit nur die Hälfte aller Patienten geheilt werden. Grund dafür sind unter anderem Sauerstoffarmut in den Tumoren und weitere biologische Resistenzmechanismen.

In Daniela Thorwarths Projekt werden biologische und genetische Faktoren untersucht, die die Strahlenempfindlichkeit eines Tumors bestimmen, in Kombination mit funktioneller Bildgebung bestehend aus Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und funktioneller Magnetresonanztomografie (f-MRT). Ziel ist es, die wichtigsten Faktoren für den Erfolg einer Strahlentherapie des Kopf-Hals-Bereichs zu identifizieren und in einem Modell so zu kombinieren, dass eine individualisierte Dosisverschreibung für die Strahlentherapie möglich wird.

In einer zweiten Phase soll dieses Modell in einer Patientenstudie validiert werden. Neben neuen Einblicken in die Tumorbiologie möchte die Wissenschaftlerin einen Paradigmenwechsel von der bisherigen anatomie-basierten Dosisverschreibung zu einer biologisch individualisierten Strahlentherapie erreichen. Das Projekt hat Potenzial für innovative Entwicklungen im Bereich der biomedizinischen Physik, langfristig soll die Krebsbehandlung verbessert werden ohne die Nebenwirkungen zu steigern.

Daniela Thorwarth studierte Physik an der Universität Stuttgart und der Ecole Centrale Paris und promovierte im Fach Medizinische Physik an der Universität Tübingen. 2007 wurde ihre Dissertationsarbeit mit dem Forschungspreis der europäischen Fachgesellschaft für Radioonkologie (ESTRO) ausgezeichnet. Seit 2009 ist sie Stipendiatin im Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramm für Frauen des Landes Baden-Württemberg. 2012 übernahm sie die Leitung der Sektion für Biomedizinische Physik in der Universitätsklinik für Radioonkologie der Universität Tübingen.

Dr. Stephan Wenkel, Arbeitsgruppenleiter am Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP), erhält den Starting Grant für sein Projekt „miPDesign: Designing microProteins to alter growth processes in crop plants" (Projektvolumen 1,4 Millionen Euro). Dieses Projekt befasst sich mit kleinen Protein-Spezies, sogenannten Mikroproteinen, die das Wachstum von Pflanzen durch Wechselwirkung mit größeren, sogenannten Multidomänen-Proteinen feinregulieren. Ziel des Projektes ist es, das Spektrum dieser Mikroproteine in seiner Gesamtheit zu erfassen und die molekulare Grundlage der Modulation des Pflanzenwuchses zu entschlüsseln. Langfristig möchte der Wissenschaftler durch gezieltes Proteindesign die Wirkungsweise der Mikroproteine beeinflussen und dadurch herausfinden, wie sich Modell- und Nutzpflanzen an veränderte Wachstums- und Umweltbedingungen anpassen.

Stephan Wenkel studierte Biologie an den Universitäten Mainz und Würzburg und promovierte 2006 am Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung und der Universität zu Köln. Von 2006 bis 2009 arbeitete er als Stipendiat an der Carnegie Institution/Stanford University in den USA. Seit 2009 ist er unabhängiger Forschungsgruppenleiter am Tübinger ZMBP.

Kontakt:

Dr. Markus Siegel
Universität Tübingen
Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)
Telefon +49 7071 29-81200
markus.siegel[at]uni-tuebingen.de
Dr. Daniela Thorwarth
Universität Tübingen
Universitätsklinik für Radioonkologie
Telefon +49 7071 29-86055
Daniela.Thorwarth[at]med.uni-tuebingen.de
Dr. Stephan Wenkel
Universität Tübingen
Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP)
Telefon +49 (0)7071 29-78852
stephan.wenkel[at]zmbp.uni-tuebingen.de

Myriam Hönig | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

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