Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein kurzes Verhaltenstraining bekämpft Spinnenangst

27.11.2007
Wissenschaftspreis des "Dresdner Gesprächskreises" für eine Dissertation über die Informationsverarbeitung bei Angststörungen

"Ist das dort nicht eine Spinne?" und schon flüchtet die hochdotierte Professorin, angstvoll quietschend. Die Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Andrea Reinecke, die momentan am Psychiatrischen Institut der Universität Oxford forscht, hat sich in ihrer Doktorarbeit am Institut für Allgemeine Psychologie der TU Dresden mit der veränderten Informationsverarbeitung bei Menschen, die Angst vor Spinnen haben, beschäftigt.

Ausgangspunkt ihrer Dissertation ist, dass Menschen mit Angststörungen angesichts der angstauslösenden Reize nicht nur Panikgefühle, einen beschleunigten Herzschlag oder Schweißausbrüche zeigen, sondern ihre gesamte Informationsverarbeitung merklich verändert ist. Die Verzerrung ihrer Wahrnehmung bedeutet beispielsweise, dass die Aufmerksamkeit des Betroffenen automatisch und bevorzugt auf die gefürchteten Stimuli gezogen wird, aber auch, dass Betroffene sich oft stärker als andere an Begebenheiten mit den angstauslösenden Reizen erinnern. Die Wahrnehmung jedes Menschen ist darauf geeicht, Gefahr - in diesem Beispiel eine Spinne - möglichst schnell zu entdecken, um sich so rasch wie möglich aus der Gefahrenzone zu bringen. Während diese Einstellung etwa angesichts roter Bremslichter eines Autos grundsätzlich nützlich erscheint, ist sie bei Menschen mit Angststörungen überentwickelt: Spinnen, gerade in Deutschland, sind rational betrachtet absolut ungefährlich für Gesundheit und Leben.

Sogenannte Kognitive Theorien der Angst gehen davon aus, dass diese Verzerrungen der Informationsverarbeitung eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung einer Angststörung spielen. Diese Frage hat Frau Dr. Reinecke in ihrer Dissertation untersucht. Mehr als 30 spinnenängstliche Dresdner haben sich bereiterklärt, an ihrer Studie teilzunehmen. In ihren Experimenten überprüfte die Forscherin beispielsweise, ob Spinnenängstliche sich an kurz zuvor gezeigte Bilder von Spinnen besser erinnern als nichtängstliche Kontrollpersonen, und welche Gedächtnisbereiche für diese verstärkte Erinnerung zuständig sind. Tatsächlich, so fand Andrea Reinecke heraus, verändert ein kurzes Training von drei Stunden die Informationsverarbeitung im Gehirn derart, dass dem Probanden gezeigte Spinnbilder weniger intensiv im Arbeitsgedächtnis abgespeichert werden. Was auf den ersten Blick vielleicht wie ein Nachteil klingt, bedeutet in der Realität, dass die von Spinnenangst Betroffenen ihr Leben entspannter genießen können: in ihrem Leben scheint es einfach plötzlich viel weniger Spinnen zu geben.

Am 30. November 2007 wird Frau Dr. Reinecke für ihre Dissertation der Nachwuchswissenschaftlerpreis des "Dresdner Gesprächskreises für Wirtschaft und Wissenschaft" verliehen.

Der Dresdner Gesprächskreis der Wirtschaft und der Wissenschaft e.V. vergibt jährlich seit 2001 einen mit 10.000 Euro dotierten Preis. Damit würdigt er herausragende naturwissenschaftliche Doktorarbeiten, die an den drei Technischen Universitäten Sachsens vorgelegt wurden. Die Jury, bestehend aus Vertretern aller drei Unis, entschied sich, den Preis in diesem Jahr zu teilen. Ausgezeichnet wird neben Dr. Andrea Reinecke von der TU Dresden auch Dr. Andreas Seifert von der TU Chemnitz. Die feierliche Preisverleihung findet am 30. November 2007, 18.30 Uhr, im Kempinski Hotel Taschenbergpalais Dresden statt.

Informationen für Journalisten: Dr. Andrea Reinecke, E-Mail: reinecke@psychomail.tu-dresden.de

Sonja Steinhäußer, Geschäftsstelle des Dresdner Gesprächskreises der Wirtschaft und Wissenschaft e. V., Tel. 0351 454170, E-Mail: informationen@dresdner-gespraechskreis.de, http://www.dresdner-gespraechskreis.de

Kim-Astrid Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.dresdner-gespraechskreis.de

Weitere Berichte zu: Dissertation Informationsverarbeitung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Der Herr der Magnetfelder: EU verleiht HZDR-Forscher begehrte Forschungsförderung in Millionenhöhe
12.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

nachricht ERC Grant: Wie sich Pflanzen an vielfältige Umweltbedingungen anpassen
09.04.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics