Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG zeichnet Ersatzmethoden zu Tierversuchen aus

20.01.2011
Ursula M. Händel-Tierschutzpreis geht an Forscherteams aus Hamburg und Konstanz / „Grundlagenforschung kann Zahl der Versuche senken“ / Verleihung am 24. Januar in Berlin

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zeichnet erneut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, die den Tierschutz in der Forschung verbessern. Der von der DFG vergebene Ursula M. Händel-Tierschutzpreis geht 2011 an Dr. Arne Hansen, Alexander Eder, Sebastian Schaaf und Professor Thomas Eschenhagen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie an Dr. Maria Moreno-Villanueva und Professor Alexander Bürkle von der Universität Konstanz.

Beide Forscherteams haben innovative Verfahren entwickelt, mit denen sich die Zahl von Tierversuchen deutlich senken lässt. Solche Ersatzmethoden zu fördern, ist Ziel des nach seiner Stifterin Ursula M. Händel benannten Preises, der bereits zum vierten Mal vergeben wird. Die Auszeichnung ist mit 50 000 Euro dotiert, die sich die beiden Preisträger-Teams teilen. Verliehen wird der Preis am 24. Januar in einer DFG-Veranstaltung in Berlin, die Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit zum Dialog über Tierversuche und Tierschutz in der Forschung zusammenbringt.

Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger wurden von einer wissenschaftlichen Jury unter 14 Bewerbungen ausgewählt. Von diesen verbinden die beiden ausgezeichneten Projekte in besonderer Weise hochkarätige Forschung und Verbesserung des Tierschutzes. Beide zielen darauf ab, die Wirkungen pharmakologischer und toxikologischer Stoffe weit seltener als bislang im Tierversuch untersuchen zu müssen. Über ihre Bedeutung für die Grundlagenforschung hinaus haben sie auch ein hohes Anwendungspotenzial für die Pharmazeutische Industrie.

Das Forscherteam rund um Professor Thomas Eschenhagen am Hamburger UKE befasst sich mit den Wirkungen pharmakologischer Stoffe auf das menschliche Herz. Diese kardialen Wirkungen werden bislang hauptsächlich im Tierversuch geprüft. Die Hamburger Wissenschaftler entwickeln dafür ein innovatives Ersatzverfahren, das humane embryonale Stammzellen nutzt. Aus diesen differenzieren die Forscher Gewebe, das die Eigenschaften von Herzmuskelgewebe aufweist und besonders flexibel für das Screening der Wirkstoffe eingesetzt werden kann. Schlagkraft und -dauer des Herzens können hier ebenso vorgegeben und variiert werden wie andere für die Untersuchung wichtige Parameter. Das in seiner Entwicklung bereits weit fortgeschrittene und in international renommierten Fachjournalen publizierte Verfahren macht zudem eine weitgehend automatisierte Versuchsdurchführung und -auswertung möglich.

Die Konstanzer Preisträger Dr. Maria Moreno-Villanueva und Professor Alexander Bürkle untersuchen die Genotoxizität, also die Wirkungen chemischer Stoffe, die Änderungen im genetischen Material von Zellen auslösen. Hierzu wird bislang in großen Mengen Serum benötigt, das aus Rinderföten gewonnen wird. In dem nun ausgezeichneten Verfahren wird dagegen in Zellen ein Farbstoff eingebracht, der je nach Wirkung der untersuchten Stoffe in unterschiedlicher Weise fluoresziert. Seine Intensität ist dann besonders hoch, wenn die DNA in der Zelle als Doppelstrang erhalten bleibt, was darauf schließen lässt, dass keine Genotoxizität vorliegt. Die Intensität des Farbstoffs verringert sich dagegen, wenn auch die Zahl der Doppelstrang-DNA ab- und die der Einzelstrang-DNA zunimmt. Dies lässt auf Brüche im genetischen Material und damit auf Genotoxizität schließen. Auch dieses, bereits zum Patent angemeldete Verfahren ist in hohem Maße automatisiert und ermöglicht es, zahlreiche Substanzen in kurzer Zeit zu testen.

Aus Sicht der DFG zeigen beide Verfahren, dass auch die Grundlagenforschung einen substanziellen Beitrag zum Tierschutz leisten kann. „Die tierexperimentelle Forschung ist in ganz besonderer Weise mit dem Dilemma der ethischen Abwägung verbunden. Dies gilt auch in der Grundlagenforschung, in der sich heute und auch in Zukunft viele Fragestellungen nur im Tierversuch vollständig klären lassen. Auf Tierversuche werden wir also nicht vollständig verzichten können. Die Grundlagenforschung kann aber dazu beitragen und trägt bereits vielfach dazu bei, die Zahl der Versuche zu reduzieren und die Versuchsbedingungen so zu verbessern, dass sie die Tiere so wenig wie möglich belasten“, erklärte DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und die sie fördernden Einrichtungen seien sich der Bedeutung des Tierschutzes sehr bewusst, sagte Kleiner weiter und verwies auf die Ende vergangenen Jahres verabschiedete „Basler Deklaration“. In ihr hatten führende Vertreter aus allen Bereichen der lebenswissenschaftlichen Forschung die Notwendigkeit von Tierversuchen betont, sich aber zugleich zu ihrer Verantwortung für den Tierschutz und für die Suche nach Ersatzmethoden bekannt. „Ebenso wichtig ist, dass die Wissenschaft sich hier zu einem offenen und vorurteilsfreien Dialog mit der Öffentlichkeit und Politik verpflichtet und einen solchen Dialog auch von diesen einfordert“, betonte der DFG-Präsident.

Diesen Dialog will die DFG auch auf der Verleihung des Ursula M. Händel-Tierschutzpreises am Montag, dem 24. Januar, in Berlin fördern, zu dem neben Wissenschaft und Medien auch Parlamentarier und weitere Repräsentanten aus der Politik eingeladen sind. Die Verleihung des Preises durch den DFG-Präsidenten wird begleitet von einer Podiumsdiskussion über Tierversuche in der Grundlagenforschung, die vor allem die Chancen und Grenzen von Ersatzmethoden beleuchten will. Aktueller Aufhänger ist die neue EU-Richtlinie zum Schutz von Versuchstieren, die nun in nationales Recht umgesetzt werden muss. Es diskutieren: der Transplantationsmediziner und Leibniz-Preisträger Professor Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule Hannover, der Leiter des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen, Professor Stefan Treue, der ebenfalls mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet wurde, sowie Professor Marcel Leist, der an der Universität Konstanz das bundesweit einmalige Zentrum für Alternativmethoden zum Tierversuchsersatz leitet.

Weiterführende Informationen

Die Verleihung des Ursula M. Händel-Tierschutzpreises findet statt am Montag, dem 24. Januar, 17.30 Uhr, im WissenschaftsForum Berlin, Markgrafenstraße 37, 10117 Berlin.

Die Medien sind zur Preisverleihung und Podiumsdiskussion herzlich eingeladen, um vorherige Anmeldung wird gebeten im Berliner Büro der DFG, Cornelia.Pretzer@dfg.de, Tel. 030 206121-4328.

Ausführliche Informationen zum Preis, seiner Stifterin Ursula M. Händel und den Preisträgerinnen und Preisträgern finden sich unter:

www.dfg.de/gefoerderte_projekte/wissenschaftliche_preise/haendel-tierschutzpreis/index.html

Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle:
Dr. Jan Kunze, Programmdirektor in der Gruppe Lebenswissenschaften, Tel. 0228 885-2297, Jan.Kunze@dfg.de

Marco Finetti | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Forschungspreis „Transformative Wissenschaft 2018“ ausgelobt
16.02.2018 | Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH

nachricht Preis der DPG für superpräzisen 3-D-Laserdruck aus Karlsruhe
14.02.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Brücke, die sich dehnen kann

20.02.2018 | Architektur Bauwesen

Wenn Elektronen Walzer tanzen

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Forscherteam identifiziert eine neue Klasse von Biokatalysatoren im Abbau mariner Kohlenhydrate

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics