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"Performing Science"-Preise 2007 vergeben

29.10.2007
Sieger beim ersten Gießener Wettbewerb für Präsentationen von Wissenschaft: Lydia Schulze Heuling und Wagner-Feigl-Forschung/Festspiele

Die Würfel sind gefallen, die Sieger des ersten Gießener Wissenschaftspreises "Performing Science" stehen fest. In der Kategorie 1 - Wissenschaftliche Präsentation setzte sich die Physikerin und Tänzerin Lydia Schulze Heuling (TU Berlin) mit ihrer "Rotationsperformance" gegen sechs weitere Kandidatinnen und Kandidaten durch.

Am Beispiel eines gewaschenen T-Shirts, das sie durch die bloße Kraft ihrer Arme spektakulär trocken schleuderte - wobei sich ein sanfter Regen ins Publikum ergoss - demonstrierte sie das Phänomen der "Zentrifugalkraft". "Interaktiv" als Expertin hinzugeschaltet war ihr Alter Ego: die Physik-Dozentin Lydia Schulze Heuling, die in Filmausschnitten an der Tafel die theoretische Dimension des Problems erläuterte. Auf Platz 2 kam der Mathematiker Werner Große (IWF Göttingen), der in seiner Präsentation "Zeit Kippen" zeigte, wie man im Film die Zeit- mit Raumdimensionen vertauschen kann. Platz 3 belegte der Gießener Chemiker Prof. Dr. Siegfried Schindler, der mit "NO Chemistry" fachübergreifend und unterhaltsam über das Molekül NO und dessen verschiedene Bezüge zu Wissenschaft und Alltag berichtete.

Als Sieger der Kategorie 2 - "Lecture Performance" gingen Wagner-Feigl-Forschung/Festspiele (Berlin) mit "Enzyklopädie der Performancekunst" bei insgesamt neun Bewerbungen hervor. Darin zeigten Otmar Wagner und Florian Feigl sehr professionell an einem Beispiel, wie mit den Mitteln der wissenschaftlichen Präsentation und der Performance-Kunst ein kompletter und all umfassender Katalog der Welt aufgestellt werden könnte.

Auf Platz 2 kam die Gießener Studentin der Angewandten Theaterwissenschaft Elise von Bernstorff mit "Bitte kommen Sie pünktlich". Sehr sinnfällig wurde das vom Vortrag produzierte Netzwerk von Zeitbeziehungen thematisiert, da der Vortrag selbst auf einer zeitlichen Verschiebung aufbaute. Platz 3 erreichte Hanna Linn Wiegel (Hamburg) mit "Denn sie wissen nicht, was sie sprechen". Ironisch führte sie darin Dimensionen der Kommunikation zwischen künstlichen Agenten im Internet vor.

Ziel des Wettbewerbs war es, herausragende Beispiele für die Vermittlung von wissenschaftlichen Inhalten zu finden. Die Verwendung von "Powerpoint" in wissenschaftlichen Präsentationen ist zwar mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit geworden, die neuen Anforderungen, die sich dabei an die Vortragenden stellen, werden allerdings selten erfüllt. Ein Wissenschaftler muss bei einer Präsentation wie auf einer Bühne agieren und geschickt das Publikum, seine Rede und das "Bühnenbild", die Projektion im Hintergrund, miteinander verbinden.

Bei der künstlerischen Bewältigung dieser Situation in "Lecture Performances" werden die Grenzen des Möglichen ausgelotet und Brechungen entwickelt, die völlig neue Erkenntniswege eröffnen. Das Leitmotiv des Wettbewerbs bestand also darin festzustellen, inwieweit Elemente der Performance-Kunst in der seriösen Wissenschaft aufgegriffen werden können, um Verständnis und Erkenntnis zu bewirken. Das überraschendste Ergebnis dabei war, dass beide Bereiche, die wissenschaftliche Präsentation und die künstlerische Gattung "Lecture Performance", dichter bei einander liegen, als die Beteiligten zuvor vermutet hätten.

Die Endausscheidung von "Performing Science" fand am vergangenen Wochenende auf der Probebühne des Instituts für Theaterwissenschaft und im Margarete-Bieber-Saal der Universität Gießen statt. Die insgesamt 17 Kandidatinnen und Kandidaten waren von einer Vor-Jury aus insgesamt fast 60 Bewerbungen ausgewählt worden. Die Bewerbungen kamen aus ganz Deutschland, aus der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien und den USA. Die Bewerberinnen und Bewerber in der Kategorie "Wissenschaftliche Präsentation" verteilten sich recht gleichmäßig über das gesamte Fächerspektrum. Die Endausscheidung wie die Jury-Diskussionen waren öffentlich.

Die hochrangig mit Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur besetzte Jury - der Bielefelder Soziologe Prof. Jörg Bergmann, der Gießener Mathematikum-Chef Prof. Albrecht Beutelsbacher, der Trierer Medienwissenschaftler Prof. Hans-Jürgen Bucher, die Vize-Präsidentin der Akademie der Künste Nele Hertling, der Tübinger Rhetorik-Professor Joachim Knape, die Performerin und Theaterwissenschaftlerin Dr. Sybille Peters und die Intendantin des Schauspiels Frankfurt Elisabeth Schweeger - nahm kein Blatt vor den Mund, diskutierte in teilweise schonungsloser Offenheit und gelegentlich auch kontrovers die Stärken und Schwächen der einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten, kam bei der Auswahl der Preisträger allerdings zu einem eindeutigen Ergebnis.

Das Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) der Justus-Liebig-Universität hat den Preis für wissenschaftliche Präsentation und Lecture Performance "Performing Science" 2007 erstmals ausgelobt. Schon seit längerem beschäftigt sich das ZMI mit den Auswirkungen der digitalen Medien auf die Produktion und Vermittlung von Wissenschaft sowie auf die Kommunikation unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Das Echo auf die erste Ausschreibung von "Performing Science" war überwältigend und überaus positiv. Aufgrund der großen Resonanz planen der Initiator des Preises, Prof. Henning Lobin, und die Koordinatorin Sabine Heymann, den Preis zu einer dauerhaften Einrichtung zu machen. In Kürze wird es eine DVD von den Endausscheidungen geben.

Kontakt:

Sabine Heymann, M.A.
Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI)
Ludwigstr. 34, 35390 Gießen
Telefon: 0641/99-16350, Fax: 0641/99-16359
E-Mail: sabine.heymann@zmi.uni-giessen.de

Christel Lauterbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.performingscience.de

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