Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einfach exzellent: Erstes EXIST-Forschungstransfer-Projekt an Hochschule Bremen

07.03.2012
„Entscheidende Impulse von der InnoWi“ / Auszeichnung, Bundes- und EU-Mittel für hochpräzises System zur Messung optischer Komponenten

Es ist verblüffend leicht zu handhaben und arbeitet mit höchster Präzision. So ergab sich der Name des neuen optischen Messsystems fast von allein. „EasyPrecision“ haben die Professoren Friedrich Fleischmann und Thomas Henning von der Hochschule Bremen ihre Entwicklung genannt. Mit ihrer Arbeit haben sie den Grundstein für ein Projekt der besonderen Art gelegt und der Hochschule ihr erstes EXIST-Forschungstransferprojekt beschert.

Gefördert durch das vom Europäischen Sozialfonds kofinanzierte EXIST-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) können drei junge Wissenschaftler das Produkt nun weiterentwickeln und auf den Markt bringen. Möglich wurde das durch die Unterstützung der Bremer Patent- und Vermarktungsagentur InnoWi GmbH, die wesentliche Vor- und Zuarbeiten für die Realisierung des Vorhabens geleistet hat. In den zwei EXIST-Programm-Förderlinien „Gründerstipendium“ und „Forschungstransfer“ hat letztere Exzellenzcharakter. Die Auswahlkriterien sind sehr hart, und nur wenige Antragsteller dürfen sich über eine Bewilligung freuen. Darunter nun das „EasyPrecision“-Team, dem der EXIST-Brief aus Berlin nun 368.000 Euro verheißt.

Messgerät höchst einfach zu handhaben und auch für KMU erschwinglich
Das neue System misst im Nanometer-Bereich, also in der Größenordnung von Millionstel Millimetern, und es ist vielfältig einzusetzen. Formen und Eigenschaften optischer Komponenten wie Objektive, Spiegel und Linsen für Anlagen der Laserbearbeitung oder für medizinische Geräte lassen sich damit prüfen. Das optische Messsystem hat drei Linearmotoren und eine hochauflösende Industriekamera, als Lichtquelle dienen Laser oder eine LED. Ihr weißes Licht kann mit Farbfiltern an die speziellen Messanforderungen der Kunden angepasst werden. Herz des Systems ist eine ausgeklügelte Software zur Auswertung der Messdaten. Der relativ einfache Aufbau des optischen Messgerätes wirkt sich auf die Stabilität, auf die Handhabung und auf den Preis aus. Es ist recht robust, höchst einfach zu bedienen und vergleichsweise kostengünstig.
US-amerikanisches Patent erteilt
2007 stellten die beiden Professoren ihre erste arbeitsfähige Anordnung her und begannen mit der Suche nach Entwicklungspartnern beim Ingenieurnachwuchs an der Hochschule Bremen. Wegen einer möglichen Vermarktung des hoffnungsvollen Systems wandten sie sich an die InnoWi. „Von den Innovationsmanagern dort haben wir dann entscheidende Impulse bekommen und eine hervorragende Unterstützung“, sagt Prof. Dr.-Ing. Friedrich Fleischmann. Die InnoWi begleitete die Erfinder dann bei Patentanmeldungen und Anträgen, beriet sie, erstellte Analysen und bewertete die Marktfähigkeit des Gerätes. Inzwischen wurde das US-amerikanische Patent erteilt, und auf das deutsche soll auch nicht mehr lange zu warten sein.

„Interessant ist das System für Unternehmen mit großer Produktpalette, die Prototypen und kleine Stückzahlen fertigen sowie für die Hersteller von Sonderoptiken“, sagt Dr. Olaf Klatt von der InnoWi. Das seien zumeist klein- und mittelständische Unternehmen. Gemeinsam mit InnoWi-Geschäftsführerin Dr. Lieselotte Riegger begleitet der Physiker und Patentreferent das Vorhaben. „Wir arbeiten in Hunderten Projekten, und das zumeist im Hintergrund “, sagt Riegger. „An ‚EasyPrecision‘ sehen wir erneut, wie sinnvoll unser Einsatz ist. Von der Innovation im Forschungslabor bis auf den Markt ist es doch ein recht weiter und komplizierter Weg, an dem man ohne professionelle Begleitung leicht scheitern kann.“

Drei engagierte Jungunternehmer am Start
Ufuk Ceyhan, M. Sc., und Dipl.-Ing. Matthias Eichmann sowie Dipl.-Ing. David Hilbig, M. SC., das sind die drei Nachwuchsingenieure und Jungunternehmer, die die Experten-Jury am Ende mit ihrer Kompetenz überzeugt haben. Auch mit ihrem Business-Plan. Das Trio kann nun mithilfe der EXIST-Förderung sein erstes Produkt „EasyPrecision“ zur Marktreife entwickeln. Chef der Unternehmung ist Ceyhan. Der angehende Dr.-Ing. – er promoviert gerade an der Jacobs University, die als Kooperationspartnerin in dem Projekt aktiv ist – hat bereits vielfältige Erfahrungen im Bereich der optischen Messtechnik und hat schon an preisgekürten Vorhaben der Hochschule mitgewirkt. Zudem bringt er von Haus aus Unternehmerdenken mit. Im Rücken haben die Drei bei ihrer Existenzgründung auch immer noch die Hochschule Bremen und die InnoWi.
Expertenjury überzeugt von Sache und unternehmerischem Geist des Gründerteams
Groß war natürlich auch die Freude im Rektorat der Hochschule Bremen. „Dieser schöne Erfolg zeigt doch einmal wieder das Engagement, den Forscherdrang und das innovative Potenzial unserer Wissenschaftler und unseres Fachkräfte-Nachwuchses“, sagte Prof. Dr. Ing. Uta Bohnebeck, Konrektorin für Forschung an der Hochschule Bremen beim Besuch im Hochschullabor. Selbst Ingenieurin, ließ sie sich das System bis ins Detail erklären. Projekte wie diese würden das Ansehen der Hochschulen in der Forschungslandschaft und auch in der Öffentlichkeit weiter stärken, meint sie. Ein EXIST-Forschungstransfer-Projekt betrachte die Hochschule Bremen daher als eine ganz besondere Auszeichnung und als Bestätigung ihrer Arbeit. „Praxisbezug und Transfer sehen wir als eine unserer herausragenden Qualitäten an.“

„Es freut mich sehr, dass auch wieder ein Forscherteam aus einer Fachhochschule die Jury überzeugen konnte. Und zudem noch ein Vorhaben aus dem Land Bremen, das jetzt mit drei Projekten vertreten ist.“, sagt Dietrich Hoffmann, Fachbereichsleiter Unternehmensgründung beim Projektträger Jülich, der die EXIST-Programme umsetzt. „EXIST-Förderungen für Fachhochschulen zählen eher zu den Ausnahmen“, ergänzt er. Bei diesem Projekt, so Hoffmann, habe nicht nur die Sache überzeugt, sondern die Jury sei auch von dem unternehmerischen Geist des Gründerteams beeindruckt gewesen.

Fachhochschulen im EXIST-Programm „Forschungstransfer“ nur sehr selten vertreten
Die große Bedeutung des Erfolges belegt die Statistik des EXIST-Programms: Nur 4 Fachhochschulen konnten 2011 in das EXIST-Forschungstransfer-Programm aufgenommen werden. Im Vergleich: 18 Universitäten und 6 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen erhielten in dem Jahr positive Bescheide. Laut Projektträger Jülich wird in Kürze das 100. Vorhaben seit Start des Programms „EXIST Forschungstransfer“ im November 2007 bewilligt. Universitäten sind dabei mit 73 Prozent, Fachhochschulen mit 7 Prozent und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mit 20 Prozent vertreten.
Beim EXIST-Gründerstipendium ist der Anteil von Fachhochschulen mit 21 Prozent deutlich höher, aber durchaus weiter steigerungsfähig. Diese Bewertung gilt auch für den Anteil des Landes Bremen, das bislang mit 15 Vorhaben beim EXIST-Gründerstipendium vertreten ist. Insgesamt haben seit 2007 bundesweit 780 Gründerteams eine Förderung über das EXIST-Gründerstipendium erhalten.

(Text: Sabine Nollmann)

Achtung, Redaktionen:
Druckfähige Fotos finden Sie unter: www.innowi.de/de/service/downloads oder unter:
https://dataexchange.hs-bremen.de/exchange?g=tnhea9 (bis 2. April 2012).
Weitere Informationen und Ansprechpartner:
www.hs-bremen.de, www.innowi.de, www.exist.de
Prof. Dr.-Ing. Friedrich Fleischmann (Projektleiter, Hochschule Bremen, Metrology and Instrumentation)
Telefon: 0421 59 05-34 53, E-Mail: fleischmann@isms.hs-bremen.de
Dr. Olaf Klatt (Innovationsmanager InnoWi GmbH)
Telefon: 0421 96 007-16, E-Mail: olaf.klatt@innowi.de
Ufuk Ceyhan, M SC. (Hochschule Bremen)
Telefon: 0421 59 05-34 62, E-Mail: ufuk.ceyhan@isms.hs-bremen.de
Share
Weitere Informationen:
http://www.innowi.de/de/service/downloads
https://dataexchange.hs-bremen.de/exchange?g=tnhea9
http://www.hs-bremen.de
http://www.innowi.de
http://www.exist.de

Ulrich Berlin | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht »Die Oberfläche 2018« – Fünf Nominierungen gehen in die Endrunde
18.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht DFG fördert Entwicklung innovativer Forschungssoftware an der Universität Bremen
17.05.2018 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Quantenverschränkung auf den Kopf gestellt

22.05.2018 | Physik Astronomie

„Spukhafte Fernwirkung“ im Physik-Gebäude: Forscher entwickeln Baustein für Quanten-Repeater

22.05.2018 | Physik Astronomie

Selbstleuchtende Pixel für eine neue Display-Generation

22.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics