Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Über Depression und Schizophrenie

27.08.2009
Der Zülch-Preis 2009 wird an die Psychiater Florian Holsboer und Daniel R. Weinberger vergeben

20 Jahre ist er mittlerweile alt: der Zülch-Preis. Er wird jedes Jahr für besondere Leistungen in der neurologischen Grundlagenforschung vergeben. Dieses Jahr werden zwei Wissenschaftler geehrt, die Ursachen psychiatrischer Krankheiten auf molekularer Ebene erforschen: Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, und Daniel R.Weinberger vom National Institute of Mental Health in Bethesda, Maryland/USA, werden die Auszeichnung am 11. September in Köln entgegen nehmen.

Florian Holsboer, der 1945 in München geboren wurde, habilitierte sich 1984 für das Fach Psychiatrie und Neuroendokrinologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Bereits 1989 berief ihn die Max-Planck-Gesellschaft als Direktor an das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Das Institut, das sich vor allem der Erforschung von Depressionen und Angsterkrankungen widmet, zählt zu den international führenden Einrichtungen auf diesem Gebiet. Die Basis des Erfolgs ist das von Holsboer vertretene Prinzip, Fragestellungen der Grundlagenforschung in der Klinik zu gewinnen. Die Erkenntnisse aus den Grundlagenlabors fließen dann erneut in die klinische Forschung ein.

So fand Florian Holsboer beispielsweise heraus, dass bei Patienten mit Depressionen das Neuropeptid CRH (Corticotropin-releasing Hormon) nicht nur an der Konzentrationserhöhung von Stresshormonen beteiligt ist, sondern maßgeblich zu den bei Depressionen typischen psychischen Symptomen führt. In seinen Labors untersuchte er mit biochemischen und molekulargenetischen Methoden die Regelsysteme für Stresshormone. Dabei zeigte sich, dass bei depressiven Patienten ein Rezeptor in seiner Funktion gestört ist, der für die adäquate Rückregulation des Stresshormonssystems im Gehirn verantwortlich ist. Darüber hinaus identifizierte Florian Holsboers Arbeit die besondere Relevanz eines CHR-Rezeptors, dessen Aktivierung wesentlich zu den depressionstypischen Symptomen beiträgt. Holsboers Idee war es, diesen Rezeptor gezielt zu blockieren. Daraus entwickelte sich ein neuer Therapieansatz für Depressions-Patienten.

Zudem ist es notwendig, unter geeigneten Medikamenten dasjenige herauszufinden, das bei dem jeweiligen Patienten den besten Therapieerfolg bewirkt. Dabei half eine Entdeckung aus den Instituts-Laboratorien: Der Übertritt von antidepressiv wirksamen Medikamenten aus dem Blut in das Gehirn wird von Genvarianten beeinflusst, die zuständig sind für die Funktion der Blut-Hirn-Schranke. Mithilfe von Gentests gelang es den Wissenschaftlern um Florian Holsboer, Voraussagen dafür zu treffen, welcher Patient auf welches Medikament am besten reagiert. Damit war ein erster Schritt in Richtung "personalisierte Medizin" getan.

Daniel R. Weinberger, der 1947 in New York geboren wurde, studierte Medizin an der Johns Hopkins University. Er erwarb 1973 seinen medizinischen Doktortitel (MD) an der University of Pennsylvania und durchlief danach eine zehnjährige Ausbildung in Innerer Medizin, Neurologie und Psychiatrie an den Schools of Medicine der University of California in Los Angeles (UCLA), der Harvard University und der Georg Washington University. 1977 übernahm er erstmals Aufgaben innerhalb der Forschungsprogramme des National Institute of Mental Health (NIMH). Seit 1998 ist er Chef der Abeilung "Clinical Brain Disorders Branch" und seit 2003 Direktor des weltweit hoch angesehenen "Gene, Cognition and Psychosis"-Programms, das sich vor allem der Erforschung der Schizophrenie verschrieben hat.

Weinberger forschte bereits über anatomische Hirnabnormitäten bei Schizophrenie-Patienten als die bildgebenden Verfahren für antomische Studien an lebenden Hirnen - sowohl von Gesunden als auch von Hirnkranken - noch in den Kinderschuhen steckten. Bereits früh in seiner wissenschaftlichen Laufbahn setzte sich Weinberger intensiv mit diesen Methoden auseinander und hat entscheidend zu deren Weiterentwicklung beigetragen.

So entdeckte er bei Schizophrenie-Patienten Anomalien des Hippocampus, die auf Reifungsstörungen hinweisen. Diese Struktur des menschlichen Gehirns zählt zu den ältesten in der Evolution und ist die zentrale Schaltstelle des limbischen Systems, das unter anderem Emotionen steuert. Diese neurobiologische Entwicklungsstörung bildet die pathophysiologische Grundlage schizophrener Psychosen, so die Hypothese Weinbergers.

Weinberger und sein Team haben darüber hinaus auch viele Gene identifiziert, die das Risiko für Schizophrenie beeinflussen. Darunter wahrscheinlich - so Weinberger in einem aktuellen Interview - erstmalig auch ein Gen, das einen wichtigen biologischen Faktor steuert. Dieser bestimmt möglicherweise die Schizophrenieanfälligkeit einer Person mit. Schizophrenie scheint sich somit immer mehr als eine genetisch determinierte Krankheit herauszustellen.

Die Verleihung des Zülch-Preises findet am Freitag, den 11. September 2009 um 10.00 Uhr im Isabellensaal des Kölner Gürzenich statt. Die Laudatio für Florian Holsboer hält Isabella Heuser, Ordinaria für Psychiatrie an der Charité Berlin. Als Laudator für Daniel R.Weinberger konnte Peter Falkei, Ordinarius für Psychiatrie an der Universität Göttingen, gewonnen werden. Florian Holsboer wird in seinem Festvortrag über "Personalisierte Therapie der Depression - eine Herausforderung für die Grundlagenforschung" sprechen, Daniel R. Weinberger über "Schizophrenia: From genes to brain".

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Prof. Dr. Konstantin-Alexander Hossmann
Max-Planck-Institut für neurologische Forschung mit Klaus-Joachim-Zülch-Laboratorien, Köln
Tel.: +49 221 4726-210
Fax: +49 221 4726-349
E-Mail: hossmann@nf.mpg.de
http://holsboer.de/index2.php
- Die Homepage von Florian Holsboer
http://neuroscience.nih.gov/Lab.asp?Org_ID=137
- Die Homepage von Daniel R. Weinberger

Barbara Abrell | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/
http://www.mpg.de/instituteProjekteEinrichtungen/weitereEinrichtungen/reemtsma/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Rudolf-Virchow-Preis 2017 – wegweisende Forschung zu einer seltenen Form des Hodgkin-Lymphoms
23.06.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

nachricht Repairon erhält Finanzierung für die Entwicklung künstlicher Herzmuskelgewebe
23.06.2017 | Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften