Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DKFZ-Wissenschaftler erhalten Kind-Philip-Preis für Forschung an Leukämie und Kinderkrebs

02.06.2014

Dr. Ina Oehme und Dr. David Jones vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben in diesem Jahr den Forschungspreis der Kind-Philipp Stiftung erhalten. Der Kind-Phillip Preis zeichnet jährlich die beste wissenschaftliche Arbeit im deutschsprachigen Raum aus, die sich mit Krebs im Kindesalter auseinandersetzt. Die Arbeiten der beiden Forscher beschäftigten sich mit besonders schwer behandelbaren Tumoren im Nervengewebe und Gehirn von Kindern und stellen erfolgversprechende Therapieansätze in Aussicht.

„Ich freue mich sehr über die Auszeichnung. Sie zeigt, dass unsere Arbeit gewürdigt wird und ich hoffe, dass unsere Ergebnisse in Zukunft zur Anwendung kommen“, sagt Dr. Ina Oehme. Am DKFZ erforscht sie Neuroblastome. Dies sind oft therapieresistente Tumoren im Nervengewebe von Kindern.

Der Verlauf der Erkrankung kann sehr unterschiedlich sein. Während sich manche Tumoren spontan zurückbilden, enden andere Erkrankungen tödlich. Besonders gefährlich ist, dass manche Neuroblastome die übliche Chemotherapie überstehen. Dies gelingt ihnen, in dem sie zelleigene Resistenzmechanismen nutzen.

Ina Oehme aus der Abteilung Pädiatrische Onkologie von Professor Olaf Witt ist es gelungen, einen zelleigenen Mechanismus zu identifizieren, der dazu führt, dass einzelne Tumorzellen die chemotherapeutische Behandlung überleben und neue Tumorzellkolonien ausbilden können.

Enzyme des Typs HDAC fördern die Aggressivität des Tumors, indem sie einen Selbstverdauungsprozess unterstützen. Es stellte sich heraus, dass die Menge an HDAC10 den Erfolg der Therapie maßgeblich beeinflusst. Aus diesem Grund haben die Forscher das Enzym in seiner Bildung und Funktion blockiert. Anschließend war die herkömmliche Chemotherapie bei Zellkulturen wieder erfolgreich.

Auch Dr. David Jones freut sich über die Auszeichnung: „Für den Preis bin ich natürlich sehr dankbar und es ist schön zu sehen, dass unsere Ergebnisse so auch in die Öffentlichkeit getragen werden.“ David Jones arbeitet am DKFZ in der Abteilung Pädiatrische Neuroonkologie unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Pfister. Die Forscher fanden die Ursache für den häufigsten Hirntumor bei Kindern, das pilozytisches Astrozytom.

Eine Genanalyse der Tumorzellen von 96 Patienten ergab, dass ein zellulärer Signalweg in diesen Zellen überaktiv ist. Bei allen Patienten lagen dabei ähnliche Gendefekte vor. Medikamente, die den Signalweg bzw. die defekten Gene in ihrer Funktion blockieren, bieten sich daher als geeignetes, therapeutisches Mittel an.

Die speziellen Hirntumoren sind besonders gefährlich, weil sie chirurgisch schwer zu entfernen sind. Sie kehren deshalb nach der Operation häufig wieder zurück. Die betroffenen Kinder können stark geistig oder körperlich beeinträchtigt sein.

Die Preisverleihung fand während der 83. Halbjahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) im Mai in Berlin statt.

Walter Reiners gründete die Kind-Philipp-Stiftung im Jahr 1972, nachdem sein Sohn Philipp trotz Therapie an akuter Leukämie verstorben war. Seitdem fördert die Stiftung die Grundlagenforschung, um Leukämie und Krebs im Kindesalter zu verstehen. Der Kind-Philipp-Preis geht jährlich an die beste Forschungsarbeit deutscher Wissenschaftler im Bereich Leukämie und Krebs im Kindesalter. Ein Gutachtergremium der GPOH prüft die Anträge. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Diese Pressemitteilung ist abrufbar unter www.dkfz.de/pressemitteilungen

Ansprechpartner für die Presse:

Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42-2854
F: +49 6221 42-2968
E-Mail: S.Seltmann@dkfz.de

Dr. Sibylle Kohlstädt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
F: +49 6221 42 2968
E-Mail: presse@dkfz.de

Dr. Stefanie Seltmann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Deutscher Wirtschaftspreis für Forschung in Gesundheitsökonomik
21.08.2017 | Joachim Herz Stiftung

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik