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Drei prestigereiche "ERC Starting Grants" für ForscherInnen der Universität Wien

20.10.2010
Goulnara Arzhantseva, Professorin an der Fakultät für Mathematik der Universität Wien, sowie die Molekularbiologen Sascha Martens und Florian Raible von den Max F. Perutz Laboratories der Universität Wien erhalten "ERC Starting Grants" des Europäischen Forschungsrates. Somit geht bereits zum sechsten Mal seit 2007 diese hoch dotierte Förderung für junge SpitzenforscherInnen an die Universität Wien.

Die Förderung von grundlagenorientierter Pionierforschung ist einer der neueren Schwerpunkte der Europäischen Union. Dafür wurde ein eigenes Instrument, der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) geschaffen.

Gefördert werden Forschungsprojekte mit hohem Potenzial für Innovationen, aber auch mit hohem Risiko. Den ausgewählten ForscherInnen wird bei Förderung ein besonders hoher Freiraum zur Verwirklichung ihrer Visionen zugestanden. Ein internationales Gutachtergremium mit renommierten ExpertInnen entscheidet über die Förderungswürdigkeit der Anträge.

"Die nunmehrige Auszeichnung ist ein großer Erfolg für die WissenschafterInnen und bestätigt die Berufungspolitik der Universität Wien", freut sich Heinz W. Engl, Vizerektor für Forschung und Nachwuchsförderung der Universität Wien.

Gruppentheorie: mathematisch zur "Schönheit der Welt"

Gruppen sind mathematische Strukturen, die Symmetrien ausdrücken – und für Goulnara Arzhantseva dadurch "die Schönheit der Welt darstellen". Ihre Forschung ist ein zentraler Teil der Algebra, die Anwendungen betreffen viele mathematische Gebiete sowie Physik, Chemie, Biologie und Informatik. Ziel von Arzhantsevas Projekt "Analytic properties of infinite groups: limits, curvature, and randomness" ist, neue Konzepte und Techniken in der geometrischen und asymptotischen Gruppentheorie zu entwickeln, die zur Etablierung eines Forschungszweigs führen – der analytischen Gruppetheorie.

Arzhantseva wurde in Russland geboren und erlangte ihr Doktorat in Mathematik an der Moskauer Lomonossow-Universität. Ab 1998 forschte sie in der Schweiz; erst an der Universität Genf, danach in Neuchâtel. Seit 2010 ist sie Professorin für Algebra an der Universität Wien – und die erste Professorin der Fakultät für Mathematik.

HOR.MOON: "mondsüchtige" Borstenwürmer

Florian Raible beschäftigt sich in seinem Projekt mit der mondlichtabhängigen Hormonproduktion des Borstenwurmes Platynereis dumerilii. Das von Mondphasen gesteuerte Fortpflanzungsverhalten vieler Meeresbewohner ist gut bekannt, die zugrundeliegenden molekularen Prozesse sind aber noch kaum erforscht. Die Gruppe von Florian Raible konnte zeigen, dass das hormonelle Steuerungssystem des Borstenwurmes unerwartete Ähnlichkeiten mit dem von Menschen und anderen Wirbeltieren aufweist. Mit den Mitteln des ERC Starting Grants wird das Team entschlüsseln, wie die verschiedenen Hormone zusammenspielen, um die Reifung der Würmer zum rechten Zeitpunkt zu gewährleisten.

Raible absolvierte sein Diplomstudium an der Universität Heidelberg und am Massachusetts General Hospital in Boston. Er promovierte am Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik und der Technischen Universität Dresden. Danach arbeitete er als PostDoc am European Molecular Biology Laboratory EMBL in Heidelberg tätig. Seit Mai 2008 forscht er an den Max F. Perutz Laboratories.

Autophagosomen: Rohstoff-Recycling in der Zelle

Autophagie ist ein von der einzelligen Hefe bis zum Menschen höchst ähnlich ablaufender Vorgang, der der Wiedergewinnung von essentiellen Rohstoffen und dem Abbau schädlicher Substanzen in der Zelle dient. Er tritt insbesondere in Hungersituationen, aber auch beim Abtöten von Krankheitserregern in der Zelle auf. Im Zuge dieses Vorgangs werden in der Zelle eigene "Recycling-Stationen", die Autophagosomen, gebildet, in denen die "überflüssigen" oder schädlichen Substanzen aufgelöst werden. In seinem Forschungsprojekt befasst sich Sascha Martens mit den molekularen Mechanismen der Bildung dieser Autophagosomen.

Martens, geboren in Berlin, studierte an der Universität Köln und erwarb dort sein Doktorat in Genetik. Von 2005 bis 2009 war er als PostDoc am MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge tätig, bevor er im Herbst vergangenen Jahres an die MFPL wechselte.

Bereits elf "ERC Grants" für die Universität Wien

Mit Goulnara Arzhantseva, Sascha Martens und Florian Raible baut die Universität Wien ihre Erfolgsstatistik weiter aus und hält bei bereits sechs "ERC Starting Grants" seit der Einführung des Förderprogramms im Jahr 2007. Ebenso erhielten die Historikerin Sigrid Wadauer sowie die Physiker Markus Aspelmeyer und Frank Verstraete diesen Preis. Darüber hinaus konnten bisher fünf WissenschafterInnen der Universität Wien einen "ERC Advanced Grant" einwerben: Herlinde Pauer-Studer (Philosophie), Anton Zeilinger (Physik), Tecumseh Fitch (Kognitionsbiologie) sowie Ludmil Katzarkov und Walter Schachermayer (Mathematik).

Max F. Perutz Laboratories

Die Max F. Perutz Laboratories sind ein 2005 gegründetes Joint-Venture der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien am Campus Vienna Biocenter. An den MFPL forschen über 60 Arbeitsgruppen im Bereich Molekularbiologie. Seit 2007 leitet der Biochemiker Graham Warren das Institut.

Rückfragehinweis
Mag. Cornelia Blum
Pressesprecherin
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
M +43-664-602 77-100 12
cornelia.blum@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://erc.europa.eu/
http://univie.ac.at/175

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