Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Boje soll Ölteppiche eindämmen: Vierte Design-Auszeichnung für Absolvent der Hochschule Darmstadt

08.11.2010
Ölteppiche auf offener See schnell und umweltfreundlich eindämmen soll eine gestern zum vierten Mal ausgezeichnete Boje, die von Boris Innecken entworfen wurde.

Der Absolvent des Studiengangs Industrie-Design an der Hochschule Darmstadt (h_da) erhielt die jüngste Ehrung für sein „Schwarm“ genanntes System zur effektiven Ölteppichbekämpfung gestern Abend in Nürnberg. Dort wurde ihm im Staatlichen Museum für Kunst und Design der Bayerische Staatspreis für Nachwuchsdesigner 2010 verliehen.

Für „Schwarm“ war der 26jährige bereits Ende Oktober von der MunichExpo Veranstaltungs GmbH mit dem MATERIALICA Design + Technology Award 2010 sowie Ende September mit dem Mia Seeger Preis 2010 von der gleichnamigen Stiftung in Stuttgart ausgezeichnet worden. Im Spätsommer hatte die Deutschland-Jury des internationalen James Dyson Award in Köln den Entwurf zu einer der zehn besten Einreichungen aus Deutschland gewählt.

„Scharm“ hat Innecken im Rahmen seiner Diplomarbeit am h_da-Fachbereich Gestaltung entwickelt. Betreut wurde das Projekt von Prof. Tino Melzer, der Entwurf im Studiengang Industrie-Design lehrt. Daneben wurde der spätere Preisträger vom h_da-Kunststofftechnik-Professor Dr.-Ing. Weinlein bei der Wahl des angemessenen Kunststoffs und Fertigungsverfahrens beraten.

Das ausgezeichnete System „Schwarm“ setzt Netzteppich gegen Ölteppich. Es soll im Falle einer Havarie zum Einsatz kommen, wie bei den jüngsten Ereignissen im Golf von Mexiko. Dann könnten vom Flugzeug aus im 50m-Abstand abgeworfene Bojen mit Gasdruck fast flächendeckend Schläuche aufgeblasen, die wiederum radialen Netze aufspannen und sich von unten her an die Ölschicht legen. Dabei folgt das System der dezentralen Funktionsweise eines Schwarms, daher auch sein Name. Die fraktale Feinstruktur eines einzigen Netzes kann bis zu 2000 Quadratmeter Öl ohne Chemie binden und dessen Ausbreitung verhindern. Schiffe schleppen die vollgesogenen Netze an Land. Dort lassen sich Öl, Netz und Bojen trennen und wiederverwerten. Auf See sind die Bojen über Radar, Licht und GPS einfach zu orten. Ultraschallerzeuger halten Seevögel fern.

Boris Innecken zu seinem Entwurf: „Wie man bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gesehen hat, werden die bisher eingesetzten Ölsperren bei höheren Windstärken schnell überspült. Die Bojennetze wären dafür nicht anfällig. Zudem ist eine solche Boje als Lowtech-Produkt einfach zu fertigen, robust, stapelbar und zuverlässig lange zu lagern. Jetzt suche ich ein Unternehmen, das in die Produktion der Boje einsteigen möchte.“

Die Großhavarie im Golf von Mexiko zeigt: Nicht nur ist die Gefahr durch ölverschmutzte Meere aktueller denn je, ein entsprechender Unfall in der Ostsee würde das gesamte Ökosystem über Jahre zerstören. Daher standen das Havariekommando in Cuxhaven, Greenpeace, das Technische Hilfswerk und Evonik Industries AG Boris Innecken bei der Entwicklung des Projekts beratend zur Seite.

Prof Tino Melzer: „Im Studiengang Industrie-Design bringen wir unseren Studierenden bei, komplexe Zusammenhänge wahrzunehmen. Verbunden mit der Vermittlung von soliden handwerklichen und konzeptionellen Fähigkeiten wollen wir sie in die Lage versetzen, gesellschaftlich relevante Probleme zu lösen. Man muss das Ganze im Blick haben, um Teile daraus neu oder besser gestalten zu können.“

Boris Innecken: „Ich fühlte mich bei meiner Abschlussarbeit exzellent betreut und beraten. Während meines Studiums habe ich davon profitiert, dass am h_da-Fachbereich Gestaltung viele Professoren mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten lehren. Von der Ideenentwicklung über die handwerkliche Ausführung und Präsentation habe ich mir von jedem das Beste mitnehmen können. Ideal ist auch die gute Lernumgebung im Fachbereichsgebäude auf der traditionsreichen Mathildenhöhe: Gute Ausstattung und viel Platz in den Lernwerkstätten haben mir Zeit und Raum für meine Entwicklung gegeben.“

Ihre Ansprechpartner zum Thema
Prof. Tino Melzer
Fachgebiet Industrie-Design Entwurf
(derzeit im Forschungssemester in der Schweiz)
Tel +41. 71 688 4234
tino.melzer@h-da.de www.fbg.h-da.de
Boris Innecken
Selbstständiger Industrie-Designer
Mobil +49.176. 23947369
boris@innecken.net http://boris.innecken.net
Zu den einzelnen Preisen
Bayerischer Staatspreis 2010
Der Bayerische Staatspreis für Nachwuchsdesigner 2010 wurde zum vierzehnten Mal vergeben. Mit der Stiftung des Bayerischen Staatspreises für Nachwuchsdesigner wird zum Ausdruck gebracht, welche zentrale Bedeutung ausgezeichnetes Design, gute handwerkliche Gestaltung und eine qualifizierte Ausbildung des Nachwuchses für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen, insbesondere der mittelständischen Wirtschaft haben. Organisiert wurde der diesjährige Staatspreis von der bayern design GmbH und dem Coburger Designforum Oberfranken e.V.

Die prämierten Arbeiten und weitere herausragende Wettbewerbsbeiträge sind in der Ausstellung im Neuen Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design in Nürnberg, bis zum 5. Dezember 2010 zu sehen. Mehr dazu: www.staatspreis.de

MATERIALICA Design + Technology Award 2010
Um die Relevanz von Werkstoffen für die Industriedesign orientierte Anwendung aufzuzeigen und Designer, Materialhersteller, Entwickler, Ingenieure und Produzenten miteinander ins Gespräch zu bringen, lobt die MunichExpo Veranstaltungs GmbH seit acht Jahren den MATERIALICA Design + Technology Award aus. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Bereichen Aerospace, Automotive, Maschinenbau Sport- und technische Konsumgüter. Traditionell wird der Preis anlässlich der Messe MATERIALICA, der internationalen Fachmesse für Werkstoffanwendungen, Oberflächen und Product Engineering in München vergeben, die 2010 vom 19. bis 21. Oktober stattfand. Mehr dazu: www.materialica.de
Mia Seeger Preis 2010
Die Jury des Mia Seeger Preises entschied sich 2010 einstimmig für zwei gleichwertige Preisträger, denen jeweils 4.000 € Preisgeld zugesprochen wurde. Neben „Schwarm“ wurde eine Umlagerungshilfe für übergewichtige Patienten in Narkose gewürdigt. Zusätzlich vergab sie vier Anerkennungen. Die Bewertung erfolgte nach den gängigen Designkriterien, allerdings spielten der soziale Nutzen sowie die Nachhaltigkeit der Produkte bei der Beurteilung die entscheidende Rolle. Im Jahr 2010 reichten Studierende von 21 deutschen Hochschulen insgesamt 58 Exponate und Produkte ein. Vertreten waren die Studiengänge Industriedesign / Produktgestaltung, Innenarchitektur / Möbeldesign, Architektur, Investitionsgüter- und Transportation Design. Mehr dazu: www.design-center.de
James Dyson Award 2010
Der James Dyson Award ist ein internationaler Designpreis, der in 18 Ländern, darunter Deutschland, durchgeführt wird. Er richtet sich an die nächste Generation von Designern und Ingenieuren. Studierende der Fachbereiche Produktdesign, Industriedesign oder Ingenieurwissenschaften und junge Kreative, die ihr Studium der genannten Fachbereiche vor maximal vier Jahren abgeschlossen haben, reichten 2010 Insgesamt über 500 Projekte ein, die meisten davon aus Deutschland. Mehr Informationen dazu: www.jamesdysonaward.org

Martin Wünderlich | idw
Weitere Informationen:
http://www.h-da.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über zwei Millionen für bessere Bordnetze
28.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Innovationspreis 2017 der Deutschen Hochschulmedizin e.V.
24.04.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie