Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF fördert MS-Forschungsprojekt des UKE mit 1,6 Millionen Euro

26.08.2014

Prof. Dr. Manuel Friese, Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose (INIMS) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), erhält vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für sein MS-Forschungsprojekt „Niedermolekulare Wirkstoff-Identifikation für die Inhibition des Ionenkanals TRPM4 zur Neuroprotektion bei Multiple Sklerose“ eine Förderung von rund 1,6 Millionen Euro. Ziel des Projekts ist es, einen Wirkstoff zu entwickeln, der den voranschreitenden Nervenzelluntergang bei der Multiplen Sklerose (MS) aufhält. Das Forschungsprojekt läuft über 1,5 Jahre.

„Wir wollen ein neues Arzneimittel für die Behandlung neurodegenerativer Prozesse im Zentralnervensystem der Multiplen Sklerose entwickeln“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Manuel Friese vom Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose des UKE. Bei der Multiplen Sklerose (MS) spielen sowohl entzündliche als auch neurodegenerative Prozesse im Zentralnervensystem eine wichtige Rolle.

Derzeit befinden sich zur Behandlung der MS ausschließlich anti-entzündliche Wirkstoffe auf dem Markt, die auf die langfristige Schädigung der Nervenzellen nur einen begrenzten Einfluss haben. Daher besteht ein Bedarf an Wirkstoffen, die Nervenzellen vor entzündlichen Angriffen schützen oder widerstandsfähiger machen können. Dieses wird durch die Entwicklung eines nieder-molekularen Wirkstoffes zur Blockierung des Ionenkanals „Transient Receptor Potential Melastatin 4 (TRPM4)“ angestrebt.

Dass die Blockade dieses Ionenkanals für die Behandlung der MS einen aussichtsreichen Wirkmechanismus darstellen könnte, wurde zuvor im Labor von Prof. Friese im UKE entdeckt. „Wir konnten im Modell erstmals zeigen, dass beim Untergang von Nervenzellen im Rahmen von chronischen Entzündungen des Nervensystems wie MS ein spezielles Molekül namens TRPM4 eine zentrale Rolle spielt“, sagt Prof. Friese.

Das Molekül TRPM4 bildet einen Ionenkanal in der Zellmembran von Nervenzellen. Durch diesen Kanal strömen v.a. Natrium-Ionen (Na+) von außen in das Innere der Zellen ein. „Durch eine chronische Entzündung wird der Kanal dauerhaft aktiviert, was zu einer Störung des Ionengleichgewichts in den Nervenzellen und zu deren Untergang führt“, so Friese. Diesen Zusammenhang konnte die Forschergruppe um Prof. Friese, deren Arbeit von der Hertie-Stiftung und dem Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zuvor unterstützt wurde, in der Zellkultur und im Modell bereits 2012 zeigen.

Mit der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bereitgestellten Fördersumme kann die Entwicklung von ersten Rohsubstanzen, die den Ionenkanal TRPM4 blockieren, finanziert und damit der erste Schritt von der wissenschaftlichen Erkenntnis zum Medikament getan werden. In einem zweiten Schritt könnten diese Wirkstoffkandidaten dann anschließend mit Unterstützung einer Pharmafirma zu Medikamenten weiterentwickelt werden.

Die Identifizierung derartiger Wirkstoffe kann ein Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Medikamente für MS und andere neurodegenerative Erkrankungen sein. „Für einen Forscher in der Medizin ist das eine aufregende Zeit, denn das Ziel aller unserer Bestrebungen ist es, eine Erkenntnis im Labor tatsächlich in die Medikamentenentwicklung umzusetzen“, sagt Prof. Friese. „Die öffentlichen Fördermittel tragen daher entscheidend dazu bei, wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem akademischen Bereich für medikamentöse Therapieansätze nutzbar zu machen.“

An dem Forschungsvorhaben sind neben dem Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose (INIMS; Prof. Dr. Manuel Friese) des UKE auch noch die Evotec AG und der ScreeningPort des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME beteiligt. Die Validierung von TRPM4 als attraktives Target auch in der pharmazeutischen MS-Forschung fand vorab im Rahmen der BioPharma/NEU² Initiative (www.neu-quadrat.de) statt.

Kontakt:
Prof. Dr. Manuel A. Friese
Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose (INIMS)
Zentrum für Molekulare Neurobiologie Hamburg (ZMNH)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Falkenried 94
20251 Hamburg
Tel.: (040) 7410-57277
E-Mail: manuel.friese@zmnh.uni-hamburg.de

Christine Trowitzsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Red Dot Design Award für die dormakaba 360°City App
09.12.2016 | Kaba GmbH

nachricht Zweimal Gold beim Architects’ Darling Award 2016 für dormakaba
28.11.2016 | Kaba GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Geothermie: Den Sommer im Winter ernten

18.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kompositmaterial für die Wasseraufbereitung

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht

18.01.2017 | Informationstechnologie