Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Formel für Feuer und Stahl

18.01.2016

Die Elektrotechnikerin Katrin Blank wird mit dem Hannspeter Winter Preis der TU Wien ausgezeichnet. Sie untersuchte, wie man das Temperaturverhalten von Stahlbrammen in Walzwerken optimal planen kann.

Tonnenschwere Stahlbrammen kommen glühend heiß aus dem Ofen, innerhalb von Minuten werden sie zu dünnem Blech gewalzt. Dabei kommt es auf die richtige Temperatur an. Die Kräfte, die man zum Verformen der Brammen benötigt, hängen ebenso von der Temperatur des Stahls ab wie die Materialeigenschaften, die das Blech am Ende haben wird.


Katrin Blank

Katrin Blank vom Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik der TU Wien hat in ihrer Dissertation ein mathematisches Modell entwickelt, mit dem man das Temperaturverhalten des Stahls vorherberechnen und gezielt planen kann. Für diese Arbeit wurde sie nun mit dem Hannspeter Winter Preis der TU Wien ausgezeichnet.

Vom Saarland nach Wien

Aufgewachsen ist Katrin Blank in einem kleinen Dorf im Saarland, nicht weit von der Dillinger Hütte entfernt, einem Walzwerk, in dem Bleche hergestellt werden. Dass sie eines Tages die Arbeitsabläufe in diesem Werk entscheidend verbessern würde, war damals freilich noch nicht vorherzusehen.

Katrin Blank studierte Mechatronik an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, danach bewarb sie sich bei einem Forschungsprojekt, das die Dillinger Hütte gemeinsam mit Prof. Andreas Kugi von der TU Wien durchführte – der Wechsel von Deutschland nach Österreich ergab sich für Blank somit eher zufällig.

„In mehreren Schritten werden die Stahlbrammen ausgewalzt“, erklärt Katrin Blank. Dabei muss genau darauf geachtet werden, dass die einzelnen Arbeitsschritte bei der richtigen Temperatur erfolgen. Die Materialeigenschaften auf mikroskopischer Skala, die Festigkeit des Blechs und die Kraft, die bei der Verformung aufgewendet werden muss, hängen davon ab, bei welchen Temperaturen die Walzschritte stattfanden.

Diese Temperaturen konnten mit bisherigen Modellen nur grob abgeschätzt werden. „Größere Abweichungen zwischen der Vorhersage und den tatsächlichen Messwerten waren durchaus möglich“, sagt Blank. „Daher musste man die Brammen gegebenenfalls noch eine Weile auskühlen lassen, bis man den nächsten Schritt starten konnte.“ Mit ihrem mathematischen Modell kann man das Verhalten des Werkstoffes beim Walzen nun aber besser vorhersehen und planen.

„Das Modell bildet die physikalischen Vorgänge beim Walzen genau ab – die Wärmeleitung, den Temperaturaustausch mit der Umgebung, die Verformung des Materials“, sagt Katrin Blank. Wichtig ist dabei, dass das Modell zwar präzise, aber auch nicht zu kompliziert wird. Es soll während des Produktionsprozesses in Echtzeit laufen, damit der Zustand der Brammen jederzeit vorherberechnet und wenn nötig angepasst werden kann. Das spart Zeit, es verringert den Ausschuss bei der Produktion, es ermöglicht eine bessere Auslastung des Walzwerks und hilft damit auch, Energie zu sparen und den CO2-Ausstoß zu senken.

Fünf Jahre lang arbeitete Katrin Blank an der TU Wien. Ihre Dissertation schloss sie mit höchsten akademischen Ehren ab – einer Promotio Sub Auspiciis, danach half sie als Postdoc noch mit, ein weiteres Forschungsprojekt zu starten. Gemeinsam mit ihrem Mann wird sie nun nach Vorarlberg übersiedeln und dort für die Firma Thyssen Krupp Presta arbeiten.

Hannspeter-Winter-Preis für herausragende Dissertation

Jedes Jahr wird der Hannspeter-Winter-Preis an eine Absolventin des Doktoratsstudiums der TU Wien vergeben. Er ist mit € 10.000 dotiert und wird gemeinsam von der TU Wien und der BA/CA-Stiftung finanziert. Der Forschungspreis wurde im Gedenken an TU-Professor Hannspeter Winter gestiftet, der sich stets für die Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen eingesetzt hat. Der diesjährige Hannspeter-Winter-Pre wird am 22. Jänner 2016 im Rahmen einer akademischen Feier an der TU Wien an Dr. Katrin Blank vergeben.

Fotodownload: https://www.tuwien.ac.at/dle/pr/aktuelles/downloads/2016/feuer/

Rückfragehinweis:
Dr. Katrin Blank
katrin.blank@gmx.at

Aussender:
Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T: +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at

Dr. Florian Aigner | Technische Universität Wien

Weitere Berichte zu: Brammen Dillinger Hütte Stahl Verformung Walzen Walzwerk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Kieler Projekt „FucoSan – Gesundheit aus dem Meer“ erhält 2,2 Millionen Euro
27.07.2017 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

nachricht Mikrophotonik – Optische Technologien auf dem Weg in die Hochintegration
21.07.2017 | VDI Technologiezentrum GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie