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Bernstein Preis für junge Neurowissenschaftlerin aus Berlin

13.10.2008
BMBF fördert Forscherin für Arbeit an Nervenzellen mit 1,25 Millionen Euro

Die 32-jährige Neurowissenschaftlerin Susanne Schreiber von der Humboldt-Universität zu Berlin erhält in diesem Jahr den mit 1,25 Millionen Euro dotierten Bernstein Preis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). "Der Bernstein Preis ist zu einer renommierten Auszeichnung geworden.

Wir fördern damit die besten Talente", sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan. "Mit Susanne Schreiber ist eine hervorragende junge Wissenschaftlerin von der internationalen Jury ausgezeichnet worden." Schreiber hat in Berlin Biophysik studiert und nach Forschungsaufenthalten an renommierten Instituten im Ausland 2004 an der Humboldt-Universität promoviert.

Als Bernstein Preisträgerin wird sie eine eigene Arbeitsgruppe in Berlin aufbauen. Sie erforscht die biophysikalischen Eigenschaften von Nervenzellen und untersucht, auf welche Weise ganze Netzwerke von Nervenzellen synchronisierte Signale aussenden können. Die Wissenschaftlerin verfolgt die Hypothese, dass die Aktivität des Gehirns und damit jedes Denken und Handeln letztendlich von den molekularen Eigenschaften einzelner Nervenzellen bestimmt wird.

Mit dem international ausgeschriebenen Bernstein Preis ermöglicht das BMBF exzellenten Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforschern aus den Neurowissenschaften den Aufbau einer selbständigen Arbeitsgruppe an einer deutschen Forschungseinrichtung. Junge Forscher aus dem In- und Ausland erhalten so hervorragende Startbedingungen, um eigene Forschungskonzepte zu realisieren und sich für die Übernahme von Führungspositionen in der Forschung zu qualifizieren. Der zum dritten Mal verliehene Preis ist Teil des "Nationalen Netzwerks für Computational Neuroscience", das vom BMBF mit einem Fördervolumen von insgesamt rund 100 Millionen Euro unterstützt wird. Den Kern bilden die vier Bernstein Zentren in Berlin, Freiburg, Göttingen und München. Namensgeber ist der deutsche Physiologe Julius Bernstein (1839-1917).

Weitere Informationen zur Forschungsarbeit von Susanne Schreiber
Neurone sind die Grundbausteine des Nervensystems. Jede Aktivität des Gehirns - jede Wahrnehmung und jede Erinnerung - beruht auf ihrer elektrischen Aktivität. Jede Zelle verrechnet die Signale, die sie von anderen Nervenzellen erhält. Ob und wann sie selbst einen Impuls aussendet, hängt von dieser Berechnung ab. Aber nicht jede Zelle rechnet gleich: Einige Neurone geben ganze Salven von Impulsen in kurzer Folge ab, während andere ihre Impulse in regelmäßigen Abständen senden. Manche Zellen wiederum senden in einem bestimmten Rhythmus Signale, sie haben eine Eigenresonanz. Diese Antworteigenschaften der Nervenzellen werden von sogenannten Ionenkanälen bestimmt. Das sind Moleküle in der Zellmembran, die die Durchlässigkeit der Membran für elektrische Ladungen regulieren. Ein Forschungsziel von Susanne Schreiber ist es, diesen Zusammenhang zwischen den Ionenkanälen und den Antworteigenschaften der Zellen zu verstehen.

Im Gehirn sind viele Neurone in einem komplexen Netzwerk miteinander verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig. Oft senden größere Gruppen von Neuronen in einem gemeinsamen Rhythmus Impulse aus, sie geraten durch gegenseitige Beeinflussung in eine kollektive Oszillation. Solch ein rhythmisches Verhalten ist für viele Funktionen des Nervensystems essentiell, so zum Beispiel für das Speichern von Erinnerungen. Schreiber untersucht, welche Mechanismen dazu führen, dass Netzwerke synchron oszillieren und was die Zellen befähigt, einen Takt zu halten. Wie prägen die Antworteigenschaften, wie zum Beispiel die Eigenresonanz einzelner Zellen, die Synchronisation des Netzwerks? Welche Fehler machen Zellen, wenn sie außer Takt geraten? Bei einigen neuronalen Erkrankungen, wie bei der Epilepsie, treten pathologische synchrone Schwingungen auf. Schreibers Arbeiten werden dazu beitragen, besser zu verstehen, wie Fehler in der molekularen Beschaffenheiten der Zellen solche Krankheiten verursachen.

Susanne Schreiber hat Biophysik an der Humboldt-Universität Berlin studiert und absolvierte ihre Diplomarbeit an der University of Cambridge in Großbritannien. Zur Doktorarbeit ging sie zunächst an das Sloan-Swartz Center des Salk Institute for Biological Studies in Kalifornien und forschte dann am Institut für Theoretische Biologie der Humboldt-Universität Berlin, wo sie im Jahre 2004 ihre Promotion abschloss. Derzeit arbeitet Susanne Schreiber am Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience und der Humboldt-Universität zu Berlin.

Silvia von Einsiedel | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/press/2386.php
http://www.bmbf.de/de/3063.php
http://www.nncn.de

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