Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ERC-Grant für die Erforschung ionischer Flüssigkeiten

31.05.2016

Im harten Wettbewerb um europäische Fördergelder hat sich erneut ein FAU-Wissenschaftler durchgesetzt: Für sein Projekt „Ionic Liquid Interface Dynamics“ erhält Prof. Dr. Hans-Peter Steinrück vom Lehrstuhl für Physikalische Chemie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) einen der begehrten ERC Advanced Grants in Höhe von 2,5 Millionen Euro bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Im Mittelpunkt steht die Grundlagenforschung auf dem Gebiet ionischer Flüssigkeiten, die in der industriellen Anwendung zum Beispiel zur effizienteren Herstellung neuartiger Chemikalien führen kann.

Ionische Flüssigkeiten haben einen unschlagbaren Vorteil: Anders als bestimmte konventionelle Substanzen, wie sie zum Beispiel in Nagellack enthalten sind, verdampfen diese Salze nicht. Aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften kann man sie fast beliebig verändern und damit zum Beispiel für die Katalyse in spezifischen chemischen Prozessen und großtechnischen industriellen Verfahren maßschneidern.

Mit einigen ionischen Flüssigkeiten kann man einen ähnlichen Effekt wie eine Teflonbeschichtung erreichen. „Unser Ziel ist es jedoch nicht, den Lotusblüten-Effekt zu ersetzen, sondern zum Beispiel dünne Antikorrosionsbeschichtungen auf ein wertvolles Material aufzubringen“, sagt Prof. Dr. Hans-Peter Steinbrück. Der aus ionischen Flüssigkeiten bestehende Film ist luftundurchlässig und unterbindet daher das Rosten.

Dieses mögliche Anwendungsszenario zeigt, womit sich Hans-Peter Steinrück und sein Team beschäftigen. „Wir untersuchen sowohl die Oberflächen als auch die Grenzflächen von ionischen Flüssigkeiten“, erläutert Steinrück. „Mit dem Projekt unternehmen wir einen bahnbrechenden Schritt von der gegenwärtigen Kenntnis der statischen Eigenschaften hin zu einer aktiven Kontrolle der an den Grenzflächen von ionischen Flüssigkeiten ablaufenden dynamischen Prozesse“, sagt Steinrück.

Das Ziel ist einerseits, die Beschaffenheit von Grenzflächen zu analysieren und auf der atomaren Ebene zu untersuchen, wie sich ultradünne Filme aus ionischen Flüssigkeiten bilden, wenn diese auf einen Feststoff aufgetragen werden. Andererseits sollen chemische Reaktionen in ionischen Flüssigkeiten in situ studiert werden – also während der Prozess abläuft und nicht erst danach, wenn lediglich das Endergebnis betrachtet werden würde. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse können später in der industriellen Anwendung die katalytische Herstellung neuartiger Chemikalien ermöglichen.

Weil ionische Flüssigkeiten im Gegensatz zu konventionellen Flüssigkeiten nicht verdampfen, können sie insbesondere mit den Methoden der Oberflächenforschung, die auf Vakuum angewiesen sind, in Bezug auf ihre Grenzflächeneigenschaften untersucht werden. Sehr gutes Vakuum ist – ähnlich wie bei den alten Fernsehröhren – notwendig, da sonst die für die Messung verwendeten Elektronen oder Ionen mit den Gasmolekülen zusammenstoßen würden, was die Messergebnisse verfälscht. Um die Flüssigkeiten auf atomarer Ebene chemisch zu analysieren, nutzen die FAU-Forscher speziell die Röntgenphotoelektronenspektroskopie und die Rastertunnelmikroskopie.

Über den Preis des Europäischen Forschungsrates in Höhe von 2,5 Millionen Euro freut sich Hans-Peter Steinrück sehr. „Der Preis ist für mich ein absolutes Highlight.“ ERC Grants basieren auf zwei Kriterien: der persönlichen Exzellenz und der Qualität des Forschungsvorhabens. „Ich verstehe den Preis einerseits für mich persönlich, und natürlich auch für meine Gruppe, als große Auszeichnung, die die weltweite Anerkennung unserer Arbeiten dokumentiert, und andererseits als Auftrag, das von mir initiierte und sehr ambitionierte Projekt zum Erfolg zu führen.“

Prof. Dr. Hans-Peter Steinrück gilt auf dem Gebiet der Oberflächenforschung im Ultrahochvakuum als international anerkannter Experte. Bereits seit mehr als zehn Jahren betreibt der 1959 geborene Österreicher die Grundlagenerforschung ionischer Flüssigkeiten. Mit der Erforschung der physikalischen und chemischen Eigenschaften von Oberflächen beschäftigt er sich seit 30 Jahren. Nach Studium und Promotion an der Technischen Universität Graz und einem Postdoc-Aufenthalt an der Stanford University (USA) habilitierte er 1992 an der Technischen Universität München in Experimentalphysik. Dem Aufenthalt als Gastwissenschaftler an der Rutgers University (USA) folgte eine Professur für Experimentalphysik an der Universität Würzburg. Seit 1998 lehrt und forscht er am Department für Chemie und Pharmazie der FAU. Der Spitzenforscher ist Mitglied zahlreicher Akademien der Wissenschaften, Gutachtergremien und Beiräte.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Hans-Peter Steinrück
Tel: 09131/85-27343
hans-peter.steinrueck@fau.de

Dr. Susanne Langer | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fau.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie