Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Empiris-Preis für Alzheimer-Forscher Carsten Sachse

12.11.2008
Am 7. November hat Dr. Carsten Sachse in Zürich den mit 5.000 CHF dotierten Empiris-Award for Research in Brain Diseases erhalten. Ausgezeichnet wurde der Nachwuchsforscher von der gemeinnützigen Empiris-Stiftung für seine bedeutenden Resultate bei der Erforschung der Struktur von Alzheimer auslösenden Fibrillen.

Diese Proteinablagerungen aus ß-Amyloid-Peptiden lagern sich als "Plaque" oder in Form faserartiger Fibrillen im Nervengewebe des Gehirns ab und zerstören es.

Als Doktorand am Leibniz-Institut für Altersforschung, Fritz-Lipmann-Institut Jena ist es dem Biochemiker unter der Anleitung von Dr. Marcus Fändrich gelungen, elektronenmikroskopische Aufnahmen dieser zu langen Fibrillen aufgestapelten ß-Amyloid-Peptide anzufertigen, die es in dieser hochauflösenden Qualität von unter 10 Angström bisher nicht gegeben hat.

Auf der Grundlage eines speziellen computergesteuerten Bildgebungsverfahrens, das Sachse in Kooperation mit Prof. Nikolaus Grigorieff von der amerikanischen Brandeis Universität entwickelt hat, konnte die Struktur der Alzheimer-Auslöser in ihrer räumlichen Form sichtbar gemacht werden. "Bisher hatten wir nur modellhafte Vorstellungen von diesen Proteinkettenknäuel. Jetzt können wir uns endlich ein realitätsgetreues Bild von den Alzheimer-Auslösern machen", erklärt der Wissenschaftler.

Für die Therapie von Alzheimer ist dieser Erfolg aus der strukturaufklärenden Grundlagenforschung ein bedeutender Schritt. Denn die Entstehung der ß-Amyloid-Fibrille kann - bspw. durch spezifische Antikörper - sehr viel besser bekämpft werden, wenn die exakte dreidimensionale Struktur dieser toxischen Proteinverbindungen bekannt ist. Sie entstehen aus einem Protein, das an der Oberfläche der Zellen abgespalten wird.

Über mehrere Stufen entstehen aus den Abspaltungen zunächst kleinere Fibrillen-Vorläufer, dann immer längere und größere Fibrillen-Komplexe, die schließlich zu Amyloid-Plaques verklumpen. Entdeckt wurden diese Proteinverklumpungen bereits 1906 von Alois Alzheimer. Der Arzt fand diese "merkwürdige Substanz" an den abgestorbenen Nervenzellen im Gehirn von Demenzkranken. Alzheimer gehört auch heute noch zu den folgenschwersten altersbedingten Krankheiten. Am Fritz-Lipmann-Institut widmen sich daher mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen methodischen Blickwinkeln der Frage, wie diese Proteinkettenknäuel aus ß-Amyloid-Peptiden die altersbedingte Demenz verursachen.

Dr. Carsten Sachse, der 2008 bereits den "Wissenschaftspreis für Lebenswissenschaft und Physik" des Beutenberg Campus e.V. in Jena bekam, forscht jetzt als PostDoc am MRC - Laboratory of Molecular Biology in Cambridge, England. Der diesjährige Empiris-Forschungspreis wurde neben Sachse an die israelische Wissenschaftlerin Anat Frydman-Marom aus Tel Aviv vergeben.

Dr. Eberhard Fritz | idw
Weitere Informationen:
http://www.fli-leibniz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht EU-Projekt: Bilder leistungsstark und energieeffizient verarbeiten
24.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht „Allen Unkenrufen zum Trotz“ Neues Projekt sorgt für Schutz der Gelbbauchunken in Bayern
24.01.2017 | Bundesamt für Naturschutz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie