Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diabetes-Forscher am Klinikum der Universität München erhält Werner-Creutzfeld-Preis

19.02.2010
Prof. Dr. Burkhard Göke hat den mit 10.000 Euro dotierten Werner-Creutzfeldt-Preis 2010 der Deutschen Diabetes-Gesellschaft erhalten.

Damit hat die Organisation die Forschungen des Direktors der Medizinischen Klinik und Poliklinik II (Campus Großhadern) und ärztlichen Direktors des Klinikums der Universität München gewürdigt. "Dieser Preise freut mich besonders deshalb, weil man für seine kontinuierliche Forschung und nicht nur für eine Einzelleistung ausgezeichnet wird", sagt der Preisträger. Gestiftet wird der Preis von der Firma Lilly (Bad Homburg).

Konkret geht es um Prof. Gökes Arbeiten über das Peptid-Hormon GLP-1 (für "Glucagon-like Peptid 1), "das eine wesentliche Rolle im Zucker-Stoffwechsel spielt", wie der Mediziner erläutert. Gebildet von bestimmten Zellen des Dünndarms, wird das Hormon in den Blutkreislauf abgegeben, sobald wir etwas essen. Dann bewirkt es eine der jeweiligen Mahlzeit angepasste Abgabe von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Letzten Endes entfernt der Körper genau so viel des schädlich wirkenden Zuckers aus dem Blut, dass keine gefährlichen Unterzuckerungen auftreten. Überdies hemmt GLP-1 das Hunger- und Durstgefühl, verzögert die Magenentleerung und bremst die Bildung von Zucker in der Leber. Bei Typ-2-Diabetikern ist einerseits die Ausschüttung des Peptid-Hormons vermindert und andererseits auch dessen Wirkung herabgesetzt.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Göke hat die Andockstellen (Rezeptoren) von GLP-1 in der Bauchspeicheldrüse beschrieben. Durch gezielte gentechnologische Veränderungen des Rezeptors hat das Team wichtige Detailkenntnisse zur molekularen Signalübertragung von GLP-1 gewonnen. Die Forschungen unterstützten letztlich die Entwicklung neuer Medikamente, die inzwischen auf dem Markt und in der Diabetes-Therapie etabliert sind. Durch neue Erkenntnisse über das GLP-1-verwandte Peptid-Hormon GIP hat das Münchener Team aus Ärzten, Veterinären und Grundlagenforschern jetzt eine Art diabetisches Schwein geschaffen. An diesem Großtier lassen sich nun Untersuchungen über den Diabetes-Verlauf und neue Therapie-Interventionen sehr ähnlich zur Situation beim menschlichen Patienten machen.

Prof. Göke bedankte sich für die Auszeichnung und verwies auf die exzellente Zusammenarbeit mit Kollegen aus zunächst Marburg und jetzt München und hob auch die nachhaltige Unterstützung seiner Arbeiten durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft hervor.

Forschung und Patientenversorgung
Am Klinikum der Universität München gibt es mehrere spezialisierte Einrichtungen für die Erforschung des Krankheitsbildes Diabetes sowie für die Behandlung von Patienten.

Spezialambulanz Stoffwechsel/Diabetes in der Medizinischen Klinik II am Campus Großhadern, Marchioninistr. 15, 81377 München. Tel: 089/7095-3010

Diabetes-Zentrum in der Medizinischen Klinik, Campus Innenstadt, Ziemssenstr. 1, 80336 München
Tel: 089/5160-2330
E-mail: kontakt@diabeteszentrum-uni-muenchen-innenstadt.de
Pädiatrische Diabetologie im Dr. von Haunersches Kinderspital, Lindwurmstr. 4a, 80337 München

Tel: 089/5160-2839

Literatur:
R. Göke, H.C. Fehmann, T. Linn, H. Schmidt, M. Krause, J. Eng, B. Göke: Exendin-4 is a high potency agonist and truncated exendin (9-39) amide a potent agonist at the GLP-1 (7-37) amide receptor of insulin-secreting ß-cells. J. Biol. Chem. 1993; 268: 19650-19655
J. Schirra, M. Katschinski, C. Weidmann, T. Schäfer, U. Wank, R. Arnold, B. Göke: Gastric emptying and release of incretin hormones after glucose ingestion in humans. J. Clin. Invest. 1996; 97: 92-103
M.M. Byrne, K. Gliem, U. Wank, R. Arnold, M. Katschinski, K.S. Polonski, B. Göke: Glucagon-like peptide 1 improves the ability of the ß-cell to sense and respond to glucose in subjects with impaired glucose tolerance. Diabetes 1998; 47: 1259-1265
J. Schirra, M. Nicolaus, R. Roggel, M. Katschinski, M. Storr, J. Wörle, B. Göke: Endogenous glucagon-like peptide 1 controls endocrine pancreatic secretion and antro-pyloro-duodenal motility in human. Gut 2006; 55: 243-251
S. Renner, C. Fehlings, N. Herbach, A. Hofmann, D.C. von Waldthausen, B. Kessler, K. Ulrichs, I. Chodnevskaja, V. Moskalenko, W. Amselgruber, B. Göke, A. Pfeifer, R. Wanke, E. Wolf: Glucose intolerance and reduced proliferation of pancreatic ß-cells in transgenic pigs with impaired GIP function.

Diabetes 2010, im Druck

Kontakt
Prof. Dr. med. Burkhard Göke
Direktor Medizinische Klinik II,
Klinikum der Universität München, Campus Großhadern
Tel: 089/7095-2391
E-mail: burkhard.goeke@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2008 an den Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 45 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt 9.800 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2008 etwa 64 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe
22.09.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Millionen für die Krebsforschung
20.09.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie