Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bundesregierung fördert Großmotoren-Forschung an Uni Rostock mit 2,4 Millionen Euro

15.11.2016

Prof. Bert Buchholz übernimmt Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren

Große Räder drehen, das wollte Bert Buchholz schon immer. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn, wie Antriebe funktionieren, wie Motoren laufen, das fasziniert den gebürtigen Rostocker seit seiner Schulzeit. Passend dazu hat der heute 45-Jährige Großmotoren zu seiner Lebensaufgabe gemacht.


Der neue Inhaber des Lehrstuhls für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren (LKV), Prof. Bert Buchholz, vor einem der größten Einzylinder-Forschungsmotoren der Welt, der an der Uni Rostock steht.

Foto: Universität/Thomas Rahr


Prof. Egon Hassel und Dr. Jürgen Nocke (v.l.) diskutieren mit Prof. Bert Buchholz (3.v.l.) und Dr. Christian Fink vom Lehrstuhl LKV, vorne sitzend Björn Henke

An der Universität Rostock erforscht der Hobbyläufer und Musikliebhaber seit dem 1. Oktober als neuer Inhaber des Lehrstuhls für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren (LKV) die weitere Entwicklung großer Motoren.

Hier wird bereits ein Ein-Zylinder-Schiffsmotor von der Uni Rostock und dem Motorenbauer Caterpillar betrieben, der auf Forschungsebene die zukünftigen verschärften Abgasnormen im Schiffsverkehr vorweg nimmt. Mit der Bewilligung des Forschungsverbundprojektes „LEDF-Konzepte 2“ fördert das Bundeswirtschaftsministerium die Lehrstühle LKV und LTT der Universität Rostock mit 2,4 Millionen Euro.

Mit der Übernahme des Lehrstuhls von seinem Vorgänger Prof. Horst Harndorf ist Buchholz am Ziel seiner Träume angekommen. „Es steht für uns Forscher die Aufgabe, die CO 2-Emissionen bei Motoren nachhaltig zu senken“, sagt Buchholz. „Der Lehrstuhl ist so aufgestellt, dass daran an allen Fronten geforscht wird“. Das betrifft sowohl flüssige als auch gasförmige Kraftstoffe.

Bis 2050 will die Bundesregierung die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 80 bis 95 Prozent senken. Buchholz weiß um die Herausforderung: „Wir müssen Motoren effizienter machen. Aber es müssen auch CO2-ärmere und CO2-neutrale Kraftstoffe entwickelt werden.“ Was das für die Rostocker Großmotoren-Forschung bedeutet? „Es wird technische Innovationen am Motor geben müssen“.

Buchholz sieht bei Großmotoren „mit aller Schärfe“ Nachholbedarf für neue Technologien, die zur Senkung der Schadstoffe führen. Der Einsatz von Erdgas als Kraftstoff für Gasmotoren scheine eine Lösung zu sein. „Das bringt eine deutliche Senkung der Schadstoffe.“ Schwefeloxidemissionen können beispielsweise praktisch vollständig vermieden und CO2-Emissionen um bis zu 20 Prozent gesenkt werden.

Weltweit gibt es nur sehr wenige Universitäten, die im Bereich Schiffsdieselmotoren und maritime Kraftstoffe nach Lösungen für Dual-Fuel-Betrieb mit Erdgas suchen. Prof. Buchholz spielt dabei gemeinsam mit Prof. Egon Hassel, Chef des Lehrstuhls für Technische Thermodynamik (LTT), an der Uni Rostock in der ersten Liga.

Mit der Bewilligung des Forschungsverbundprojektes „LEDF-Konzepte 2“ fördert das Bundeswirtschaftsministerium die Lehrstühle LKV und LTT der Universität Rostock mit 2,4 Millionen Euro. Schwerpunkt des vier Jahre laufenden Projektes ist es, auch unter dem Einfluss schwankender Gasqualitäten und Brennstoffarten einen effizienten und emissionsarmen Motorbetrieb mit ein und derselben Motorenkonfiguration zu ermöglichen.

Konkret sollen Möglichkeiten der variablen Verdichtung in Kombination mit flexiblen Ventilsteuerzeiten an einem Ein- Zylinder Forschungsmotor untersucht werden. Dazu kommt der Schlüsselparameter der variablen Zündung. Die Beherrschung dieser Parameter ermöglicht die umweltschonende Energiewandlung sowohl flüssiger als auch gasförmiger Brennstoffe in einem Motor. Und dieser Versuchsmotor steht an der Uni Rostock. Daher hat die Uni auch die Federführung in dem Projekt. Direkte Projektpartner sind das Forschungszentrum für Verbrennungsmotoren und Thermodynamik Rostock GmbH (FVTR) sowie der Großmotorenhersteller Caterpillar Motoren GmbH & Co. KG.

Die Vorgaben der Internationalen Maritimen Organisation (IMO) bezüglich der Reduktion der Schwefel-und Stickoxidwerte setzen enge zeitliche Grenzen. Und es sind für die Zukunft weitere Verschärfungen zu erwarten. „Wir arbeiten an Konzepten, die Motoren mehrstofffähig machen“, sagt Buchholz. Ziel der Forschung sei es auch, dass Motoren auf schwankende Kraftstoffqualitäten umweltfreundlich reagieren. Bei dem Forschungsprojekt LEDF 2 geht es auch um neue Simulationsmethoden für Vielstoffmotoren in der maritimen Anwendung. „Eine spannende Aufgabe“, sagt Prof. Egon Hassel vom Lehrstuhl Technische Thermodynamik.

Bert Buchholz ist beruflich an der Uni Rostock groß geworden. Nach dem Abitur in Halle studierte er in Rostock Maschinenbau. In Großbritannien absolvierte er ein Auslandssemester und nach dem Studium zog es Buchholz zunächst in die freie Wirtschaft. Dort erfuhr er nicht nur, wie moderne Maschinen entwickelt, sondern auch, wie entsprechende Forschungs- und Entwicklungsleistungen in heutiger Zeit vermarktet und verkauft werden. Er leitete internationale Projekte, unter anderem zur Entwicklung von Gasmotoren, Motorenkomponenten und Offshore-Schlamm-Pumpen.

Später war er, der Vater zweier Töchter, Geschäftsführer eines jungen Unternehmens, das als hoffnungsvolles Start-up aus der Uni mit zunächst einem Mitarbeiter ausgegründet worden war, das Forschungszentrum für Verbrennungsmotoren und Thermodynamik Rostock GmbH (FVTR). Inzwischen arbeiten dort 18 Leute.

Die Verbindung zur Uni Rostock ließ Buchholz allerdings nie abreißen. Er promovierte und bearbeitete gemeinsam mit Industriepartnern Forschungsprojekte für zukünftige PKW- und Schiffsdieselmotoren. Und er war seit 2008 Lehrbeauftragter an der Uni Rostock, gab Vorlesungen und Seminare zu Schiffsdieselmotoren, seinem Lieblings-Thema. Seit 2014 ist Bert Buchholz Honorarprofessor für Schiffsdieselmotoren. Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:
Universität Rostock
Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik
Prof. Dr. Bert Buchholz
T: 0381 498 9150
Mail: bert.buchholz(at)uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Verleihung GreenTec Awards 2018 – Kategorie »Energie« am 24. April 2018 auf der Hannover Messe
23.04.2018 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

nachricht 31,5 Millionen Euro für Forschungsinstitute der Innovationsallianz Baden-Württemberg (InnBW)
20.04.2018 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics