Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Förderpreis Ernährungskultur wird an drei Projekte vergeben

09.11.2007
Aufgrund der Vielzahl und der hohen Qualität der eingereichten Arbeiten werden in diesem Jahr gleich drei Projekte mit dem Förderpreis Ernährungskultur ausgezeichnet: "Ernährungspraktiken und nachhaltige Entwicklung", "Ernährungsqualität als Lebensqualität" und "GENUSSWERK - Lebensmittel mit Charakter aus der Rhön".

Der Förderpreis wurde dem von Prof. Dr. Angelika Ploeger geleiteten Fachgebiet "Ökologische Lebensmittelqualität und Ernährungskultur" der Universität Kassel von der Johannes Fehr GmbH & Co KG gestiftet. Er wird bereits zum fünften Mal verliehen. Die Festveranstaltung findet am 15. November ab 18.30 Uhr in der Universität Kassel statt.

Der mit 5. 000 Euro dotierte Preis zeichnet jährlich innerhalb des deutschsprachigen Raums wissenschaftliche Arbeiten und praxisorientierte Projekte aus, die den Leitgedanken der Ernährungskultur entsprechen und Impulse für die Verbraucherbildung geben. Der Leitgedanke der Ernährungskultur sieht Kultur und Ernährung als eine Einheit und will zu einem sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen (Boden, Luft, Wasser, Pflanzen, Tiere, Mensch) bei der Herstellung in der Landwirtschaft, Verarbeitung und beim Konsum beitragen. Die eingereichten Arbeiten werden dabei von einer zehnköpfigen Jury aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verbrauchervertretung bewertet, die auch die Leitgedanken zur Ernährungskultur entwickelte.

Ausgezeichnet mit dem Förderpreis Ernährungskultur 2007 werden zwei Wissenschaftsprojekte, die umfassend das Themenfeld Ernährungskultur erforscht haben und gleichzeitig Impulse für die Umsetzung der Erkenntnisse geben: "Ernährungspraktiken und nachhaltige Entwicklung" der Wirtschaftsuniversität Wien und das Projekt "OSSENA - Ernährungsqualität als Lebensqualität" der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, das im Rahmen der sozialökologischen Forschung des BMBF in Deutschland durchgeführt wurde.

Das Projekt "GENUSSWERK - Lebensmittel mit Charakter aus der Rhön" der Hochschule Fulda erhält einen Sonderpreis, der in diesem Jahr erstmals von Dipl.-Oec. Andreas Fehr vergeben wird.

"Ernährungspraktiken und nachhaltige Entwicklung"
Das Projekt "Ernährungspraktiken und nachhaltige Entwicklung" wurde von 2003 bis 2005 am Institut für Soziologie und empirische Sozialforschung an der Wirtschaftsuniversität Wien durchgeführt. Das Ziel dieses von Prof. Karl-Michael Brunner und seinem Forschungsteam (Florentina Astleithner, Sonja Geyer, Marie Jelenko, Walpurga Weiss) durchgeführten Projektes ist es, die Ernährungspraktiken der Österreicherinnen und Österreicher zu untersuchen, um Anknüpfungspunkte und Hindernisse für nachhaltige Ernährung herauszuarbeiten. Aus welchen Gründen essen Menschen Lebensmittel aus ökologischem Anbau, welche Bedeutung hat Regionalität im Ernährungsalltag, können Gesundheitsüberlegungen zu nachhaltiger Ernährung motivieren? Dies sind nur einige Fragen, denen im Projekt mit Methoden der qualitativen Sozialforschung nachgegangen wird. Neben der Herausarbeitung der vielfältigen Einflussfaktoren für nachhaltiges Essen standen auch Ernährungsorientierungen und die Gestaltung des Ernährungsalltags im Zentrum, Geschlechtsunterschiede beim Essen, der Verlauf von Ernährungsbiographien, Stadt-Land-Unterschiede sowie der Fleischkonsum und die Frage der Ernährungskompetenz und -verantwortung sind weitere inhaltliche Schwerpunkte. Insgesamt liefert das Projekt eine Vielzahl an Erkenntnissen, die die Leitgedanken einer nachhaltigen Ernährungskultur fördern und für verschiedene Akteure der Lebensmittelkette und andere Stakeholder Anknüpfungspunkte zur praktischen Umsetzung bieten. Die Ergebnisse des Projektes wurden vor kurzem im Springer Verlag unter dem Titel "Ernährungsalltag im Wandel. Chancen für Nachhaltigkeit" publiziert.
"Ernährungsqualität als Lebensqualität"
Das interdisziplinäre Forschungsprojekt "OSSENA - Ernährungsqualität als Lebensqualität" wurde zwischen 2003 und 2007 am Institut für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und unter Leitung von Prof. Dr. Reinhard Pfriem sowie Prof. Dr. Thorsten Raabe durchgeführt. Am Beispiel der Region Ostfriesland wird untersucht, wie durch einen Wandel der alimentären Praktiken eine nachhaltige Ernährungskultur gelingen kann, die auf regionalen, saisonalen und nachhaltig erzeugten Lebensmitteln basiert und die Ressourcen- und Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Stabilität sowie individuelles Wohlbefinden vereint. Zu diesem Zweck wurde mit den ernährungskulturellen Akteuren der Region in der landwirtschaftlichen Direktvermarktung, der Gastronomie, im Lebensmitteleinzelhandel, in Schulen und Haushalten - auf Angebots- wie auf Nachfrageseite - kooperiert. Ziel des Projektes ist es, durch Interpretation von Ernährungskultur und Intervention in die Alltagspraxis mittels Stärkung der kulturellen Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen das Projekt "Nachhaltige Ernährungskultur" zukunftsoffen zu gestalten und den Wandel dauerhaft zu institutionalisieren.

In der OSSENA-Strategie der drei Is (Interpretieren, Intervenieren, Institutionalisieren) ist es z.B. gelungen, das Gastronomennetzwerk OSTFRIESLAND KULINARISCH zu etablieren, das Gastronomiebetriebe vereint, die eine regional-authentische Küche auf hohem Niveau anbieten. Um das ernährungskulturelle Bewusstsein zu schärfen und sich wieder mehr mit der eigenen Ernährung zu beschäftigen, finden auch in Zukunft öffentliche "Ostfrieslandmahle" statt, auf denen ein Menü aus regionalen, saisonalen und nachhaltig erzeugten Lebensmitteln von örtlichen Gastronomen zubereitet und ein Kontext zu Region und Kultur geschaffen wird. Die Internetplattform www.ossvita.de bündelt Angebote im Bereich der Ernährungs-, Gesundheits- und Umweltbildung und unterstützt damit die Durchführung von handlungsorientierten, interdisziplinär organisierten Unterrichtseinheiten im Bereich der Ernährungsbildung.

Auch nach dem Ende des Förderzeitraums sollen an der neu gegründeten "Forschungs- und Beratungsstelle Nachhaltige Ernährungswirtschaft und Ernährungskultur" (FuBE) der Universität Oldenburg zukunftsfähige Unternehmungen wissenschaftlich begleitet und gefördert werden, die der regulativen Idee einer nachhaltigen Ernährungskultur entsprechen.

"Genusswerk - Lebensmittel mit Charakter aus der Rhön"
"Handwerkliche ökologische Lebensmittelverarbeitung am Beispiel einzelner Akteure aus der Region Rhön" lautet das Thema der Diplomarbeit der Studentinnen Eva-Maria Esslinger, Nadine Müller und Katrin Wunderlich vom Fachbereich Oecotrophologie der Hochschule Fulda. Als Gemeinschaftsprojekt entstand daraus ein innovatives Koch- und Lesebuch, das Mitte November erscheinen wird. Es informiert exemplarisch am Beispiel verschiedener handwerklich und ökologisch arbeitender Betriebe der Rhön über den Nutzen des regionalen Lebensmittel-Handwerks. "Diese studentische Arbeit verdeutlicht die Stufen der Wertschöpfungskette einzelner Lebensmittel und sensibilisiert den Endverbraucher für eine nachhaltige regionale Ernährungskultur", so Prof. Ploeger. Daher habe man sich für 2007 zur Aufteilung des Förderpreises Ernährungskultur und den Sonderpreis für die Fuldaer Studentinnen entschieden. Das Koch- und Lesebuch "Genusswerk - Lebensmittel mit Charakter aus der Rhön" (ISBN: 978-3-00-022924-4) erscheint im Genusswerk-Verlag, einem Eigenverlag, den die drei Studentinnen zu diesem Zweck gründeten.
Anmerkung für die Redaktionen:
Die Veranstaltung findet am 15. November um 18.30 Uhr im Gießhaus der Universität Kassel, Mönchebergstr. 5, in Kassel statt.
Info
Universität Kassel
Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften
Prof. Dr. Angelika Ploeger
tel (05542) 98 1712
fax (05542) 98 1713
e-mail a.ploeger@uni-kassel.de
Johannes Fehr GmbH & Co.KG
Otto-Hahn-Str. 11
34253 Lohfelden
tel (0561) 51101-309
fax (0561) 51101-409
e-mail julia.loeber@fehr.de

Ingrid Hildebrand | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

Weitere Berichte zu: Ernährung Ernährungskultur Förderpreis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Millionen für die Krebsforschung
20.09.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Ausschreibung des Paul-Martini-Preises 2018 für klinische Pharmakologie
19.09.2017 | Paul-Martini-Stiftung (PMS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Veränderungen in der Geschäftsführung von Phoenix Contact

22.09.2017 | Unternehmensmeldung

Tanzende Elektronen verlieren das Rennen

22.09.2017 | Physik Astronomie