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Deutscher Technion Preis für deutschen und israelischen Wissenschaftler

23.04.2012
Der Chemiker Prof. Michael Glickman von der Technischen Hochschule Israels (Technion) in Haifa und der Zellbiologe Prof. Thomas Sommer vom Max-Delbrück-Centrum (MDC) Berlin-Buch haben den Preis der Deutschen Technion-Gesellschaft (Hannover) erhalten.
Damit wurden die besonderen Verdienste der beiden Forscher um die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel gewürdigt. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit je 5000 Euro dotiert. Die Laudatio hielt der israelische Nobelpreisträger Prof. Aaron Ciechanover (Technion). Der Festakt in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin stand im Zeichen der Grundsteinlegung des Technion vor 100 Jahren in Haifa.

In Hefezellen erforschen die beiden Preisträger ein Zellsystem, das Proteine kontrolliert abbaut. Es sorgt dafür, dass nicht mehr benötigte oder fehlerhafte Proteine einen „molekularen Stempel“ mit dem Protein Ubiquitin erhalten und in der Häckselmaschine der Zelle, dem Proteasom, entsorgt werden. Dieses Ubiquitin-Proteasom-System kommt in allen höheren Zellen vor, es ist ubiquitär. Es ist eines der komplexesten zellulären Systeme überhaupt und schützt den Körper vor schweren Krankheiten. Schadhafte Proteine, die diesem System entgehen, lösen schwere Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, Chorea Huntington, Mukoviszidose oder Diabetes aus. Entdecker dieses Schutzprogramms ist Prof. Ciechanover. Er bekam dafür 2004 zusammen mit Prof. Avram Hershko (Technion) und Prof. Irwin Rose (University of California, Irvine, USA) den Chemienobelpreis.

Seit vielen Jahren arbeiten Prof. Ciechanover, Prof. Glickman und Prof. Sommer eng zusammen und haben wichtige Erkenntisse über die Arbeitsweise dieses Zellschutzsystems gewonnen. Mit der Vergabe des Preises der Deutschen Technion-Gesellschaft werden sie ihre Zusammenarbeit intensivieren. Michael Glickman will mit dem MDC insbesondere erforschen, wie Zellen Proteine recyceln, um den Organismus gesund zu erhalten. Prof. Ciechanover wird zudem für einige Zeit am MDC arbeiten, was ihm der 2011 zuerkannte Humboldt-Forschungspreis ermöglicht.

Michael Glickman studierte Chemie an der Hebrew University in Jerusalem, Israel und promovierte 1994 an der Universität von Kalifornien in Berkeley, USA. Danach ging er an die Harvard Medical School in Boston, USA. 1998 kam er an das Technion nach Haifa, wo er seit 2009 eine Profesur inne hat. Gastaufenthalte führten ihn wieder in die USA, so an das National Cancer Institute (NCI) nach Bethesda, Maryland und an die Universität von Maryland, aber auch nach Frankreich an das Institut Jacques Monod und Universität Paris Diderot in Paris. Michael Glickman wurde 1964 in Uppsala, Schweden geboren und besitzt sowohl die schwedische, israelische als auch die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Thomas Sommer studierte an der Freien Universität (FU) Berlin Biologie und verfaßte seine Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Berlin. Nach der Promotion an der FU ging er an das Friedrich Miescher Institut der Max-Planck-Gesellschaft nach Tübingen und begann dort über die Qualitätskontrolle von Proteinen zu arbeiten. 1993 kam er als Nachwuchsgruppenleiter an das MDC, wurde dort 1999 Forschungsgruppenleiter und ist seit 2009 ordentlicher Professor an der Humboldt Universität zu Berlin. Seit vielen Jahren arbeitet der 1959 in Berlin geborene Zellbiologe mit Forschern in Israel vom Technion, vom Weizman Institute in Rehovot und der Hebrew University in Jerusalem zusammen. Seit 2003 ist er Mitglied der Europäischen Organisation für Molekularbiologie (EMBO) und seit 2004 stellvertretender Stiftungsvorstand des MDC. Er ist wissenschaftlicher Berater der German-Israeli Science Foundation (GIF) und Mitglied des Senatsausschuss für die Sonderforschungsbereiche der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Das Technion ist die älteste Hochschule Israels mit derzeit rund 12 000 Studenten und 600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Sie wurde 1912 in Haifa gegründet und nahm 1924 den Lehrbetrieb auf. Sie hat 18 Fakultäten, darunter auch eine medizinische Fakultät, sowie über 50 Forschungszentren und zehn Centers of Excellence. Das MDC wurde 1992 gegründet. Es ist entstanden aus drei ehemaligen Instituten der Akademie der Wissenschaften der DDR. Es ist eines von insgesamt 18 Forschungseinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft und hat zur Zeit über 1 550 Mitarbeiter, einschließlich Gästen. Es rangiert auf der Rangliste von Thomson Reuters auf Platz 14 der 20 weltweit besten Forschungseinrichtungen im Bereich Molekularbiologie und Genetik.

Albert Einstein und das Technion
Die Deutsche Technion-Gesellschaft ist eine gemeinnützige Vereinigung, die vor 30 Jahren von dem damaligen niedersächsischen Wissenschaftsminister Prof. Eduard Prestel und dem jetzigen Vorsitzenden, Dr. Christian Hodler, gegründet wurde. Die Gesellschaft hat ihren Sitz in Hannover, ihre Geschäftsstelle ist in Berlin. Sie setzt die Arbeit des 1923 von Albert Einstein gegründeten und 1933 aufgelösten „Deutschen Komitees für das technische Institut in Haifa“, fort, der damals ersten Freundes- und Fördergesellschaft des Technion. Derzeit gibt es weltweit insgesamt 17 Technion-Freundesgesellschaften.
Deutsch-Israelisches Symposium
Am MDC fand bzw. findet zwischen dem 19. und 24. April 2012 ein deutsch-israelisches Symposium statt. Unter dem Titel "Frontiers in Cell Signaling and Gene Regulation: From Molecular Structures to Cellular Networks" präsentieren Wissenschaftler des MDC, der "Hebrew University of Jerusalem" und des Technion bei drei Veranstaltungen ihre neuesten Erkenntnisse aus der medizinischen Grundlagenforschung. Unter anderem trug am 19. April der Immunologe Prof. Klaus Rajewsky (MDC) vor, der im vergangenen Jahr von der Harvard University (Boston, USA) an das MDC kam, am 23. April spricht Prof. Aaron Ciechanover, (Technion, Nobelpreisträger für Chemie 2004). (siehe: www.mdc-berlin.de).

Kontakt:
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | idw
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de/

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