Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DBU fördert Verfahren zum Gewinnen von Gras als Rohstoff für Papierprodukte mit 167.000 Euro

11.11.2014

„Gras-Anbau“: Mit grünem Gewissen Papier produzieren

Holz ist der wichtigste Papierrohstoff in Europa: Rund 95 Prozent stecken in Kartons und Hygienepapier. Die hohe Nachfrage führt zu einer Suche nach Alternativen, denn „durch weltweite Im- und Exporte fallen weite Transportwege an – entsprechend hoch ist der Schadstoffausstoß.


Die DBU unterstützt mit 167.000 Euro die Projektgesellschaft C+G Papier aus Hennef beim Entwickeln eines Verfahrens, mit dem Papierprodukte aus Gras hergestellt werden können.

Hinzu kommt der große Energieverbrauch beim Produzieren“, sagt Franz-Peter Heidenreich von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Deshalb unterstützt die DBU fachlich und finanziell mit 167.000 Euro die Projektgesellschaft C+G Papier aus Hennef beim Entwickeln eines Verfahrens, mit dem Papierprodukte aus Gras hergestellt werden können.

„Neben der Technik spielt auch die Ökobilanz eine wichtige Rolle“, sagt Frank Cruse von C+G Papier. „Wir verfolgen einen interdisziplinären Ansatz, der vom Gewinnen des Rohstoffs über den Aufbau einer nachhaltigen Wertschöpfungskette bis hin zum Herstellungsprozess in der Papierindustrie reicht.“

Der große Holzanteil in Papierprodukten stamme zum einen aus den Nadelhölzern Fichte, Tanne, Kiefer oder Lärche, die mit Laubhölzern wie Buche, Pappel, Birke und Eukalyptus vermischt würden, um die Papiereigenschaften zu verändern, und zum anderen aus Recyclingpapier, erläutert Heidenreich.

Allein 2012 seien 1,6 Millionen Tonnen Papierzellstoff und 1,04 Millionen Tonnen Holzstoff in deutschen Zellstoff- und Papierfabriken produziert worden. Verbraucht worden seien 4,64 Millionen Tonnen Papierzellstoff, 1,23 Millionen Tonnen Holzstoff und 16,17 Millionen Tonnen Altpapier. Heidenreich: „Diese Werte zeigen, dass erhebliche Im- und Exporte notwendig sind, um der großen Nachfrage nachzukommen. Durch die weiten Transportwege steigt der Schadstoffausstoß.“

Grundsätzlich könne aus allen zellulosehaltigen Stoffen Papier gewonnen werden. Gras eigne sich besonders, da es überall angebaut werden kann, schneller wächst als Holz, kurzfristig zu beschaffen ist und beim Verarbeiten zu Papier weniger Energie verbraucht, so Cruse. In ersten Tests der Papiertechnischen Stiftung (PTS) aus Heidenau seien Papiere und Kartons mit verschiedenen Anteilen an Gras hergestellt und sei die Machbarkeit belegt worden.

Um die Versorgungssicherheit potenzieller Märkte mit dem grünen Rohstoff zu prüfen, soll nun eine exemplarische Analyse und Bewertung des Rohstoffaufkommens mit der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftskammer erstellt werden, sagt Cruse. Die Landwirtschaftliche Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn untersuche zudem die Potenziale verschiedener Pflanzen auf Wiesen und entwickle aus den Qualitätskriterien entsprechende Formen der Aufbereitung.

Cruse: „Neben dem Ermitteln möglicher Gras-Anbauflächen und geeigneter Erntezeiten wollen wir auch prüfen, wie und wo Gras zwischengelagert werden kann. Mit einer abschließenden Ökobilanz und einer Nachhaltigkeitsanalyse sollen die Umwelt-Vorteile von Graspapier ermittelt werden.“ Die mit den Entwicklungen verbundenen Chancen insgesamt würden in Form einer Verwertungsanalyse durch die Bremer SALCO GmbH ermittelt, die die Ergebnisse aller Teilschritte zusammenführe.

„Man könnte meinen, dass mit der zunehmenden Digitalisierung weniger Papier benötigt wird. Das stimmt zum Teil, denn es wird weniger grafisches Papier – zum Bedrucken, Beschreiben und Kopieren – verkauft“, so Heidenreich. „Aber durch den zunehmenden Onlinehandel werden mehr Versandverpackungen benötigt.“

Laut World Wide Fund For Nature (WWF) seien 2006 weltweit bereits 381 Millionen Tonnen Papier produziert worden. Bis 2015 würde ein Anstieg auf über 440 Millionen Tonnen erwartet. Mit Gras als regionalem und kurzfristig verfügbarem Rohstoff könnten die knapper werdenden Ressourcen Holz und Altpapier geschont, der Energie- und Schadstoffverbrauch verringert und Kosten eingespart werden. Die Ergebnisse könnten für den gesamten Wirtschaftszweig der Papierindustrie von Interesse sein.

Fotos nach IPTC-Standard zur kostenfreien Veröffentlichung unter www.dbu.de


Weitere Informationen:

https://www.dbu.de/123artikel35736_335.html

Franz-Georg Elpers | DBU Pressestelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise