Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG unterstützt Greifswalder Neuroblastom-Forschung an der Kinderklinik

22.04.2015

Spezielle Immuntherapie soll weiterentwickelt und optimiert werden

Anja aus der Ukraine, Berzan aus der Türkei und Olivia aus Australien. Nirgendwo geht es so international zu wie auf der Station der Kinderonkologie. Mädchen und Jungen aus aller Welt kommen nach Greifswald, weil sie unter einem tückischen Tumor leiden und ihre letzte Hoffnung in eine spezielle Immuntherapie setzen.


Prof. Holger Lode (li.) und Dr. Nikolai Siebert wollen in den kommenden drei Jahren die Durchschlagskraft der Greifswalder Immuntherapie erheblich verbessern.

Foto: UMG/Manuela Janke

Das Team um Professor Holger Lode und Dr. Nikolai Siebert hat jetzt eine Bewilligung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhalten, um dieses Verfahren weiter zu entwickeln und zu optimieren. Dafür stellt die DFG für die kommenden zwei Jahre in einer ersten Stufe 300.000 Euro zur Verfügung.

„Für unsere Arbeit an dieser sehr komplexen Behandlungsmethode ist die Förderung eine großartige Unterstützung. Wir wollen das Verfahren verfeinern und so die Heilungschancen weiter erhöhen“, sagte Prof. Holger Lode, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Greifswald. Das Neuroblastom ist eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Kindern. Sie machen fast acht Prozent aller Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter aus. Patienten mit dieser Erkrankung haben mit konventionellen Methoden immer noch eine sehr ungünstige Prognose.

Die Krebszellen wirkungsvoll blockieren

Die Greifswalder Kinderonkologen haben in den letzten Jahren die spezielle Immuntherapie für Kinder mit einem Neuroblastom bis zum klinischen Einsatz weiterentwickelt. Die Behandlung beruht derzeit auf einem Antikörper, der die Krebszellen als körperfremd markiert und so dem Immunsystem zur Bekämpfung sichtbar macht. Diese Behandlung dauert etwa ein halbes Jahr.

Der Greifswalder Kinderonkologe Prof. Holger Lode war maßgeblich an der Entwicklung und dem Erfolg der Therapie beteiligt, wobei die Ursprünge bereits in seine Zeit als Wissenschaftler am renommierten Scripps Research Institute in La Jolla (Kalifornien) vor 20 Jahren zurückreichen.

Insgesamt 80 kleine Patienten wurden schon in Greifswald mit der Immuntherapie behandelt. Diese kamen überwiegend aus Deutschland, aber auch aus Australien, Singapur, Korea, Spanien, England, Norwegen, Schweden, Dänemark, Holland, Polen, Israel, den USA, Russland, Bulgarien, Türkei und Griechenland. Die Therapie wird zunehmend an großen onkologischen Zentren in Europa eingesetzt wie beispielsweise in London (Great Ormond Street Hospital), Paris (ITCC), Genua, Wien und Valencia.

„Bei dem neuen Verfahren soll künftig zusätzlich die hemmende Wirkung der Krebszellen auf das Immunsystem unterbunden werden, um so die Wirksamkeit der Therapie zu verbessern. Dieses Prinzip, auch Immuncheckpoint Blockade genannt, erforschen wir in unserer Forschungsgruppe unter Leitung von Dr. Nikolai Siebert“, erläuterte Lode. „Wir rechnen damit, das erweiterte Verfahren in der 2. Projektphase, also in etwa drei Jahren, klinisch einsetzen zu können.“

Insgesamt hat sich die Lebenserwartung durch neue medizinische Verfahren in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Bei einem Neuroblastom liegen gegenwärtig die Überlebenschancen bei Langzeituntersuchungen lediglich bei 30 Prozent.

„Wenn die Betroffenen innerhalb eines Jahres einen Rückfall erleiden, besteht mittels konventioneller Therapie kaum noch eine Chance. Durch die Antikörpertherapie gelang es, das Überleben bei Patienten mit einem Rückfall nach einem Jahr von quasi Null auf 80 Prozent zu steigern. Nach fünf Jahren leben derzeit noch 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit einem Neuroblastom. Das ist für die Antikörpertherapie zwar beachtlich, wir wollen dieses Ergebnis aber mit dem neuen Ansatz noch einmal deutlich verbessern“, unterstrich Dr. Nikolai Siebert.

Zur Kinderonkologie im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin gehören eine Station, eine Tagesklinik sowie eine Ambulanz mit zwei Oberärzten, drei Assistenzärzten, 15 Pflegefachkräften, einer Sozialarbeiterin und einem Erzieher. Für die Eltern der jungen Langzeitpatienten stehen zwei Dolmetscher und Unterkünfte vor Ort zur Verfügung.

In Greifswald werden jedes Jahr rund 500 Kinder und Jugendliche mit einer Krebserkrankung betreut. Das Forschungsteam, bestehend aus vier Wissenschaftlern, vier Technischen Assistenten, einer Studiendokumentarin und medizinischen Doktoranden, ist teilweise von der Universität, aber überwiegend aus Drittmitteln finanziert.

Foto UMG/Manuela Janke:
Rückenwind von der Deutschen Forschungsgemeinschaft - Prof. Holger Lode (li.) und Dr. Nikolai Siebert wollen in den kommenden drei Jahren die Durchschlagskraft der Greifswalder Immuntherapie erheblich verbessern.

Universitätsmedizin Greifswald
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
Geschäftsführender Direktor: Prof. Dr. med. Holger Lode
Sauerbruch-Straße, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-63 01 und -63 25
E holger.lode@uni-greifswald.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de
http://www.facebook.com/UnimedizinGreifswald

Constanze Steinke | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht IVAM-Marketingpreis würdigt zum zehnten Mal überzeugendes Technologiemarketing
22.08.2017 | IVAM Fachverband für Mikrotechnik

nachricht UDE / UK: Verbundprojekt zur Bekämpfung Ras-abhängiger Tumore
22.08.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen