Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der erste DZIF-Preis geht an einen Hepatitis-Forscher

27.11.2014

Der Virologe Stephan Urban von der Universität Heidelberg erhält den mit 5000 Euro dotierten DZIF-Preis für translationale Infektionsforschung, der im Rahmen der Jahrestagung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) in Braunschweig erstmals verliehen wird.

Myrcludex B heißt der hoffnungsvolle Virusblocker, der in Zukunft vielen Menschen helfen könnte, die unter einer chronischen Hepatitis B oder D leiden und damit Leberzirrhose oder Leberkrebs fürchten müssen. Professor Stephan Urban, Virologe an der Universität Heidelberg und Hepatitis-Forscher im DZIF, hat den Virusblocker entdeckt und weiterentwickelt.

Unter dem Namen Myrcludex B ist der Wirkstoff bereits auf Verträglichkeit getestet worden und wird nun in klinischen Studien auch auf Sicherheit und Wirksamkeit geprüft. Urban wird für seine Entwicklung mit dem DZIF-Preis ausgezeichnet, der für hochkarätige translationale Infektionsforschung vergeben wird.

Das DZIF hat sich die Translation als oberstes Ziel auf ihre Fahnen geschrieben: Medikamente und Therapien sollen möglichst schnell und systematisch von der Grundlagenforschung an den Patienten gebracht werden. Bei der aktuellen Jahrestagung vom 26. bis 28. November kommen über 300 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zusammen, um die Forschungsarbeiten im DZIF zu diskutieren. Die Entwicklung von Myrcludex B ist ein gutes Beispiel dafür, dass der translationale Prozess gelingen kann, wenn Grundlagenforscher und Kliniker enger zusammenarbeiten.

Preiswürdige Entwicklung: Myrcludex B
Etwa 350 Millionen Menschen leiden an chronischen Infektionen mit Hepatitis-B-Viren, 25 Millionen Menschen an Hepatitis D, der schwersten viralen Lebererkrankung. Zugelassene Therapien für Hepatitis B führen in den wenigsten Fällen zur Ausheilung und für Hepatitis D gibt es derzeit überhaupt keine spezifische Therapie. Neuartige therapeutische Strategien sind daher von großem Wert.

Die Heidelberger Forschungsgruppe um Professor Stephan Urban hat in den letzten Jahren einen neuartigen Wirkstoff entwickelt, der sehr effizient sowohl in der Zellkultur als auch in Mausmodellen den Zelleintritt beider Viren blockiert. Der Wirkmechanismus, den die Forscher entschlüsseln konnten, ist schnell erklärt. Das Peptid ist ein Proteinbruchstück aus der Virushülle, das passgenau an die Leberzelle andockt und damit das Andocken der gefürchteten Viren verhindert.

Wie der abgebrochene Bart eines Schlüssels bleibt das Peptid im Schlüsselloch stecken und blockiert es für die aktiven Viren. Der Rezeptor, an den das Virus bindet, ist ein Gallensalz-Transporter. Diesen missbraucht das Virus als Eintrittskanal. Aufgrund dieser Eigenschaften kann Myrcludex B mit sehr hoher Effizienz die Zielzellen des Virus, die Hepatozyten, vor einer Infektion schützen.

Dies kann sowohl zur Prävention als auch zur Reduktion infizierter Zellen während einer andauernden Infektion therapeutisch genutzt werden. Nach mehrjähriger Entwicklung hat Myrcludex B die erste klinische Phase-I-Studie (24 Probanden) ohne Substanz-assoziierte Nebenwirkungen bestanden. Dieser wichtige translationale erste Schritt in die mögliche spätere Anwendung am Menschen wurde u. a. vom DZIF gefördert und in Heidelberg durchgeführt.

Nachdem die Phase-I-Verträglichkeitsstudien positive Ergebnisse gebracht haben, laufen nun Phase-IIa-Studien. Die Zwischenergebnisse zeigten bereits, dass die Substanz sicher ist und bei Hepatitis B- und D-Infektionen antiviral wirkt. Eine entscheidende Hürde für eine zügige Weiterentwicklung ist damit genommen.

Der Preisträger
Ein Bundessieg beim Wettbewerb „Jugend forscht“ bestärkte Stephan Urban, ein Studium der Chemie und der Biochemie zu beginnen, das er 1991 an der Universität Tübingen mit dem Diplom abschloss. Nach der Promotion am Max-Planck-Institut in Martinsried bei München 1995 wechselte er an das Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg, wo er im Jahr 2000 promovierte. Bis heute leitet er dort eine unabhängige Arbeitsgruppe in der Abteilung für Infektionskrankheiten, Molekulare Virologie. Seit 1. April 2014 hat er in Heidelberg die erste DZIF-Professur für „Translationale Virologie“ inne.
Mehr über den Preisträger und die Geschichte von Myrcludex B finden Sie auf unserer Homepage unter

http://www.dzif.de/ueber_uns/menschen_im_dzif/ansicht/detail/artikel/erster_professor_fuer_translationale_virologie/

Kontakt
Prof. Dr. Stephan Urban
T +49 6221-564902
E-Mail: Stephan.Urban@med.uni-heidelberg.de

Pressestelle des DZIF
Janna Schmidt und Karola Neubert
T +49 531 6181 1170/1154
E-Mail: presse@dzif.de

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit rund 200 Wissenschaftler aus 32 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Mehr Informationen finden Sie unter www.dzif.de .


Weitere Informationen:

http://www.dzif.de/ueber_uns/menschen_im_dzif/ansicht/detail/artikel/erster_professor_fuer_translationale_virologie/ -  Mehr über den Preisträger

Karola Neubert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Jenaer Wissenschaftler für Prostatakrebs-Forschung ausgezeichnet
11.12.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Alle Details im Blick – jederzeit und in Echtzeit
11.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit