Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Darmentzündung im 3D-Modell

30.06.2011
Entwicklung tierversuchsfreier Forschungsmethoden: Land Rheinland-Pfalz zeichnet HZI-Forscher aus.

Für ein alternatives Zellkultur-Modell zur Untersuchung chronischer Darmentzündungen sind heute in Mainz drei Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Universität des Saarlandes ausgezeichnet worden.

Professor Claus-Michael Lehr und seine Mitarbeiterinnen Dr. Eva-Maria Collnot und Fransisca Leonard erhielten gemeinsam den mit 20.000 Euro dotierten „Forschungspreis des Landes Rheinland-Pfalz zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche“.

Lehr leitet die Abteilung „Wirkstoff-Transport“ am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), einem Institut des HZI in Saarbrücken.

Experimente an Tieren sind durch verschiedene Rechtsvorschriften vorgeschrieben, beispielsweise im Rahmen der Zulassung von Arzneimitteln. Auch Methoden, die zur Diagnostik und Therapie von Krankheiten entwickelt werden, müssen im Tierversuch getestet werden. Das betrifft auch die Entwicklung geeigneter Medikamente gegen entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis. Das von Professor Claus-Michael Lehr und seinem Team entwickelte alternative Zellkultur-Modell könnte dazu beitragen, Tierversuche in diesem Bereich künftig zu verringern oder zu ersetzen. Die Besonderheit des neuartigen dreidimensionalen Verfahrens besteht darin, dass es die Epithel- oder Schleimhaut-Zellen, die den gesunden Darm simulieren, sowohl mit menschlichen Immunzellen als auch mit verschiedenen Entzündungsstoffen kombiniert. Auf diese Weise können in der Zellkultur die Vorgänge in entzündeten Darmzellen nachgestellt werden.

Die gesunde Darmwand wird im Modell durch Zellen der menschlichen Caco-2 Tumorzell-Linie simuliert – ein Verfahren, das bereits etabliert sei und gut funktioniere, so Claus-Michael Lehr. Zusätzlich werden in dem neuen Darm-Modell auch Zelltypen des Immunsystems verwendet: so genannte Makrophagen und Dendritische Zellen, die aus menschlichem Blut isoliert wurden. Dritte Komponente sind verschiedene Boten- und Entzündungsstoffe. Die so simulierte kontrollierte Entzündung soll helfen, die Prozesse bei Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis besser zu verstehen. „Das ist vor allem wichtig, um die Aufnahme von Arzneistoffen und Trägersystemen in einem erkrankten Darm zu testen“, erklärt Claus-Michael Lehr. Die Methode hat das Potenzial, für viele Untersuchungen eine Alternative zu Tierversuchen zu bieten.

„Es ist eine Ehre für uns, dass einer unserer Wissenschaftler diese Auszeichnung erhält“, sagt Prof. Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI). „Gegenwärtig sind Tierversuche in zahlreichen Forschungsfeldern unverzichtbar, um Krankheitsprozesse zu studieren und Erkenntnisse über sie zu gewinnen. Sie werden deshalb in naher Zukunft Bestandteil vieler wichtiger Forschungsmethoden bleiben. Aber langfristig wollen wir mit unserer Arbeit dazu beitragen, den Einsatz von Tierversuchen einzuschränken und sie, wo dies möglich ist, zu ersetzen. Dazu haben Claus-Michael Lehr, Eva-Maria Collnot und Fransisca Leonard einen hervorragenden Beitrag geleistet.“ Lehr und Collnot arbeiten am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), einem Institut des HZI in Saarbrücken. Professor Lehr leitet dort die Abteilung „Wirkstoff-Transport“. Fransisca Leonard forscht an der Universität des Saarlandes.

Der Preis
Der Preis zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche wird seit 2007 alle zwei Jahre verliehen und richtet sich an die wissenschaftliche Forschung und an die Lehre. Die Bewerber – Forschungseinrichtungen, Wissenschaftler und Unternehmen – können aus Rheinland-Pfalz, aber auch aus anderen Bundesländern stammen. Laut Ausschreibung der rheinland-pfälzischen Landesregierung musste die eingereichte Arbeit mindestens eine der drei folgenden Anforderungen erfüllen: Durch die Anwendung der Methode werden Tierversuche ersetzt („Replacement“), die Zahl der Versuchstiere wird reduziert („Reduction“) und das Leiden und die Schmerzen der Versuchstiere werden vermindert („Refinement“).
Die prämierte Forschungsarbeit:
Originalpublikation: „A Three-Dimensional Coculture of Enterocytes, Monocytes and Dendritic Cells To Model Inflamed Intestinal Mucosa in Vitro”. Fransisca Leonard, Eva-Maria Collnot, and Claus-Michael Lehr. Molecular Pharamceutics, Vol. 7, No.6, 2103-2119.
Info-Veranstaltung an der Universität des Saarlandes:
Im Rahmen eines Pressetermins am Freitag, dem 1. Juli, um 10 Uhr stellt Professor Claus-Michael Lehr seine Forschungsergebnisse an der Saar-Uni vor (Präsidialamt, Geb. A2 3, großer Sitzungssaal im 1. Obergeschoss). Danach besteht – nach Voranmeldung – die Möglichkeit, sich das alternative Zellkultur-Modell im Labor anzusehen.
Weitere Informationen:
Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern.

http://www.helmholtz-hzi.de

Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland
Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) ist eine Außenstelle des Helmholtz- Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und wurde gemeinsam mit der Universität des Saarlandes im Jahr 2009 gegründet. Wo kommen neue nachhaltige Wirkstoffe gegen weit verbreitete Infektionen her, wie kann man diese für die Anwendung am Menschen optimieren und wie werden sie am besten durch den Körper zum Wirkort transportiert? Auf diese Fragen suchen die Forscher am HIPS mit modernsten Methoden der Pharmazeutischen Wissenschaften Antworten.

http://www.helmholtz-hzi.de/HIPS

Information des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten von Rheinland-Pfalz

http://www.mulewf.rlp.de/tiere/tierschutz/tierversuche/forschungspreis-alternativen-zum-tierversuch/

Ansprechpartner:
Dr. Markus Ehses
Tel. 0681 302-70305
E-Mail: markus.ehses@helmholtz-hzi.de

Dr. Bastian Dornbach | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

nachricht 1,5 Mio. Euro für das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW)
05.12.2016 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen

05.12.2016 | Förderungen Preise

Höhere Energieeffizienz durch Brennhilfsmittel aus Porenkeramik

05.12.2016 | Energie und Elektrotechnik