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Drei neue ERC Grants für Tübinger Max-Planck-Nachwuchsforscher

18.09.2012
Fulvia Bono, Wolfram Antonin und Michael Hothorn erhalten hochdotierte europäische Projektförderung

Fulvia Bono, Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, sowie Wolfram Antonin und Michael Hothorn, beide Max-Planck-Forschungsgruppenleiter am Friedrich-Miescher-Laboratorium in Tübingen, werden jeweils mit einem Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC – European Research Council) ausgezeichnet.

Für die Umsetzung ihrer als wissenschaftlich exzellent bewerteten Projektvorschläge erhalten sie jeweils bis zu 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre. Mit den ERC Starting Grants soll die wissenschaftliche Eigenständigkeit der neuen Generation an Spitzenforschern in Europa zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Karriere gefördert werden.

Nach Angaben des ERC werden dieses Jahr insgesamt 800 Millionen Euro für Starting Grants an 536 Forscherinnen und Forscher europaweit vergeben. 4741 Bewerbungen um die hochdotierte Auszeichnung, die nach wissenschaftlicher Exzellenz der Forschungsanträge vergeben wird, waren eingegangen. Bei den ERC Grants handelt es sich sowohl um eine persönliche Auszeichnung der Forscher als auch um eine fünfjährige Projektförderung.
Die diesjährigen Auszeichnungen heben die wissenschaftliche Exzellenz des Tübinger Max-Planck-Campus hervor: Zusammen mit den Preisträgern des ERC Starting Grants von 2010, Gáspár Jékely und Richard Neher, beide vom MPI für Entwicklungsbiologie, werden nun fünf der 13 unabhängigen Nachwuchsgruppenleiter am MPI für Entwicklungsbiologie und am Friedrich-Miescher-Laboratorium mit ERC Starting Grants gefördert.

Fulvia Bono leitet seit 2011 eine eigenständige Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie. Sie untersucht die Rolle des Transports von Makromolekülen innerhalb der Zelle bei der Regulierung der Genexpression. Mit den Mitteln aus dem ERC Starting Grant will die Forscherin ihr Thema ausweiten auf die entscheidende Rolle, die die korrekte Platzierung der Boten-RNA im Zellplasma spielt bei Entwicklungsprozessen der Tiere, bei der Aufrechterhaltung der Zellpolarität und bei der Funktion des Nervensystems.

Die Boten-RNA wird mit bestimmten Proteinen zu Komplexen vereinigt, den sogenannten mRNP-Komplexen. Bei der Fruchtfliege Drosophila bestimmt der Aufenthaltsort dieser Komplexe in der Zelle die Ausbildung der Körperachse im Embryo. Fulvia Bono will die Funktion und Mechanismen der mRNP-Komplexe verstehen und auf diese Weise tiefere Einblicke erhalten, wie die Gene und das Erscheinungsbild eines Organismus zusammenhängen.

Mit dem Geld aus dem ERC Starting Grant wird sie ihre Arbeitsgruppe vergrößern. „Mit den zusätzlichen Mitteln aus dem ERC Grant kann ich einige neue wissenschaftliche Herausforderungen angehen, was sonst nicht denkbar gewesen wäre”, sagt sie. Fulvia Bono ging nach ihrer Promotion an der Universität in Pavia im Jahr 2000 für fünf Jahre an das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg und war bereits von 2008 bis 2011 Projektgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie.

Wolfram Antonin ist seit 2006 Leiter einer Max-Planck-Forschungsgruppe am Friedrich-Miescher-Laboratorium. Er erforscht, wie die Kernhülle, die den Zellkern mit der DNA vom Zellplasma abgrenzt, bei der Zellteilung zunächst abgebaut und nach Bildung neuer Tochterzellen wieder aufgebaut wird. Über den ERC Starting Grant kann er ein zusätzliches Projekt mit mehreren neuen Mitarbeitern bearbeiten: die DNA-Dekondensation.

Bei der Teilung einer Zelle muss die DNA für den Transport stark verdrillt und bis zu 50-fach in den Chromosomen verkürzt werden. In den neuen Tochterzellen wird die DNA wieder entpackt, damit sie abgelesen und kopiert werden kann. Wolfram Antonin war aufgefallen, dass die Verpackung der DNA zwar gut erforscht, über das Dekondensieren der DNA jedoch kaum etwas bekannt ist. Es sei zwar vorstellbar, so der Forscher, dass es sich um einen passiven Vorgang handelt, als würde man eine Klammer um die DNA-Fäden lösen, die sich dann entspannen. Erste Vorversuche deuten nun aber auf einen aktiven Vorgang hin. Wolfram Antonin will untersuchen, welche Prozesse dabei ablaufen und welche Proteine beteiligt sind.

„Das ist Hochrisiko-Forschung in dem Sinne, dass wir überhaupt nicht vorhersagen können, ob etwas und was herauskommt. Das ist das Besondere an den ERC Grants, dass die Geldgeber den ausgewählten Forschern persönlich großes Vertrauen entgegenbringen und gute Forschungsideen fördern“, sagt er. Wolfram Antonin hat seine Doktorarbeit 2001 am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen abgeschlossen und forschte bis 2006 am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg, bevor er ans Friedrich-Miescher-Laboratorium in Tübingen kam.

Michael Hothorn hat Anfang des Jahres eine eigene Max-Planck-Forschungsgruppe am Friedrich-Miescher-Laboratorium gegründet. Er forscht auf dem Gebiet der Strukturbiologie der Pflanzen und untersucht die Signalleitung in Pflanzenzellen. Mit den Mitteln aus dem ERC Starting Grant wird Michael Hothorn ein zusätzliches Projekt angehen: Er will wissen, welches Enzym die in Pflanzenzellen zu beobachtenden Phosphatpolymere aufbaut. Das entsprechende chemische Zellwerkzeug ist aus Bakterien schon lange bekannt, ist aber in dieser Form in Zellen höher organisierter Lebewesen wie Pflanzen oder Säugetieren nicht vorhanden. Bisher sei auch die Funktion der Phosphatpolymere noch rätselhaft, so der Forscher, vermutet werde aber, dass Pflanzen sie als Phosphatspeicher nutzen. Aus dem Projekt könnten sich auch Aspekte für die Anwendung ergeben, denn viele der heutigen Nutzpflanzen litten unter Phosphatmangel und benötigten Phosphatdünger.
„Ohne den ERC Grant wäre das Projekt in dieser Größe und Art nicht finanzierbar gewesen, für die üblichen Wege der Forschungsförderung hätten die Vorarbeiten so nicht gereicht. Die Chance bei einem solchen Projekt ist, etwas fundamental Neues zu entdecken, das Risiko aber auch, nur einzelne Datenpunkte zu erfassen, ohne eine Verbindung dazwischen zu erhalten“, sagt der Forscher. Michael Hothorn wurde 2006 mit einer Forschungsarbeit am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg promoviert und hat am Salk Institute for Biological Studies in La Jolla in den USA geforscht, bevor er 2011 ans Friedrich-Miescher-Laboratorium wechselte.

Ansprechpartner:
Dr. Fulvia Bono
Tel.: 07071 601- 1367
E-Mail: fulvia.bono(at)tuebingen.mpg.de

Dr. Wolfram Antonin
Tel.: 07071 601- 836
E-Mail: wolfram.antonin(at)tuebingen.mpg.de

Dr. Michael Hothorn
Tel.: 07071 601- 823
E-Mail: michael.hothorn(at)tuebingen.mpg.de

Janna Eberhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.tuebingen.mpg.de

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