Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem chronischen Schmerz auf den Grund gehen

08.10.2009
Förderpreis für Schmerzforschung an Frankfurter Forscher verliehen

Bei chronischen Schmerzen reagiert die Schmerzwahrnehmung über und meldet dem Gehirn starke Schmerzen ohne triftigen Grund. Wie es dazu kommt, hat Dr. Dr. Achim Schmidtko (Institut für Klinische Pharmakologie, Universität Frankfurt) untersucht.

Die Ergebnisse legen neue Mechanismen der Sensibilisierung des Schmerzsystems nahe. Beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin wurde er dafür mit dem mit 7.000 Euro dotierten ersten Preis der Kategorie Grundlagenforschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2009 ausgezeichnet.

Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

Mechanismen der Sensibilisierung

Die Entwicklung chronischer Schmerzen geht mit einer Sensibilisierung der Schmerzverarbeitung, des sog. nozizeptiven Systems, einher. Ein wichtiger Botenstoff ist dabei das cyclische Guanosinmonophophat (cGMP), das bei anhaltenden Schmerzen im Rückenmark freigesetzt wird. Die genauen Mechanismen der Sensibilisierung waren bislang nicht im Detail erforscht.

Der Frankfurter Wissenschaftler untersuchte jetzt die Rolle einer "Verdächtigen", die als cGMP-Quelle infrage kommt: die Stickstoffmonoxid-sensitive Guanylylcyclase (NO-GC). Er beobachtete sog. Knock-Out-Mäuse, denen der genetische Bauplan für NO-GC fehlt, so dass sie die Guanylylcyclase nicht herstellen können. Im Vergleich mit Wildtyp-Mäusen zeigten die K.O.-Mäuse eine stark verminderte Wahrnehmung entzündlicher und neuropathischer Schmerzen, während sie akute Schmerzen ganz normal wahrnehmen konnten.

Zwei verschiedene Signalwege

Dem Forscher gelang es darüber hinaus, die NO-GC mit Hilfe eines spezifischen Antikörpers zu markieren und so ihr Vorkommen im Rückenmark sichtbar zu machen. "Interessanterweise weicht das Expressionsmuster von NO-GC erheblich von dem der cGMP-abhängigen Proteinkinase ab, die zuvor als wichtigster Effektor dieses Signalweges vermutet wurde", erklärt Dr. Dr. Achim Schmidtko. "Das bedeutet, dass es sich wahrscheinlich um zwei verschiedene Signalwege handelt und weitere cGMP-produzierende Enzyme und cGMP-Effektoren beteiligt sind." Der Wissenschaftler folgert, dass es unterschiedliche cGMP-abhängige Mechanismen geben muss, die in verschiedenen Zellen des nozizeptiven Systems für eine Sensibilisierung sorgen.

Kontakt

Dr. Dr. Achim Schmidtko, Institut für Klinische Pharmakologie / Zentrum für Arzneimittelforschung, Entwicklung und Sicherheit (ZAFES), Haus 74, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main, Germany, Tel.: 069/6301-7819, E-Mail: schmidtko@em.uni-frankfurt.de

Meike Drießen | idw
Weitere Informationen:
http://www.em.uni-frankfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie