Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie sich Elektronen bewegen: Bildverarbeitung mit Attosekundenauflösung

18.05.2010
Der Karl-Scheel-Preis 2010 der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin
geht an Olga Smirnova vom Max-Born-Institut Berlin

In das Innere von Molekülen und Atomen zu blicken, war lange Zeit ein Traum der Naturwissenschaftler. Er wurde wahr, als es Physikern gelang, ultrakurze Lichtpulse mit der Dauer von nur wenigen Femtosekunden zu erzeugen (eine Femtosekunde ist der millionste Teil einer Milliardstel Sekunde).

Sie können damit in Echtzeit verfolgen, wie sich Atome und Moleküle bewegen und Reaktionen miteinander eingehen. Die Bewegung von Elektronen innerhalb von Atomen und Molekülen ist jedoch noch etwa tausendmal schneller. Um sie zu beobachten, benötigen die Physiker Lichtpulse im Attosekundenbereich. Eine Attosekunde ist der tausendste Teil einer Femtosekunde.

Die Physikalische Gesellschaft zu Berlin (PGzB) verleiht den Karl-Scheel-Preis 2010 an Dr. Olga Smirnova vom Max-Born-Institut (MBI) für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie „in Würdigung ihrer herausragenden Arbeiten zur Bildverarbeitung mit Attosekundenauflösung, insbesondere für die Entwicklung einer Spektroskopie an kleinen Molekülen mittels höherer Harmonischer.“ Dr. Olga Smirnova hat eine Methode entwickelt, bei der Elektronen als Antwort auf den Beschuss mit einem ultrastarken Laserpuls Lichtblitze im Attosekundenbereich aussenden. Diese Lichtblitze sind ungerade Vielfache der eingestrahlten Frequenz, sogenannte höhere Harmonische. Ihre Eigenschaften geben direkt darüber Auskunft, wie sich die elektronischen Zustände in einem Molekül verändern, nachdem ein Elektron herausgelöst worden ist, es also ionisiert wurde.

In der Begründung der PGzB heißt es: „Frau Smirnova hat in ihren theoretischen Arbeiten gezeigt, wie man die Erzeugung von höheren Harmonischen einer elektromagnetischen Welle verwenden kann, um die Mehrfachelektronenantwort von Molekülen auf deren Ionisierung mit Attosekundenauflösung zu untersuchen. Sie hat dabei eine Methode entwickelt, mit der man unterschiedliche Eigenschaften der Emission höherer Harmonischer wie zum Beispiel Spektren, Phasen und Polarisationen des emittierten Lichts nutzen kann, um die zeitlichen Informationen der zugrundeliegenden Mehrfachelektronendynamik in dem Molekül auf der Attosekundenskala zu dekodieren.“

Olga Smirnova leitet seit Anfang 2009 eine Juniorgruppe im Bereich Licht-Materie-Wechselwirkung in intensiven Laserfeldern des Max-Born-Instituts, Direktor dieses Bereichs ist Prof. Dr. Wolfgang Sandner. Durch zahlreiche, weltweit beachtete Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften, Forschungsaufenthalte in Kanada am National Research Council und Österreich an der Technischen Universität Wien sowie eingeladene Vorträge auf internationalen Tagungen hat Olga Smirnova sich eine beachtliche wissenschaftliche Reputation erarbeitet. Sie gehört damit zum Kreis der viel versprechenden Nachwuchswissenschaftlerinnen in Berlin.

Ein Vortrag der Preisträgerin mit dem Titel „High harmonic spectroscopy of small molecules“ mit anschließender Preisverleihung findet am Freitag, dem 25. Juni 2010, ab 17:15 Uhr im Hörsaal des Magnus-Hauses, Am Kupfergraben 7, 10117 Berlin, im Rahmen der Karl-Scheel-Sitzung 2010 statt.

Das gesamte Programm der Veranstaltung kann unter http://www.pgzb.tu-berlin.de abgerufen werden. Zu dieser Veranstaltung laden wir Sie herzlich ein.

Die 1845 gegründete Physikalische Gesellschaft zu Berlin (PGzB) ist einer der ältesten wissenschaftlichen Vereine in Deutschland. Sie ist heute ein Regionalverband der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und widmet sich der Verbreitung von physikalischer Forschung und Lehre, u. a. durch regelmäßige Vortragsveranstaltungen sowie durch die Vergabe verschiedener Preise an hervorragende Physiker.

Der Karl-Scheel-Preis wird für eine herausragende, in der Regel nach der Promotion entstandene wissenschaftliche Arbeit eines Mitgliedes der Gesellschaft vergeben. Dem Vermächtnis Karl Scheels folgend wird dem Preisträger anlässlich eines Festkolloquiums (Karl-Scheel-Sitzung) die Karl-Scheel-Medaille sowie ein Geldbetrag in Höhe von 5.000 € überreicht.

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Kontakt:
Prof. Dr. Holger Grahn
Geschäftsführer der PGzB
Kontakt: htgrahn@pdi-berlin.de
http://www.pgzb.tu-berlin.de
Preisträgerin:
Dr. Olga Smirnova
Max-Born-Institut (MBI) für Nichtlineare Optik
und Kurzzeitspektroskopie
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Max-Born-Straße 2a
12489 Berlin
Tel.: (030) 6392-1356
Fax: (030) 6392-1309
E.mail: smirnova@mbi-berlin.de

Christine Vollgraf | idw
Weitere Informationen:
http://www.mbi-berlin.de/
http://www.pgzb.tu-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

nachricht 1,5 Mio. Euro für das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW)
05.12.2016 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten