Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemnitzer Physiker an "Flagschiff" der Spitzenforschung beteiligt

18.02.2013
Professur Technische Physik der TU Chemnitz gehört zu den 126 Partnern eines europäischen Flagship-Projekts - In die Erforschung des Materials Graphen fließen bis zu eine Milliarde Euro in zehn Jahren

Die Europäische Kommission fördert in den kommenden zehn Jahren zwei "Flagship"-Projekte mit je bis zu einer Milliarde Euro. An dem Projekt "Graphene" ist die Professur Technische Physik der Technischen Universität Chemnitz beteiligt. Insgesamt werden mit Beginn des Projektes - im Laufe des Jahres 2013 - 126 akademische und industrielle Forschergruppen in 17 europäischen Ländern zusammenarbeiten.

"Das Ziel des Graphene-Flagship-Projektes ist eine rasche wirtschaftliche Nutzung von Graphen und ähnlichen zwei-dimensionalen Materialien in der Informations- und Telekommunikationstechnologie, der Materialwissenschaft sowie in der Energieforschung und den Life Sciences", sagt Prof. Dr. Thomas Seyller, Inhaber der Professur Technische Physik.

Graphen bezeichnet eine Anordnung von Kohlenstoffatomen in nur einer einzelnen Lage. "Aufgrund seiner besonderen Eigenschaften ist Graphen in den vergangenen acht Jahren zum neuen Hoffnungsträger für zukünftige Technologien avanciert", so Seyller. Im Jahr 2010 erhielten die beiden russischen Physiker Prof. Dr. Andre Geim und Prof. Dr. Kostya Novoselov den Nobelpreis für grundlegende Experimente an Graphen.

Beide gehören zum strategischen Beirat des neuen Flagship-Projektes. Dort ebenfalls beteiligt ist Nobelpreisträger Prof. Dr. Klaus von Klitzing, der 1988 die Ehrendoktorwürde der heutigen TU Chemnitz erhielt. Das Projekt "Graphene" wird von der Chalmers University of Technology in Göteborg koordiniert.

Für die 30-monatige Startphase stellt die Europäische Kommission zunächst 54 Millionen Euro zur Verfügung. Die Chemnitzer Forscher erhalten davon rund 310.000 Euro. Sie beschäftigen sich mit der Herstellung von Graphen. "Dabei setzen wir auf das Wachstum von Graphen auf dem Halbleiter Siliziumkarbid. Eine zweite Herstellungsmethode, die wir verfolgen, ist das Wachstum mittels chemischer Gasphasenabscheidung auf Metalloberflächen", erklärt Seyller. Die TU-Physiker untersuchen die Einflüsse verschiedener Wachstumsparameter auf die Eigenschaften der hergestellten Graphenschichten. "Außerdem interessieren uns grundlegenden physikalische Eigenschaften von Graphen, zum Beispiel die elektronischen Eigenschaften, die Struktur und die Schwingungseigenschaften", so Seyller.

Beim Wachstum von Graphen auf Siliziumkarbid greift Prof. Seyller bereits auf einige Erfahrung zurück: "Im Jahr 2009 habe ich mit meiner Arbeitsgruppe an der Universität Erlangen-Nürnberg ein Verfahren für das Wachstum von Graphen auf Siliziumkarbid entwickelt, das im Vergleich zur bestehenden Vorgehensweise eine deutliche Verbesserung der Eigenschaften der Schichten zur Folge hatte", so Seyller. Die Physiker koppeln bei der Untersuchung von Graphen auf Siliziumkarbid Methoden der Oberflächenphysik, beispielsweise die Elektronenmikroskopie, mit Messungen der elektrischen Leitfähigkeit. "Die Kombination der Methoden erlaubt es uns, ein umfassendes Verständnis für das Materialsystem zu erhalten", erklärt Seyller. Für seine Arbeiten zum Thema Graphen auf Siliziumkarbid wurde Prof. Seyller 2010 von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft mit dem Walter-Schottky-Preis für Festkörperphysik ausgezeichnet. Seit 2010 koordiniert Seyller zudem das Schwerpunktprogramm 1459 Graphene de r Deutschen Forschungsgemeinschaft, in dem aktuell 38 Projekte unter Beteiligung von mehr als 40 deutschen Institutionen durchgeführt werden.

Weitere Informationen zum Flagship-Projekt "Graphene" gibt es auf der englischsprachigen Internetseite: http://www.graphene-flagship.eu

Kontakt: Prof. Dr. Thomas Seyller, Telefon 0371 531-32898, E-Mail thomas.seyller@physik.tu-chemnitz.de, http://www.tu-chemnitz.de/physik/TEPH

Katharina Thehos | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de
http://www.graphene-flagship.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope
20.10.2017 | Freie Universität Berlin

nachricht Gitterdynamiken in ionischen Leitern
18.10.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise