Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Darwin im Maschinenbau: Gut neun Millionen Euro für SFB

20.05.2009
Der Sonderforschungsbereich "Gentelligente Bauteile" des Produktionstechnischen Zentrums (PZH) der Leibniz Universität geht mit Bestnoten in die nächste Runde

Die Freude am PZH war riesengroß, als am Dienstag, 19. Mai 2009, grünes Licht von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) kam: Der Sonderforschungsbereich 653, "Gentelligente Bauteile im Lebenszyklus", wird für weitere vier Jahre mit insgesamt mehr als neun Millionen Euro gefördert.

"Die Begutachtung durch die DFG im Februar verlief wirklich exzellent", sagt Prof. Berend Denkena, Sprecher des SFB und Leiter des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen am PZH, "aber jetzt schwarz auf weiß die Zusage zu haben, ist natürlich toll."

"Leuchttürme unter den Antragstellern", eine "internationale Spitzenstellung" bei einem "hochinteressanten Gesamtthema" und eine "weitsichtige Vision, die zehn bis 20 Jahre in die Zukunft reicht", hatten die Gutachter der DFG nach zwei Tagen eingehender Prüfung den etwa 35 Beteiligten des Sonderforschungsbereichs bescheinigt. Deren Vision hört sich tatsächlich erst mal phantastisch an: Das gentelligente Bauteil, das Ziel der Forscher, soll ein wissendes, fühlendes, sich anpassendes und kommunizierendes Bauteil sein. Dazu sollen die Bauteile zwei Prinzipien der Natur - Vererbung und lebenslanges Lernen - nutzen.

Und weil sich das wie Science Fiction anhört, steuern die Maschinenbaupioniere ein paar konkrete Beispiele bei, um die Idee hinter der Grundlagenforschung greifbarer zu machen. "Stellen Sie sich den Querlenker im Auto vor", fordert Leif-Erik Lorenzen auf, der Geschäftsführer des SFB, "wir fertigen ihn aus Standardblech, drücken eine kleine Delle hinein, und schon speichert der Querlenker allein durch die Materialeigenschaften an dieser Delle die Belastung, der er beim Fahren ausgesetzt ist. Eine mögliche Überlastung kann er sehr einfach mitteilen: Man hält einfach ein Wirbelstrommessgerät daran." Diese Idee ist einfach, sie funktioniert, ist allerdings noch nicht im Auto angekommen.

Ein anderes Beispiel ist ein aus magnetischem Magnesium hergestelltes Fräswerkzeug, dessen "fühlendes" Material die Prozesskräfte beim Fräsen erspürt und Werkzeugbruch sofort erkennt. Das Entscheidende daran: Bei den gentelligenten Bauteilen oder Werkzeugen fühlen nicht Sensoren, das Material selbst fühlt. Mehr ums Kommunizieren als ums Fühlen geht es beim Bauteil, das - ausgehend nahezu vom Rohzustand - durch die Werkhalle gefahren wird und jeder Bearbeitungsmaschine selbst mitteilt, wie es bearbeitet werden muss und wann es fertig ist.

Interesse an den Ergebnissen des SFB hat auch ein Unternehmen gezeigt, das für fehlerhafte Maschinenteile haften musste. Es konnte nicht nachweisen, dass es sich bei den defekten Teilen um Plagiate handelte; gentelligente Bauteile könnten sich in einer solchen Situation eindeutig ausweisen.

Hinter den Ausblicken in eine gentelligente Zukunft stecken klar formulierte Fragestellungen für die Wissenschaftler und Techniker aus den Instituten des PZH, aus zwei Elektrotechnik-Instituten und dem Laser Zentrum Hannover e.V. Zum Beispiel: Wie kann man Fertigungsverfahren so einsetzen, dass sie Bauteile zu Informationsspeichern machen? Wie lassen sich Werkstoffeigenschaften für die Informationsgewinnung nutzen? Wie lassen sich Kommunikationsstrukturen zum Lesen, Schreiben und Verbreiten der Bauteilinformationen aufbauen?

Für zunächst weitere vier Jahre ist der Sonderforschungsbereich nun finanziert. Zeit, die gentelligente Zukunft ein gutes Stück näher zu holen.

Zum Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH):
Das PZH ist 2004 aus der Idee der Leibniz Universität Hannover entstanden, Hochschulforschung, Industrie und Unternehmen der Produktionstechnik zusammenzusammenzubringen. So haben sich jene sechs Institute der Fakultät für Maschinenbau, die sich mit Produktionstechnik und Logistik beschäftigen, gemeinsam mit der PZH GmbH und zahlreichen Unternehmen zum Produktionstechnischen Zentrum Hannover zusammengeschlossen. Die GmbH als Universitätstochter übernimmt neben der Verwaltung des neuen Zentrums in Garbsen zahlreiche Aufgaben im Bereich Technologietransfer und Gründerberatung. Zurzeit arbeiten im PZH etwa 450 (Ingenieur-)Wissenschaftler, -Wissenschaftlerinnen, Techniker, Technikerinnen und Verwaltungsangestellte; außerdem rund 400 studentische Hilfskräfte. Das PZH ist eine Lehr- und Forschungsstätte, in der Grundlagen- und industrielle Auftragsforschung gleichermaßen auf höchstem, internationalem Niveau

betrieben werden. Seit 2004 hat das PZH mehr als 85 Millionen Euro Drittmittel eingeworben.

Hinweis an die Redaktion:
Für weitere Informationen steht Ihnen der Geschäftsführer des SFB 653, Leif-Erik Lorenzen (M. Sc.), unter Telefon +49 511 762 19847 oder per E-Mail unter lorenzen@ifw.uni-hannover.de gern zur Verfügung.

Dr. Stefanie Beier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet
02.12.2016 | Universität zu Lübeck

nachricht Ohne erhöhtes Blutungsrisiko: Schlaganfall innovativ therapieren
02.12.2016 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie