Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutscher Innovationspreis 2012 für am Hasso-Plattner-Institut erforschte neue Softwaretechnologie

19.03.2012
Eine am Hasso-Plattner-Institut (HPI) erforschte und von der SAP AG vermarktete Softwaretechnologie ist am Freitagabend, 16. März, mit dem Deutschen Innovationspreis 2012 ausgezeichnet worden.
Sie ermöglicht für riesige Mengen von Unternehmensdaten blitzschnelle und flexible Auswertungen, die früher Minuten, Stunden oder sogar Tage gedauert haben. Im Rahmen eines Galadinners mit fast 400 geladenen Gästen im Bayerischen Hof in München wurde der Innovationspreis am Freitagabend überreicht. Für SAP war Deutschland-Chef Michael Kleinemeier vor Ort, für das HPI Institutsleiter Prof. Christoph Meinel.

Der Softwarekonzern und das nach seinem Gründer und Aufsichtsratsvorsitzenden benannte Hasso-Plattner-Institut waren mit ihrer gemeinsamen Bewerbung in der Kategorie Großunternehmen angetreten. Dort gehörten auch der Autokonzern Daimler AG und der Kunststoffhersteller LyondellBasell zu den Finalisten.

Die ausgezeichnete neue Unternehmenssoftware, die von SAP unter dem Namen HANA vermarktet wird, verbindet mit Hauptspeicher-Datenbanklösungen und Analyseprogrammen zwei wichtige Technologietrends. Gleichzeitig setzt die von Hasso-Plattner-Institut und SAP gemeinsam erforschte Technologie einen neuen Standard in der Verarbeitung großer Mengen von Unternehmensdaten in so genannter "echter Echtzeit".

"In der Radikalität der Innovation lässt sich die neue Datenmanagement-Technologie vielleicht am ehesten vergleichen mit der Ablösung des Magnetbands durch die Festplatte, mit dem Wechsel von großen Mainframe-Rechnern mit einfachen Terminals hin zu einer Aufteilung in Haltung, Verarbeitung und Präsentation von Daten oder – im Bereich der Unterhaltungselektronik – mit der Ablösung des Walkman von Sony durch Apples iPod", erklärte der HPI-Direktor.

Die Kooperation seines Instituts mit dem Walldorfer Softwarekonzern in Sachen "In-Memory Data Management" hatte vor etwa sechs Jahren begonnen. Damals machte sich eine Projektgruppe von Bachelorstudenten des HPI-Fachgebiets "Enterprise Platform and Integration Concepts" (EPIC) unter Leitung von Prof. Hasso Plattner daran, einige bahnbrechende Ideen auszuprobieren und zu verfolgen.

"Immer wieder haben wir unsere Ideen mit den Experten aus der Softwareindustrie diskutiert und dabei verfeinert. SAP hat jahrzehntelange Erfahrung mit der Entwicklung von komplexen Datenverwaltungssystemen eingebracht und wie in einem Ping-Pong-Spiel seinerseits bedeutende Forschungsleistungen beigesteuert. Die Überführung unserer Pilotideen und Demonstratoren in marktfähige innovative Produkte lag dann auf Seiten des Unternehmens", erläuterte Meinel. Der Wissenschaftler ist überzeugt davon, dass "die unverkrampfte, offene Herangehensweise unserer jungen Potsdamer Forscher die erfahrenen Experten und Profis des Softwarekonzerns inspiriert und sie auf den Weg zu einem In-Memory-Datenmanagement des 21. Jahrhunderts geführt haben".

Bislang betreiben Unternehmen zumeist zwei Datenbanksysteme. Das erste wird eingesetzt, um das operative Geschäft zu bewältigen. Die Daten werden daraufhin – meistens nachts – aus diesem System entnommen und in ein zweites übertragen. Dieses wird Business Intelligence-System (BI) genannt und sorgt dafür, dass die Unternehmensdaten analysiert werden können. "Solche auszuführenden Analysen mussten bisher immer zuvor genau definiert werden. Im Gegensatz dazu macht es die neu entwickelte Technologie möglich, die klassische Verarbeitung einzelner Datensätze aus dem operativen Geschäft zu kombinieren mit der Massenverarbeitung von Analysesystemen - und das in nur einem System", erläutert Jens Krüger, wissenschaftlicher Mitarbeiter des HPI.

Es liegt auf der Hand, dass dies enorme Vorteile bietet: "Dank der neuen Datenmanagement-Technologie können Unternehmen Analysen ihrer operativen Daten flexibel durchführen. Und wegen leistungsfähigerer neuer Mehrkernprozessoren, die jetzt in modernsten Großrechnern zur Verfügung stehen, laufen solche Analysen auch noch wesentlich schneller ab als bisher", ergänzt Jürgen Müller, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter am HPI-Fachgebiet von Prof. Plattner. Weiterer Pluspunkt: Top-Manager können neue, aktuelle Einblicke in das eigene Geschäft erhalten – zum Beispiel durch vorher nicht mögliche Analysen oder durch neue Anwendungen für Planung, Simulation, Prognosen oder Data Mining – und zeitnah aktiv eingreifen und steuern.

Dies alles trägt dazu bei, dass die IT-Landschaft in Unternehmen konsolidiert und die Produktivität enorm verbessert werden kann. "Es können die Mitarbeiter eines Unternehmens besser informiert, die Auswirkungen von Entscheidungen in Sekundenschnelle simuliert und komplexe Problemlösungen optimiert werden", fasst HPI-Direktor Meinel die Vorzüge der mit dem Innovationspreis 2012 ausgezeichneten Technologie zusammen.

Hintergrund: Umbruch in der Computer-Hardware

Wesentliche Voraussetzung für die mit dem Deutschen Innovationspreis 2012 ausgezeichnete Technologie ist ein Umbruch in der Entwicklung von Computer-Hardware, wie er sich vielleicht nur einmal pro Jahrzehnt vollzieht. Mehrere Faktoren kommen zusammen. Einerseits werden Hauptspeicher - sie sind gewissermaßen das Arbeitsgedächtnis eines Computers - immer preiswerter. Andererseits ist die verfügbare Kapazität solcher Arbeitsspeicher auf derzeit zwei Terabyte (TB) pro Server angewachsen. Außerdem werden die zentralen Recheneinheiten eines Rechners, die so genannten CPUs, nicht mehr schneller, sondern es werden immer mehr dieser so genannten Rechenkerne, die Aufgaben parallel bearbeiten können, in die Server eingebaut. Heutzutage sind Rechner mit bis zu 80 solchen Rechenkernen im Unternehmenseinsatz schon normal. Um die höhere Zahl der verfügbaren Recheneinheiten auch gut auszunutzen, müssen die Software-Programme überarbeitet und fit für die parallele Verarbeitung gemacht werden. Diese Entwicklungen erfordern einen deutlichen Wandel in der Informationsverarbeitung und angepasste Prinzipien in der Entwicklung von Software. Die Kooperation zwischen dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) und dem Softwarekonzern SAP hat dies beispielhaft realisiert. Über die neue Technologie hat HPI-Stifter Prof. Hasso Plattner das Fachbuch "In-Memory Data Management - An Inflection Point for Enterprise Applications" verfasst, das 2011 im Springer-Wissenschaftsverlag erschienen ist (ISBN 978-3-642-19362-0).

Hintergrund: Deutscher Innovationspreis

Der Deutsche Innovationspreis ist eine Initiative der Unternehmensberatung Accenture, der Konzerne EnBW und Evonik sowie des Magazins Wirtschaftswoche. Schirmherr ist der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Philipp Rösler. Der Preis wurde 2012 zum dritten Mal verliehen.

Hans-Joachim Allgaier | idw
Weitere Informationen:
http://www.hpi.uni-potsdam.de/
http://epic.hpi.uni-potsdam.de/Home/WebHome

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe
22.09.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Millionen für die Krebsforschung
20.09.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops