Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bildung von resistenten Keimen vermeiden

23.03.2016

Spezielle Proteine als Antibiotikaersatz zur Bekämpfung von Zehenhautentzündung bei Milchkühen“ (neues Förderprojekt)

Projektpartner: Lisando GmbH, Regensburg, Bayern – Fördersumme DBU: 299.204 Euro

Der massive Einsatz von Antibiotika hat in den vergangenen Jahrzehnten zu einer starken Ausbreitung Antibiotika-resistenter Keime beigetragen. Es besteht die Gefahr, dass künftige Generationen nur noch eingeschränkt über sichere und wirksame Antibiotika verfügen können.

Im Rahmen des Projektes soll ein neuer Wirkstoff entwickelt werden, der auf antimikrobiellen Proteinen basiert. Er wirkt spezifisch antimikrobiell und ist biologisch abbaubar.

Durch den Einsatz dieser leicht abbaubaren Proteine soll auf den Einsatz von Antibiotika zur Behandlung von Dermatitis digitalis (Klauenerkrankung bei Rindern) vollständig verzichtet werden. Auch die Bildung von Antibiotikaresistenzen wird somit vermieden.

Zielsetzung:

In der Nutztierhaltung werden zur Bekämpfung von tier- und humanpathogenen Bakterien typischerweise Antibiotika eingesetzt. Sie können bereits in niedriger Konzentration das Wachstum von Mikroorganismen hemmen oder abtöten. Als Folge des breiten Antibiotikaeinsatzes werden zunehmend Resistenzen bei krankheitserregenden Bakterien beobachtet. Eine besondere Gefährdung geht von multiresistenten Bakterienstämmen aus. Sie treten vermehrt in Krankenhäusern auf, sind aber auch in Tierställen und deren Umgebung nachgewiesen.

Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines neuen Wirkstoffes auf der Basis spezifisch antimikrobiell wirkender Proteine. Ein großer Vorteil des proteinbasierten Wirkstoffes im Gegensatz zu klassischen Antibiotika liegt darin, dass Proteine biologisch abbaubar sind und generell durch Proteasen in der Umwelt sehr schnell degradiert werden.

Ein weiterer Vorteil liegt in der hohen Spezifität des proteinbasierten Wirkstoffes. Dadurch wird die Bildung von Resistenzen vermieden. Dies soll bei Lisando durch ein Rekombinationsverfahren ermöglicht werden, das es erlaubt, die Funktionen des proteinbasierten Wirkstoffes an jeden Bakterientyp anzupassen.

Lisando beabsichtigt, die biologisch abbaubaren Proteine für die Klauenerkrankung bei Rindern zu entwickeln. Dermatitis digitalis führt bei den betroffenen Milchkühen zu starken Rückgängen in der Milchleistung und zu einer kürzeren Lebenszeit.

Eine Studie aus dem Jahr 1993/1994 zeigt, dass etwa 60 % der Bestände aller norddeutschen Milchviehbetriebe von Dermatitis digitalis betroffen waren. Sind nur Einzeltiere befallen, werden sie üblicherweise mit Antibiotika-Sprays behandelt. Bei hoher Befallsrate wird der gesamte Bestand mithilfe von Klauenfußbädern, z.B. mit Kupfersulfat, behandelt.

Sind Rinder von der Krankheit befallen, wird in der Regel der gesamte Bestand mithilfe von Klauenfußbädern behandelt. Bei der bisherigen Praxis gelangen so entweder Antibiotika oder Biozide wie z.B. Kupfersulfat in die Umwelt. Lisando will zum Ende des dreijährigen Projektes die neu entwickelten Wirkstoffe unter Realbedingungen bei erkrankten Rindern im Stall testen.

Die Förderinitiative:

Mit der Förderinitiative „Nachhaltige Pharmazie“ möchte die DBU verstärkt Modellprojekte initiieren, die darauf abzielen, Arzneimittelrückstände in der Umwelt zu vermindern oder zu vermeiden und neue ressourcenschonende und schadstoffarme Produktionsverfahren voranzutreiben. Die Initiative richtet sich an kleine und mittelständische Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen – Kooperationen sind ausdrücklich erwünscht. Die Förderleitlinien, Verfahrensbestimmungen und Infos zu laufenden Projekten sind online abrufbar.

In der nachhaltigen Pharmazie geht es nicht allein darum, ein wirksames Medikament herzustellen. Sie betrachtet den gesamten Lebenszyklus eines Arzneimittels und dessen Einfluss auf die Umwelt: vom Rohstoffeinsatz über das Entwickeln und Herstellen bis hin zum Verschreiben, dem sachgemäßen Gebrauch, dem Entsorgen und dem Verbleib in der Umwelt.

Vor allem das Herstellen von Medikamenten ist noch immer mit einem hohen Verbrauch an Rohstoffen, Lösungsmitteln und Energie sowie einem hohen Abfallaufkommen verbunden. Für die Produktion von einem Kilogramm Arznei werden durchschnittlich 3,2 Kilogramm Lösungsmittel und 5,4 Liter Wasser verbraucht sowie 5,4 Kilogramm Abfall entsorgt.

Ansprechpartner zum Projekt:

Projekttitel Ersatz von Antibiotika durch biologisch schnell abbaubare, umweltfreundliche und antimikrobiell wirkende Proteine zur Bekämpfung von Dermatitis digitalis bei Milchkühen“ - Förderinitiative Nachhaltige Pharmazie

Projektpartner: Lisando GmbH, Regensburg, Bayern

Name: Matuschka von Greiffenclau
Vorname: Markus
Tel.: 0941/28096208
E-Mail: markus@lisando.com

AZ: 32709
Fördersumme DBU: 299.204 Euro

Franz-Georg Elpers | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Rudolf-Virchow-Preis 2017 – wegweisende Forschung zu einer seltenen Form des Hodgkin-Lymphoms
23.06.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

nachricht Repairon erhält Finanzierung für die Entwicklung künstlicher Herzmuskelgewebe
23.06.2017 | Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften