Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF fördert deutsch-kanadisches Forschungsprojekt ...

03.12.2008
... zu ethischen, soziokulturellen und neuropsychiatrischen Aspekten von Cognitive Enhancement

Die geistigen Fähigkeiten eines Menschen spielen in den modernen Wissensgesellschaften eine immer größere Rolle. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Möglichkeit zunehmend an Interesse, die eigene geistige Leistungsfähigkeit mithilfe von Psychopharmaka oder anderen Verfahren über das normale Maß hinaus zu steigern.

Zwar können die Neurowissenschaften immer besser erklären, wie unser Gehirn arbeitet und damit auch, ob es statistisch gesehen "normal" funktioniert. Wie es zu solchen Beurteilungen kommt, was genau als normal betrachtet wird und ob, beziehungsweise inwieweit eine Verbesserung mit unseren Werten und ethischen Vorstellungen übereinstimmt, untersucht ein neues Forschungsprojekt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Das Projekt bündelt Forschungsanstrengungen in Philosophie, Psychiatrie, Neurowissenschaften und Medizinethik und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) von 2008 bis 2011 mit rund 500.000 Euro gefördert.

An dem Forschungsprojekt "Normalität, Normalisierung und Enhancement in den Neurowissenschaften: Ethische, soziokulturelle und neuropsychiatrische Aspekte von Cognitive Enhancement" sind unter dem Dach des Interdisziplinären Forschungszentrums für Neurowissenschaften (IFZN), das künftig als Interdisziplinärer Forschungsschwerpunkt Neurowissenschaften (IFSN) geführt wird, drei Arbeitsgruppen der Universität Mainz und des Universitätsklinikums sowie ein Team der University of British Columbia in Vancouver (Kanada) beteiligt. Untersucht werden die ethischen, soziokulturellen und neuropsychiatrischen Aspekte von Cognitive Enhancement - also dem Versuch, bestimmte Aspekte unserer kognitiven Leistungsfähigkeit wie Gedächtnis, Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Wachheit durch Medikamente zu verbessern und möglicherweise auch bei gesunden Personen dauerhaft zu optimieren.

Am Philosophischen Seminar wird unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Thomas Metzinger ein philosophisch-ethisches Teilprojekt bearbeitet. Hierbei geht es darum, ausgehend von einer detaillierten Analyse der involvierten Begriffe und Konzepte, geeignete Kriterien für die Bewertung eines solchen verbessernden Eingreifens zu entwickeln. Zentrale Forschungsfragen lauten: Kann die philosophische Ethik Kriterien zur Unterscheidung von normalem, abweichendem und krankhaftem Verhalten liefern? Unter welchen Umständen kann es erlaubt sein, Normalität zu verbessern? Inwieweit kann möglicherweise in bestimmten Kontexten von einer Pflicht zur Selbstoptimierung die Rede sein? Bestehen in diesem besonderen Anwendungsbereich spezifische Probleme der Chancengleichheit oder der Verteilungsgerechtigkeit? Zudem werden im Rahmen des Teilprojektes mögliche Auswirkungen aktueller empirischer Ergebnisse der Neurowissenschaften auf die angewandte Ethik, die Philosophie des Geistes und die philosophische Anthropologie untersucht.

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Klaus Lieb wird einen Beitrag zu den potenziellen Wirkungen und Wirkungsweisen von derzeit auf dem Markt erhältlichen und gerade in der Entwicklung befindlichen neurokognitiven Enhancern leisten. Unter Berücksichtigung und nach Systematisierung der aktuellen Datenlage sollen in diesem Teilprojekt Daten über das missbräuchliche Einnahmeverhalten in der bundesdeutschen Bevölkerung in verschiedenen Bevölkerungsgruppen erhoben werden. Dies soll sowohl qualitative als auch quantitative Aussagen über potenziell neurokognitiv wirksame Medikamente zulassen. Zu diesen Medikamenten gehören in erster Linie Substanzen, die in der Pharmakotherapie der Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) zum Einsatz kommen, aber auch Medikamente, die ihren Einsatz in der Therapie demenzieller Erkrankungen finden. Zudem werden Einstellungen, ethische Vertretbarkeit und Nutzen-Risiko-Abwägung verschiedener Bevölkerungsgruppen untersucht.

Der Medizinhistoriker und Medizinethiker Univ.-Prof. Dr. Norbert W. Paul leitet am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin ein wissenschaftstheoretisches Teilprojekt. Dieses beschäftigt sich mit medizinischen Klassifizierungssystemen und diagnostischen Tests für Hirnfunktionen. Denn die neurowissenschaftlichen Erklärungsmodelle tragen heute maßgeblich zur Definition von Krankheit und Gesundheit, aber auch von kognitiven Begriffen wie Konzentrationsfähigkeit oder Intelligenz bei und sind mehr und mehr maßgeblich für unser Verständnis von normaler, unterdurchschnittlicher oder überdurchschnittlicher geistiger Leistungsfähigkeit. Dabei werden insbesondere auch die wissenschaftlich-technologischen Entwicklungen betrachtet, die zu den derzeitigen Erklärungsmodellen und Anwendungen geführt haben. Wie und wodurch sich das Verständnis von kognitiven Abweichungen - etwa Demenzen im Alter oder der Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) bei Kindern - gewandelt hat, soll auf diese Weise geklärt werden.

Ein von Prof. Peter B. Reiner am National Core for Neuroethics der University of British Columbia, Vancouver, geleitetes kanadisches Forscherteam ermittelt die Ansichten und Einstellungen von im klinischen Bereich tätigen Personen gegenüber kognitivem Enhancement und analysiert die ethischen Prinzipien, die diesen Ansichten und Einstellungen zugrunde liegen. Hierzu wird in Kanada und in Deutschland eine Befragung von Ärzten, Krankenschwestern und Medizinstudierenden durchgeführt werden.

Kontakt:
PD Dr. Elisabeth Hildt
Philosophisches Seminar
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel.: 06131 - 3924219
E-Mail: hildt@uni-mainz.de
Dr. Dr. Andreas Franke
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel.: 06131 - 172157
E-Mail: afranke@uni-mainz.de
Dr. Lara Huber
Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel.: 06131 - 3930111
E-Mail: huberl@uni-mainz.de
Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz

| Uni Mainz
Weitere Informationen:
http://www.ifzn.uni-mainz.de/472.php
http://www.kooperation-international.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Signal-Shaping macht Bits und Bytes Beine
23.11.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht CAU-Wissenschaftlerin erhält EU-Förderung zur Entwicklung neuer Implantate
22.11.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung