Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EPO: Österreichisches Ehepaar für Europäischen Erfinderpreis nominiert

02.05.2014

Ingeborg und Erwin Hochmair: Mit Cochlea-Implantat gegen die Stille im Ohr

  • Cochlea-Implantat: Bahnbrechende Erfindung ermöglicht Wiederherstellung eines menschlichen Sinns
  • Spitzentechnologie Made in Austria gibt über 200.000 Menschen weltweit das Hörvermögen zurück
  • Ingeborg und Erwin Hochmair bauen gemeinsames Start-up MED-EL zu global erfolgreichem Unternehmen für Ohr-Implantate aus
  • Battistelli: "Cochlea-Implantat von Erwin und Ingeborg Hochmair herausragendes Beispiel für europäischen Erfindergeist"

Kinder, die taub zur Welt kommen, müssen es heute nicht mehr ihr Leben lang bleiben. Ein wahres Wunderwerk der Technik, das sogenannte Cochlea-Implantat, kann ihnen ihr Hörvermögen zurückgeben. Zu verdanken ist diese bahnbrechende Entwicklung dem Erfindungsreichtum und der Beharrlichkeit des österreichischen Ehepaars Ingeborg und Erwin Hochmair.

Denn Mitte der 70er Jahre gelang den beiden Forschern ein echter medizinischer Durchbruch: Sie entwickelten das erste mikroelektronische Mehrkanal-Cochlea-Implantat - Cochlea ist die Hörschnecke im Innenohr -, welches durch elektrische Stimulation des Hörnervs Geräusche wie die menschliche Stimme zum Gehirn transportiert, wo sie als solche verständlich wird.

Dank dieser Erfindung konnten gehörlose Personen plötzlich einzelne Wörter ohne Lippenlesen verstehen. Für diese Leistung hat das Europäische Patentamt (EPA) Ingeborg und Erwin Hochmair nun für den Europäischen Erfinderpreis 2014 in der Kategorie "Lebenswerk" nominiert. Europas "Oscar" für technologische Innovation wird am 17. Juni in Berlin verliehen.

"Das Cochlea-Implantat von Erwin und Ingeborg Hochmair zählt zu den medizinischen Meilensteinen unserer Zeit: Bis heute ist ihre Erfindung der erste tatsächlich realisierte Ersatz eines Sinnesorgans", sagt EPA-Präsident Benoît Battistelli bei der Bekanntgabe der Nominierung für den Europäischen Erfinderpreis 2014. "Ihr Erfindergeist ist ein herausragendes Beispiel für die Innovationsfähigkeit Europas, welches zugleich die Ausnahmestellung europäischer Unternehmen in der medizinischen Technologie unterstreicht."

Ein "elektronisches" Paar

Das österreichische Erfinderpaar sollte es sich frühzeitig zur Aufgabe machen, den Hörverlust beim Menschen mit implantierbarer Medizintechnik zu überwinden: Man schrieb das Jahr 1975 als Erwin Hochmair, der nach seinem Studium der Elektrotechnik und erfolgreicher Promotion an der TU Wien arbeitete, seine spätere Frau Ingeborg fragte, ob sie mit ihm das weltweit erste mikroelektronische Mehrkanal-Cochlea-Implantat entwickeln wolle. Damals gab es nur einfache Cochlea-Implantate, die Patienten zwar einzelne Geräusche vernehmen ließen, jedoch nicht die menschliche Sprache verstehen. "Ich habe nach einem Mitarbeiter gesucht und da habe ich versucht, eine junge Studentin, die gerade ihre Diplomarbeit fertig gestellt hatte, dafür zu interessieren. Das ist mir gelungen. 1977 haben wir dann geheiratet und wurden an der TU Wien immer das 'elektronische Ehepaar' genannt", erklärt der gebürtige Wiener.

Noch im selben Jahr wurde das erste mikroelektronische Mehrkanal-Cochlea-Implantat der Hochmairs einem Patienten in Wien eingesetzt. Den eigentlichen Durchbruch feierte das österreichische Erfinderpaar dann im Jahr 1980, als es das Implantat um einen am Körper getragenen Audioprozessor so ergänzte, dass die - vormals hochgradig schwerhörige - Nutzerin ganze Wörter und Sätze ohne Lippenlesen verstehen konnte. Bis heute können dank dieser Innovation mehr als 200.000 Menschen wieder hören.

Sturheit kann eine durchaus positive Eigenschaft sein

Dies war zugleich der Auftakt einer unglaublichen Erfolgsgeschichte. Aufbauend auf ihre Patente gründeten die beiden ihre eigene Firma MED-EL und stellten im Jahr 1990 ihre ersten Mitarbeiter ein. "Eigentlich ist der Grund die Sturheit des Erfinders. Man möchte das, was man erfunden hat, auch zur Anwendung bringen und dazu beitragen, dass Leuten geholfen wird", sagt Ingeborg Hochmair, die MED-EL bis heute leitet. Das gemeinsame Unternehmen mit Hauptsitz in Innsbruck sollte sich auf Basis ihrer bahnbrechenden Erfindung vom Start-up zum global agierenden Unternehmen entwickeln und ist heute mit mehr als 1500 Mitarbeitern und 29 Niederlassungen der weltweit zweitgrößte Hersteller von Cochlea-Implantaten.

Künstliches Innenohr gibt Menschen Hörvermögen zurück

Das Cochlea-Implantat ersetzt die beschädigten Hörzellen, indem es Schallwellen in elektrische Signale umwandelt, durch die der Hörnerv im Innenohr direkt stimuliert wird. Auf diese Weise können Personen, die an hochgradiger Schwerhörigkeit leiden, wieder Geräusche und Sprache wahrnehmen. Das künstliche Hörsystem besteht aus dem eigentlichen Implantat, das operativ hinter dem Ohr platziert wird, und einem kleinen, hochleistungsfähigen Audioprozessor, der dank fortlaufender Weiterentwicklung seit 1991 hinter dem Ohr getragen werden kann.

Inzwischen kommen Cochlea-Implantate bei taub geborenen Kindern genauso zum Einsatz wie bei Erwachsenen, die ein- oder beidseitig schwerhörig sind. Nach Schätzungen beläuft sich das globale Marktvolumen für Hörimplantate auf 700 Millionen Euro. Bis 2017 wird es voraussichtlich mit einer jährlichen Wachstumsrate von geschätzten 14 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro steigen. Der Markt ist im Wesentlichen von drei Elementen geprägt: der steigenden Anzahl von Hörschäden infolge einer zunehmend höheren Lärmbelastung sowie einer höheren Lebenserwartung, der schnell wachsenden Basis potentieller Patienten in den Schwellenländern sowie dem technologischen Fortschritt bei Cochlea-Implantaten.

Pressekontakt: Oswald Schröder Spokesperson/Projektleiter Tel. +49 (0)89 2399 1800 mobil: +40 (0)163 8399 668 oschroeder@epo.org

Rainer Osterwalder Stv. Pressesprecher Tel. +49 (0)89 2399 1820 rosterwalder@epo.org

Bernd Münchinger echolot pr Tel. +49 (0) 711 9901480 muenchinger@echolot-pr.de

Rainer Osterwalder | pressetext.redaktion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE