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Chemiker François Diederich aus Zürich erhält in Münster Vits-Preis für wegweisende Forschung

13.11.2014

Die Universitätsgesellschaft Münster hat Dr. François Diederich, Professor für Organische Chemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, mit dem mit 20.000 Euro dotierten Ernst-Hellmut-Vits-Preis ausgezeichnet.

An fast 700 wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist er als Autor beteiligt, und er gehört zu den meistzitierten Forschern weltweit: Dr. François Diederich, Professor für Organische Chemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, gilt als einer der herausragendsten europäischen Wissenschaftler und genießt auf verschiedenen Gebieten der Chemie internationales Ansehen.


Prof. Dr. François Diederich (Mitte) nahm den Ernst-Hellmut-Vits-Preis von dem Vorsitzenden der Universitätsgesellschaft, Dr. Paul-Josef Patt (r.), und Prorektor Prof. Dr. Jörg Becker (l.) entgegen.

Foto: WWU / Peter Grewer

Am Mittwoch (12. November) hat er für seine wegweisende Forschung bei einem Festakt im münsterschen Schloss den mit 20.000 Euro dotierten Ernst-Hellmut-Vits-Preis der Universitätsgesellschaft Münster erhalten. Der 62-Jährige nahm die Auszeichnung von dem Vorsitzenden der Universitätsgesellschaft, Dr. Paul-Josef Patt, und Prorektor Prof. Dr. Jörg Becker entgegen. Der musikalische Rahmen wurde von der Musikhochschule der Universität Münster gestaltet.

In seiner Laudatio sagte Prof. Dr. Armido Studer, Arbeitsgruppenleiter am Organisch-Chemischen Institut der Universität Münster: "Ich kenne Herrn Diederich persönlich seit gut 20 Jahren und verfolge seine wissenschaftlichen Leistungen seit der ersten Begegnung mit größter Bewunderung und mit Staunen."

Er ließ einige der wegweisenden Arbeiten François Diederichs Revue passieren. Beispielsweise gelang es diesem Ende der 1970er-Jahre als Erstem, das sogenannte Kekulen zu synthetisieren, eine komplexe ringförmige chemische Verbindung. Das noch junge Forschungsgebiet der supramolekularen Chemie wurde von François Diederich maßgeblich mit geprägt, und auf dem Gebiet der Fullerene, die in den Materialwissenschaften von großer Bedeutung sind, gilt er ebenfalls als Pionier.

"Er hat zum gegenwärtigen Verständnis von schwachen Wechselwirkungen in chemischen Systemen maßgeblich beigetragen", nannte Armido Studer ein weiteres Beispiel. Das Studium schwacher Wechselwirkungen sei – wie auch andere Steckenpferde François Diederichs – von zentraler Bedeutung für mehrere Forschungsgruppen und -verbünde in Münster.

"Die Forschungsergebnisse von Professor Diederich besitzen eine hohe Ausstrahlungswirkung, da mit der Materialforschung und der Medizin sehr unterschiedliche Fachgebiete von seinen Forschungen und Erkenntnissen profitieren", hatte auch Paul-Josef Patt im Vorfeld der Preisverleihung erklärt.

François Diederichs Arbeiten auf dem Gebiet der Medizinalchemie führten zur Entwicklung neuer Enzym-Inhibitoren. Diese Inhibitoren greifen selektiv in einen Biosyntheseweg ein, der sich bei Krankheitserregern findet. Diese Forschungsarbeiten könnten zur Entwicklung neuer Medikamente führen, beispielsweise gegen Malaria- und Tuberkulose-Erreger.

Der Ernst-Hellmut-Vits-Preis, benannt nach dem langjährigen Vorsitzenden der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Wilhelms-Universität (heute: Universitätsgesellschaft Münster), wird in zweijährigem Turnus verliehen. Im Wechsel wird ein Beitrag aus dem Bereich der Naturwissenschaften/Medizin und aus den Geisteswissenschaften gewählt.

Der letzte an einen Naturwissenschaftler vergebene Vits-Preis war vor vier Jahren an den Physiker Prof. Dr. Stefan W. Hell gegangen, der 2014 gemeinsam mit zwei amerikanischen Forschern den Nobelpreis für Chemie erhielt. Weitere Preisträger sind unter anderem die Soziologin Renate Mayntz (2008) sowie der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker (1980).

Zum Lebenslauf von François Diederich

François Diederich wurde am 9. Juli 1952 in Ettelbrück in Luxemburg geboren. Von 1971 bis 1977 studierte er Chemie an der Universität Heidelberg. Im Jahr 1979 promovierte er in Heidelberg am Max-Planck-Institut (MPI) für medizinische Forschung. Bis 1981 forschte er als Postdoktorand an der University of California at Los Angeles (UCLA), USA, bevor er eine Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am MPI für medizinische Forschung in Heidelberg antrat und dort 1985 seine Habilitation abschloss. 1985 erhielt er einen Ruf an die UCLA und kehrte als "Associate Professor" dorthin zurück. Seit 1992 ist François Diederich ordentlicher Professor für Organische Chemie am Laboratorium für Organische Chemie der ETH Zürich.

Er ist korrespondierendes Mitglied der "US National Academy of Sciences" und gehört diversen wissenschaftlichen Akademien innerhalb und außerhalb Deutschlands an. Zu seinen zahlreichen bisherigen Auszeichnungen und Förderungen zählen der Alexander-von-Humboldt-Forschungspreis (2005), der "ERC Advanced Grant" des Europäischen Forschungsrates (2010), die Adolf-von Baeyer-Denkmünze der Gesellschaft Deutscher Chemiker (2011) sowie die Ehrendoktorwürde der Technion University, Israel (2012).


Weitere Informationen:

http://www.diederich.chem.ethz.ch/  Prof. Dr. François Diederich/ETH Zürich
http://www.uni-muenster.de/Foerderer/vits_preis.html  Ernst-Hellmut-Vits-Preis/Universitätsgesellschaft Münster

Dr. Christina Heimken | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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