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DGOOC-Preis 2008: Neuroprothesen nur mit Gedanken steuern

22.10.2008
Jährlich werden rund 1800 Menschen in Deutschland querschnittgelähmt. Bei 40 Prozent von ihnen sind alle 4 Gliedmaße betroffen, sodass sie auch Hände und Arme nicht mehr selbstständig bewegen können.

Um diesen ein zumindest teilweise eigenständiges Leben zu ermöglichen, entwickelte Ingenieur Rüdiger Rupp von der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg eine neue Generation von Neuroprothesen, die einfacher zu handhaben sind und in einigen Jahren sogar vollständig Gelähmten einen Teil ihrer Greiffunktionen wiedergeben können. Für die auch international viel beachtete Neuentwicklung erhält Rupp in Berlin den Konrad-Biesalski-Preis der DGOOC.

Mehr als die Hälfte aller Querschnittgelähmten sind infolge einer Verletzung gelähmt. Auch Tumoren, Infektionen, Entzündungen oder Erbkrankheiten können die Ursache sein. Sind neben den Beinen auch die oberen Gliedmaßen betroffen, sind Patienten bisher für ihr restliches Leben vollständig auf fremde Hilfe angewiesen. "Die Fähigkeit, Gegenstände zu greifen, entscheidet darüber, ob ein selbstständiges Leben möglich ist", erläutert Dr.-Ing. Rüdiger Rupp.

Grundlage seiner Neuentwicklung ist ein Gerätekonzept, mit dem sich ein deutlich besserer Alltagsnutzen erreichen lässt als mit der bisherigen Gerätetechnik. Bei den herkömmlichen Neuroprothesen müssen komplizierte Hilfsbewegungen erlernt werden, um die gewünschten Funktionen in den gelähmten Gliedmaßen auszulösen. So wird beispielsweise der Griff der rechten Hand mit der linken Schulter stimuliert. Rupps Entwicklung nutzt jedoch die noch vorhandene, sehr schwache Muskulatur des rechten Armes, um den Griff der rechten Hand zu stimulieren. Die Greifvorgänge sind für die Betroffenen dadurch einfacher zu kontrollieren, eine lange Einarbeitungsphase entfällt.

Rupp ist außerdem erstmalig der Nachweis gelungen, dass Bewegungsvorstellungen auf dem Kopf ableitbare elektrische Aktivitätsänderungen hervorrufen, mit denen die durch die Neuroprothese erzeugten Bewegungen gesteuert werden können. Auch wenn diese Gedankensteuerung noch sehr trainingsintensiv und langsam ist, ist sie die Grundlage für die Zukunft: "Bald können damit Höchstgelähmte ohne jegliche Restfunktionen in den Armen eine komplette Armneuroprothese bedienen", verspricht Rupp.

Wann die innovative Technik Betroffenen zur Verfügung stehen könnte, ist eines der Themen der Pressekonferenz am Freitag, dem 24. Oktober 2008, anlässlich des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin. Weitere Preisträger der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC), der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) sowie des Berufsverbandes der Orthopäden und Unfallchirurgen (BVOU) informieren hier über ihre Arbeiten, für die sie 2008 auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie ausgezeichnet werden.

Terminhinweis:

Pressekonferenz
Freitag, 24. Oktober 2008, von 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Funkturm-Lounge, ICC Berlin
Themen und Referenten:
Fazit des Kongresses
Dr. med. Siegfried Götte
Präsident des Berufsverbands der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU), 1. Vorsitzender der Akademie Deutscher Orthopäden
Knorpel wachsen häufig nicht alleine zusammen: Können Klebeverfahren nach Gelenkfrakturen die Heilung verbessern?
Privat-Dozent Dr. med. Carsten Englert
Preisträger Innovationspreis DGU 2008, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU), Oberarzt am Universitätsklinikum Regensburg, Abteilung für Unfallchirurgie
Wie machen wir junge Orthopäden für die Zukunft fit?
Dr. med. Bernhard Hausen
Preisträger Hubert-Waldmann-Plakette 2008, Mitglied im Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU), Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Brandenburg an der Havel
Motorische Rehabilitation von Querschnittsgelähmten durch Elektrostimulation: Integratives Konzept für die Kontrolle von Therapie und funktioneller Restitution
Dr.-Ing. Rüdiger Rupp
Preisträger Konrad-Biesalski-Preis 2008, Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg, Leiter der Forschung Abteilung Orthopädie II, Labor für Translational Research in SCI, Heidelberg
Welche Rolle spielen Gene und Immunsystem bei Gelenkerkrankungen?
Privat-Dozent Dr. med. Deike Jürgen Varoga
Preisträger Hans-Liniger-Preis 2008, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Künstliche Schultergelenke mit Sensor: Wie können Messungen die Versorgung der Patienten verbessern?
Dipl.-Ing. Peter Westerhoff
Preisträger Themistokles-Gluck-Preis 2008,
Julius-Wolff Institut, Biomechanik Labor, Charité - Universitätsmedizin Berlin
Pressekontakt:
Beate Schweizer
Pressestelle Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-295, Fax: 0711 8931-167
E-Mail: schweizer@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org

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