Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Blick im Visier – Dr. Martin Rolfs erhält DFG-Förderung zu Wahrnehmung und Aufmerksamkeit

26.09.2012
Dreimal pro Sekunde springt unser Blick von einem Objekt zum nächsten – und damit auch das Bild auf der Netzhaut.

Wie das Gehirn trotzdem stets weiß, wo sich wichtige Objekte befinden, und welchen Einfluss unsere Aufmerksamkeit darauf hat, untersucht der Psychologe Dr. Martin Rolfs. Ab Oktober wird er eine Emmy-Noether-Gruppe an der Humboldt-Universität zu Berlin leiten und assoziiertes Mitglied des Bernstein Zentrums für Computational Neuroscience Berlin (BCCN Berlin) sein.

Das Förderprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ermutigt junge Spitzenforscher aus aller Welt durch den Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe langfristig in Deutschland zu forschen.

Beim Blick über den Schreibtisch fokussieren wir ständig unterschiedliche Objekte –den Bildschirm, die Kaffeetasse, die Tastatur, dann wieder den Bildschirm. Mit jeder Augenbewegung springen diese Objekte über die Netzhaut und werden dort an einer anderen Stelle abgebildet. Wir nehmen diese Sprünge nicht wahr und können jederzeit sicher nach unserer Kaffeetasse greifen. Unser Gehirn muss also stets wissen, wo sich die relevanten Objekte jeweils im Bild befinden. In seiner neu gegründeten Emmy-Noether-Gruppe wird Martin Rolfs untersuchen, wie die visuelle Wahrnehmung durch unsere Aufmerksamkeit stabilisiert wird.

Wie Rolfs kürzlich zeigen konnte, wird die Position wichtiger Objekte im Blickfeld schon vor der Augenbewegung vorausberechnet. „Die Vorhersagen, die das Gehirn bei größeren Bewegungen des Körpers zu leisten hat, sind komplex und müssen Informationen aus verschiedensten Bereichen des Gehirns einbeziehen. Es ist absolut unklar ob und wie es unter diesen Bedingungen gelingt, visuelle Aufmerksamkeit auf die relevanten Stellen zu richten,“ erklärt Rolfs. Dies möchte er in den kommenden fünf Jahren unter besonders realistischen Bedingungen untersuchen. In Kollaborationen, unter anderem mit Professor Fred Hamker und Professor Ralf Engbert, sollen wichtige Verarbeitungsprozesse im Gehirn auch in theoretischen Modellen nachgebaut und damit der Beitrag unterschiedlichster Hirnregionen besser verstanden werden.

Bereits in seiner Diplomarbeit an der Universität Potsdam beschäftigte sich Rolfs mit Augenbewegungen, den kleinsten ihrer Art, die das Bild "abtasten" wenn wir gerade ein Objekt fokussieren. Nach seiner dortigen Promotion erforschte er unter anderem in Paris bei Professor Patrick Canvanagh und in New York gemeinsam mit Professor Marisa Carrasco das Zusammenspiel von Wahrnehmung und Bewegung.

Nach einem über vierjährigem Auslandsaufenthalt freut sich Rolfs auf die Rückkehr nach Deutschland: „Ich finde die Wissenschaftslandschaft in Deutschland sehr attraktiv. Ganz besonders die Hirnforschung in Berlin – die mit vielen großen Namen aufwarten kann – hat sich toll entwickelt.“ Durch die räumliche Ansiedelung am BCCN Berlin ist die Gruppe von Anfang an gut mit den vorhandenen Kompetenzen vernetzt. Leitern einer Emmy-Noether-Gruppe ist der Anteil der Lehre an ihrer Arbeit freigestellt. „Das empfinde ich als besonderes Geschenk. Es erlaubt mir, mich auf meine Forschung zu konzentrieren, ohne den Kontakt zu den Studenten zu verlieren“, erklärt Rolfs.

Die Förderung der Emmy-Noether-Gruppe durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist auf fünf Jahre ausgelegt und zielt darauf ab, international herausragende Nachwuchswissenschaftler für den Forschungsstandort Deutschland (zurück) zu gewinnen.

Das Bernstein Zentrum Berlin ist Teil des Nationalen Bernstein Netzwerks Computational Neuroscience (NNCN). Das NNCN wurde vom BMBF mit dem Ziel gegründet, die Kapazitäten im Bereich der neuen Forschungsdisziplin Computational Neuroscience zu bündeln, zu vernetzen und weiterzuentwickeln. Das Netzwerk ist benannt nach dem deutschen Physiologen Julius Bernstein (1835-1917).

Weitere Informationen erteilt Ihnen gerne:
Dr. Martin Rolfs
Bernstein Zentrum Computational Neuroscience
Humboldt-Universität zu Berlin
Philippstr. 13, Haus 6
10115 Berlin
E-Mail: Martin.Rolfs@bccn-berlin.de

Dr. Simone Cardoso de Oliveira | idw
Weitere Informationen:
http://www.martinrolfs.de/
http://www.nncn.de/
http://www.hu-berlin.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht CAU-Wissenschaftlerin erhält EU-Förderung zur Entwicklung neuer Implantate
22.11.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Illegal geschlagenes Holz in Alltagsprodukten aufspüren
21.11.2017 | Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften