Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brupbacher Preis an Nubia Muñoz und Sir Richard Peto

12.02.2009
Die Epidemiologen Nubia Muñoz und Sir Richard Peto erhalten den Charles Rodolphe Brupbacher Preis für Krebsforschung 2009.

Nubia Muñoz wird ausgezeichnet für die Erforschung der Ursachen von Tumoren wie den Gebärmutterhalskrebs durch humane Papillomviren und Richard Peto für seine Studien über die gesundheitlichen Risiken des Rauchens.

Der Preis der Charles Rodolphe Brupbacher Stiftung ist mit je 100'000 Franken dotiert.

Seit 1993 verleiht die Brupbacher Stiftung in zweijährigem Abstand den Charles Rodolphe Brupbacher Preis für Krebsforschung. Ziel der Stiftung ist es, Forscherinnen und Forscher auszuzeichnen, die in den Grundlagenwissenschaften oder in klinischer Onkologie wichtige Entdeckungen gemacht und dadurch zum besseren Verständnis der Entstehung und Behandlung von Tumorerkrankungen beigetragen haben.

In diesem Jahr wird der Preis erstmalig an zwei Epidemiologen, die sich grosse Verdienste um die Krebsprävention erworben haben, verliehen.

Nubia Muñoz

Im Jahre 1999 wurde der Brupbacher Preis verliehen an Harald zur Hausen (Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg) für den Nachweis von HPV-DNA in Karzinomen des Gebärmutterhalses (Cervix) und seine Hypothese, dass Papillomviren an der Entstehung von Cervix-Krebs beteiligt sind.

Er wurde dafür im vergangenen Jahr mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. In diesem Jahr erhält Dr. Nubia Muñoz (Lyon) den Preis für grundlegende epidemiologische Arbeiten zur Verursachung von Tumoren durch chronische Infektionen, insbesondere durch humane Papillomviren (HPV).

Ihre Untersuchungen haben letztlich den Beweis eines Kausalzusammenhangs erbracht. Sie leitete ein grosses internationales Netzwerk, in dem Cervix-Karzinome aus aller Welt virologisch analysiert wurden, und dies mündete in der Schlussfolgerung, dass die HPV-Typen 16 und 18 eindeutig als Ursache angesehen werden müssen.

Die Zahl der für den Cervix-Krebs verantwortlichen HPV-Typen hat sich inzwischen erweitert, und mit moderner Methodik lässt sich HPV-DNA in mehr als 98% aller Cervix-Tumoren nachweisen. Nicht zuletzt die Arbeiten von Muñoz und ihren Mitarbeitenden haben dazu geführt, dass eine chronische HPV-Infektion als eine notwendige, wenn auch nicht ausreichende Voraussetzung für die Entstehung von Cervix-Krebs gilt.

Dieser Tumor kann somit als die Spätfolge einer sexuell übertragenen Infektion angesehen werden. Die Arbeiten von Nubia Muñoz haben auch wesentlich dazu beigetragen, dass Impfstoffe zunächst gegen die weltweit vorherrschenden HPV-Typen 16 und 18 entwickelt wurden. Wegen der derzeit noch hohen Kosten findet leider die prophylaktische Impfung von Mädchen vor der Geschlechtsreife fast ausschliesslich in wohlhabenden Ländern statt, in denen seit Einführung der Vorsorgeuntersuchung (Papanicolaou Test) die Erkrankungshäufigkeit an Gebärmutterhalskrebs bereits stark reduziert ist.

Vordringlich ist deshalb eine Ausdehnung der Impfung auf weniger entwickelte Länder, in denen noch immer eine sehr hohe Mortalität zu verzeichnen ist, insbesondere in Mittel-, und Südamerika, Südafrika und einigen asiatischen Ländern.

Sir Richard Peto

Neben der Verursachung von Cervix-Krebs durch HPV-Infektionen und Leberkrebs durch virale Hepatitis gibt es kaum eine vergleichbar wichtige, vermeidbare Ursache menschlicher Tumoren wie das Rauchen.

Obwohl die Verursachung von Lungenkrebs durch Zigarettenrauchen seit mehr als 50 Jahren bekannt ist, hat es erstaunlich lange gedauert, bis verlässliche Daten über das Ausmass des Risikos und der resultierenden Mortalität vorlagen. Die Arbeiten von Sir Richard Peto und seines im Jahre 2005 verstorbenen Kollegen Sir Richard Doll an der Oxford University haben dazu entscheidende Beiträge geleistet.

Nicht zuletzt durch ihre Studien wissen wir heute, dass bei männlichen Rauchern das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, mehr als 20fach höher ist als bei Nichtrauchern. In einer berühmten epidemiologischen Studie haben Doll und Peto mehr als 34'000 männliche britische Ärzte über fünf Jahrzehnte (1951-2001) verfolgt und festgestellt, dass Raucher eine um 10 Jahre verkürzte Lebenserwartung haben.

Peto hat geschätzt, dass das freie Verteilen von Zigaretten an britische Soldaten im ersten Weltkrieg über die Jahrzehnte insgesamt mehr Opfer gekostet hat als der Krieg selbst.

Peto und Mitarbeiter konnten aber auch zeigen, dass eine Aufgabe des Rauchens zu einer wesentlichen Reduktion des Risikos führt. Selbst langjährige Raucher, die erst mit 50 Jahren aufhören, können ihre durchschnittliche Lebenserwartung noch um etwa 6 Jahre verlängern und das Risiko, bis zum Alter von 75 Jahren an Lungenkrebs zu erkranken, um mehr als 50% verringern.

Sie weisen deshalb eindrücklich darauf hin, dass die Aufklärung von Jugendlichen über die Gefahren des Rauchens zwar wichtig ist, der rascheste und grösste Effekt jedoch erreicht würde, wenn eine grössere Zahl Erwachsener das Rauchen aufgeben würde.

Peto hat u.a berechnet, dass im 20. Jahrhundert mehr als 100 Millionen Menschen wegen des Zigarettenrauchens vorzeitig, d.h im mittleren Lebensalter (30-69 Jahre) gestorben sind.

Er hat darauf hingewiesen, dass die sehr hohe Raucherquote in asiatischen Ländern zu Krankheit und Mortalität ungeahnten Ausmasses führen wird. Demnach werden in Indien im Jahre 2010 etwa 930'000 Erwachsene wegen ihres Tabakkonsums sterben, 70% von ihnen im Alter zwischen 30 und 69 Jahren.

Es sind nicht zuletzt die Arbeiten von Sir Richard Peto, die dazu geführt haben, dass weltweit eine zunehmende Zahl von Regierungen Massnahmen getroffen hat, ihre Bürger, insbesondere auch die Passivraucher, vor den gesundheitlichen Konsequenzen des Rauchens zu schützen, nicht nur durch Aufklärung und Erziehung, sondern auch durch gesetzliche Massnahmen wie Rauchverbote in öffentlichen Räumen.

Die Stiftung:

Charles Rodolphe Brupbacher (1909-1989) gründete als junger Mann die Privatbank Affida am Paradeplatz, die er nach 40jähriger Tätigkeit an die Credit Suisse veräusserte. In Verehrung ihres Gatten, der an Krebs verstarb, gründete seine Witwe, Frédérique Brupbacher, die Charles Rodolphe Brupbacher Stiftung.

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch
http://www.brupbacher-stiftung.ch
http://www.mediadesk.uzh.ch/mitteilung.php?text_id=363&grp=aktuell

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE