Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Computer liest Blinden vor

27.01.2017

Bundesbildungsministerium fördert Marburger Projekt zur Alltags-Erleichterung für Blinde und Sehbehinderte

Sprechende Computer für Alltagsgegenstände: Rund 1,2 Millionen blinde und stark sehbehinderte Menschen leben in Deutschland. Diese Personen können Informationen, die durch Ziffern- und Buchstabenanzeigen wie LED-Displays ausgegeben werden, nicht erfassen. Das betrifft vor allem zahlreiche Gebrauchsgegenstände wie elektronische Küchengeräte.


LED-Displays gehören zu den Barrieren, die blinde Menschen bislang alleine nicht überwinden können.

Foto: blista, Marburg

Um diesen Personengruppen diese Gegenstände und Geräte zugänglich zu machen, entwickeln Prof. Dr. Martin Koch und sein Team von der AG Experimentelle Halbleiterphysik der Philipps-Universität Marburg eine individuell auf den jeweiligen Gebrauchsgegenstand zugeschnittene Sprachausgabe.

Dieser Anzeige-Sprachausgabe-Konverter (ANSPRAKON) liest die nötigen Gebrauchsinformationen ab und erschließt damit Blinden und Sehbehinderten das Gerät. „Wir werden mit diesem Verfahren Blinden und Sehbehinderten zahlreiche Gebrauchsgegenstände des Alltags überhaupt erst verfügbar machen“, zeigt sich Martin Koch überzeugt.

„Wir freuen uns über diese Initiative aus der Philipps-Universität“, betont Claus Duncker, Direktor der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. (blista). „Kaffee kochen, ein Menü zubereiten, einen Kuchen backen – auch Alltagstätigkeiten zählen zu einer selbstständigen und selbstbestimmten Lebensführung.

Unsere Rehalehrer schulen daher blinde und sehbehinderte Menschen darin, Tätigkeiten in häuslichen Bereichen eigenständig zu bewältigen. Immer wieder kommt man dabei durch technische Entwicklungen an Grenzen. LED-Displays gehören zu den Barrieren, die blinde Menschen bislang alleine einfach nicht überwinden können.“

Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt rund 96.000 Euro über eineinhalb Jahre. Im Projektrahmen werden 20 verschiedene Haushaltsgeräte mit einem ANSPRAKON ausgestattet. Beteiligt an dem Projekt sind die Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista) und der Verein rechenKRAFT.net e.V.

Offene Datenbank für individuelle Lösungen

Damit der ANSPRAKON die Statusinformationen an Gebrauchsgegenständen auch tatsächlich auslesen und ausgeben kann, sind im Groben drei Schritte nötig: Über eine Webcam direkt am Gegenstand werden die Informationen abgelesen, ein Einplatinen-Computer analysiert diese und gibt sie über eine Sprachausgabe wieder.

Dafür muss für jeden Gebrauchsgegenstand auch ein individuelles Gehäuse mittels CAD-Zeichnung entworfen und per 3D-Drucker produziert werden, in dem die ANSPRAKON-Komponenten auf dem Gegenstand aufliegen.

In einem zweiten Schritt wird das Team um Koch eine Datenbank auf Open-Source-Basis anlegen, die im Projekt-Rahmen erstellte CAD-Zeichnungen, Software, Bauanleitungen und Fotos frei zugänglich machen wird. Das ist die Grundlage für Privatpersonen sowie Kleinere- und Mittelständige Unternehmen (KMUs), ANSPRAKON für weitere Gebrauchsgegenstände zu produzieren.

Hintergrund: Inklusion an der Philipps-Universität Marburg

An der Philipps-Universität Marburg studieren aktuell rund 150 blinde beziehungsweise sehbehinderte Menschen. Das ist bundesweit Spitze. Als Beitrag zum barrierearmen Studium hat die Marburger Universität bereits 1987 eine Servicestelle für behinderte und chronisch kranke Studierende eingerichtet. Zudem werden die Universitäts-Gebäude mit barrierefreier Beschilderung in Braille-Schrift ausgestattet. In der Lehre werden Braille-Drucker und Braille-Displays eingesetzt, ebenso Sprachausgabe am Computer und mündliche Prüfungen statt Klausuren für Studierende mit eingeschränkter Sehkraft.
Eine weitere Marburger Besonderheit ist der bundesweit einmalige Weiterbildungs-Masterstudiengang „Blinden- und Sehbehindertenpädagogik“ in Kooperation mit der blista.

Weitere Informationen:
Barrierefreie Beschilderung in den Uni-Gebäuden: http://uni-marburg.de/aJzkC
Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista), Marburg: www.blista.de  

Kontakt:
Prof. Dr. Martin Koch
Philipps-Universität Marburg
AG Experimentelle Halbleiterphysik
E-Mail: martin.koch@physik.uni-marburg.de

Weitere Informationen:

Barrierefreie Beschilderung in den Uni-Gebäuden: http://uni-marburg.de/aJzkC
Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista), Marburg: www.blista.de

Andrea Ruppel | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Verleihung GreenTec Awards 2018 – Kategorie »Energie« am 24. April 2018 auf der Hannover Messe
23.04.2018 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

nachricht 31,5 Millionen Euro für Forschungsinstitute der Innovationsallianz Baden-Württemberg (InnBW)
20.04.2018 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics