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Der Biochemiker Matthias Mann erhält den Schelling-Preis der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

30.11.2010
Die Bayerische Akademie der Wissenschaften verleiht ihren wichtigsten Wissenschaftspreis, den mit 25.000 Euro dotierten Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling-Preis, an den Biochemiker Matthias Mann. Er wird am kommenden Samstag, 4. Dezember 2010, in München für seine bahnbrechenden innovativen Arbeiten zur Technologie in der Biomedizin und Biotechnologie sowie zur Funktionellen Genomik und Proteomik ausgezeichnet.

Auf dem Gebiet der Entwicklung von Verfahren zur Analyse von Proteinen mit Hilfe der Massenspektroskopie ist Prof. Dr. Matthias Mann (Jahrgang 1959), seit 2005 Direktor am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried, einer der weltweit bedeutendsten Forscher.

Seine Arbeiten haben die Möglichkeiten der funktionalen Genomanalyse drastisch erweitert und zahlreiche neue originelle Ansätze in der modernen molekularen Biologie, Biotechnologie und Bioinformatik eröffnet. Seine Methoden sind aus der heutigen Zellbiologie und zellulären Biochemie nicht mehr wegzudenken.

Matthias Mann hat spektakuläre Erfolge bei der Erforschung des Proteoms erzielt, also der Gesamtheit aller Proteine in einer Zelle bzw. einem Gewebe: In seiner Promotion an der Yale University (1988) entwickelte er Algorithmen, um Proteinmassen zu bestimmen und vermaß zum ersten Mal Fragmentspektren von großen Proteinen. Er trug zur Erarbeitung des Elektrospray-Verfahrens zur Ionisation von Peptiden bei, also derjenigen Methode, die die Voraussetzung für die Protein-Massenspektroskopie darstellt. Als Postdoctoral Fellow an der Universität Odense in Dänemark (1989-1992) und am Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium in Heidelberg (1992-1998) entwickelte er die erste Methode zur Auffindung von Peptiden in DNA-Sequenzbanken auf der Basis selbst minimaler massen-spektroskopischer Information aus Proteinfragmenten.

Ihm gelangen ferner drastische Verbesserungen der Sensitivität der Methode durch das Nanoelektrospray-Verfahren sowie wichtige Fortschritte in der Bioanalytik, so dass nun Nanogramm-Mengen von Proben ausreichen. Von 1998 bis 2005 war er als Professor für Bioinformatik an der Universität von Süddänemark tätig, wo ihm eine weitere methodische Innovation gelang: die Erfindung des SILAC-Verfahrens zur quantitativen Bestimmung von Proteinen durch Massenspektrometrie, die eine neue Dimension in der quantitativen Biologie einleitete.

Matthias Mann hat neben und mit seinen technologischen Entwicklungen exzellente Beiträge zur Hypothesen-getriebenen molekularen Biologie geliefert. Dazu zählen die Bestimmung der Proteinzusammensetzung von Spleißkomplexen der RNA-Reifung, des Anaphase Promoting Complex in der Zellteilung sowie von Histonkomplexen in der Chromatinfunktion, die globale Erfassung von Signaltransduktionswegen, des Gesamtproteoms von Mitochondrien und von ganzen Hefezellen sowie die Erforschung von Alternsprozessen.

Matthias Mann wird bei der Feierlichen Jahressitzung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften am kommenden Samstag, 4. Dezember 2010, um 10.00 Uhr mit dem Schelling-Preis ausgezeichnet. Rund 1.000 Gäste werden zu der Feier im Herkulessaal der Münchner Residenz erwartet.

Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird 2010 zum dritten Mal für herausragende wissenschaftliche Leistungen verliehen, und zwar in diesem Jahr für das Fachgebiet „Entwicklung neuer Methoden im Bereich der Biochemie“. Er ist benannt nach dem Philosophen und Akademiepräsidenten Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (1775-1854). Eine Selbstbewerbung ist nicht möglich. Die bisherigen Preisträger waren der Physiker Gerhard Abstreiter (2006) und der Indologe Lambert Schmithausen (2009).

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften, gegründet 1759, ist eine der größten und ältesten Akademien in Deutschland. Sie ist zugleich Gelehrtengesellschaft und Forschungseinrichtung von internationalem Rang. In 42 Kommissionen mit rund 330 Mitarbeitern betreibt sie Grundlagenforschung in den Geistes- und Naturwissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf langfristigen Vorhaben, die die Basis für weiterführende Forschungen liefern und die kulturelle Überlieferung sichern, darunter kritische Editionen, wissenschaftliche Wörterbücher sowie exakt erhobene Messreihen. Sie ist ferner Trägerin des Leibniz-Rechenzentrums, eines der größten Supercomputing-Zentren Deutschlands, und des Walther-Meißner-Instituts für Tieftemperaturforschung.

Dr. Ellen Latzin | idw
Weitere Informationen:
http://www.badw.de

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