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ERC Advanced Grant an Siegfried Selberherr für Spin-Forschung

18.01.2010
Siegfried Selberherr, Professor am Institut für Mikroelektronik der Technischen Universität (TU) Wien, wird als erster Ingenieur Österreichs mit dem "Advanced Grant" des Europäischen Forschungsrats ERC (European Research Council) ausgezeichnet. Diese prestigeträchtige Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 1,7 Mio. Euro verbunden.

Professor Selberherr will damit seine visionären Forschungen im Bereich der Mikroelektronik vorantreiben und neue Effekte, im Besonderen den Spin, nutzbar machen.

Die atemberaubende Steigerung der Leistungsfähigkeit mikroelektronischer Schaltungen, der sogenannten Chips, wurde in den letzten Jahrzehnten durch unentwegt fortschreitende Verkleinerung der darin enthaltenen Bauelemente ermöglicht. So besteht ein moderner Mikroprozessor-Chip aus etlichen Hundertmillionen Bauelementen, die mit Strukturgrößen im Bereich von einigen Milliardstelmetern - das ist etwa 1000 mal dünner als ein menschliches Haar - gefertigt werden. Jeder PC, jedes Notebook und auch jedes modernere Handy braucht so einen Chip.

Allmählich wird die weitere Verkleinerung der Bauelemente immer schwieriger und die zunehmenden technologischen Herausforderungen und auch rasant steigende Kosten deuten diesem Weg ein Ende an. Dadurch werden die Grenzen für zukünftige Leistungssteigerungen absehbar und die Forschung über alternative Technologien und Prinzipien der Informationsverarbeitung gewinnt an Bedeutung.

Siegfried Selberherr versucht nun den Spin der Elektronen als einen zur Ladung alternativen Freiheitsgrad für die Verarbeitung und nichtflüchtige Speicherung von Information einzusetzen. Silizium als wichtigstes Material der Mikroelektronik hat eine vernachlässigbare Spin-Orbit-Wechselwirkung, keinen Kern-Spin und sollte eine lange Spin-Kohärenzzeit aufweisen. Gemeinsam mit der potenziell einfachen Integration in die CMOS-Technologie macht eine lange Spin-Kohärenz Silizium perfekt geeignet für Spin-gestützte Anwendungen, wie jüngst durch beeindruckende Vorführungen von Injektion, kohärenter Ausbreitung und Erkennung von Spin bestätigt wurde. Zum Erfolg der Mikroelektronik-Technologie hat der geschickte Einsatz computergestützter Entwurfswerkzeuge für die Behandlung relevanter technologischer Fragestellungen hervorragend beigetragen; für Spin-Anwendungen fehlt diese Unterstützung jedoch völlig. Das konkrete Ziel der Forschungen von Professor Selberherr und seinem Team ist die Schaffung, Überprüfung und Anwendung einer computergestützten Analyseumgebung für Spin-basierte Bauelemente.

ERC Grant Facts

Mit den Advanced Investigator Grants hat der ERC eine Förderschiene geschaffen, die sich an bereits etablierte WissenschafterInnen wendet. Mit den Mitteln sollen außergewöhnlich erfolgreiche ForscherInnen dazu ermutigt werden, ambitionierte Projekte mit interdisziplinärem Charakter in Angriff zu nehmen. Es gibt insgesamt sechs österreichische Staatsbürger, die mit einem Advanced Grant ausgezeichnet wurden, wobei nur vier davon in Österreich forschen. Weiters haben drei ausländische Forscher, die in Österreich tätig sind, einen Advanced Grant erhalten.

Zur Person

Siegfried Selberherr (54) ist seit 1988 Ordinarius für Softwaretechnologie mikroelektronischer Systeme an der TU Wien. Er studierte Elektrotechnik an der TU Wien, machte den Diplom-Ingenieur 1978, den Doktor der technischen Wissenschaften 1981 und die Habilitation zum Dozenten 1984. Danach war er einige Zeit Gastwissenschaftler in den berühmten Bell-Laboratorien in den USA. Von 1998-2005 leitete er als Dekan die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik. Seit 2001 ist er als Aufsichtsrat im steirischen Unternehmen austriamicrosystems tätig. Seit 2004 ist er Mitglied, seit Jänner 2008 Vorsitzender des Interuniversitären Beirats des Instituts für Agrarbiotechnologie, ein Department der Universität für Bodenkultur in Tulln.

TU-Professor Selberherr trägt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem das Ehrendoktorat der Universität Niš, das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und die Wilhelm Exner-Medaille des Österreichischen Gewerbevereins. Er ist Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste und ein Fellow des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) - nur sieben weitere Österreicher besitzen diesen elitären Status.

Selberherr wurde bereits geehrt mit dem: Dr. Ernst Fehrer-Preis (1983), Preis der Nachrichtentechnischen Gesellschaft (VDE, 1985), Dr. Herta Firnberg-Staatspreis (1986), Heinz Zemanek-Preis (ÖCG, 1987), Würdigungspreis für Wissenschaft (Land NÖ, 1999), Erwin Schrödinger-Preis (ÖAW, 2001).

Rückfragehinweis:

O.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Dr.h.c. Siegfried Selberherr
Technische Universität Wien
Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik
Institut für Mikroelektronik
Gußhausstr. 25-27/E360, 1040 Wien
T: +43 (1) 58801-36010, Mobil: +43 (664) 5344115
F: +43 (1) 58801-36099
Selberherr@TUWien.ac.at
Aussender:
TU Wien - Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Bettina Neunteufl, MAS
Operngasse 11/E011, 1040 Wien
T: +43 (1) 58801-41025
F: +43 (1) 58801-41093
pr@tuwien.ac.at

Werner Sommer | Technische Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.tuwien.ac.at/pr

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