Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chronischen Entzündungen auf der Spur

11.10.2007
Christof von Eiff erhielt renommierte Auszeichnung für Mikrobiologen
Der leitende Oberarzt am Institut für Medizinische Mikrobiologie
des Universitätsklinikums Münster (UKM), Prof. Dr. Christof von Eiff, erhielt für seine Forschungsarbeiten im Bereich der Klinischen Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie den Hauptpreis der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e.V. (DGHM).

Während der Jahrestagung der DGHM vom 30. September bis zum 4. Oktober nahm von Eiff den mit 3500 Euro dotierten Preis entgegen, der als einer der renommiertesten Auszeichnungen für Mikrobiologen in Deutschland gilt. Die Auszeichnung würdigt aktive Wissenschaftler mit hervorragender und langjähriger Forschungstätigkeit auf einem aktuellen und zukunftsträchtigen Gebiet von Hygiene und Mikrobiologie.

Von Eiff beschäftigt sich unter anderem mit der Vorbeugung von Infektionen. Um sie zu verhindern, ist das Wissen um die Lebensart der Infektionen verursachenden Bakterien von entscheidender Bedeutung. Von Eiff hat mit seiner Arbeitsgruppe die Herkunft dieser Bakterien bei Patienten mit Infektionen durch den Erreger Staphylococcus aureus (S. aureus) erforscht. Diese Mikroorganismen zählen zu den häufigsten Erregern von Infektionen. In einer über einen Zeitraum von sechs Jahren angelegten Studie konnten von Eiff und seine Mitarbeiter sowohl in einem monozentrischen Ansatz als auch in einer Multicenter-Studie zeigen, dass die Besiedlung des Nasenvorhofs beim Menschen mit dem Bakterium S. aureus eine herausragende Rolle für die Entstehung von Infektionen durch diesen Krankheitserreger spielt. Haben die Träger – also der Mensch – keine Verletzungen oder Krankheiten, wird das Immunsystem spielend mit diesem Bakterium in der Nase fertig.

Kommt es aber zu einer Verletzung, kann der S. aureus der Auslöser sein für schwere Infektionen. „Denn der S. aureus in der Nase kann durch simples an-die Nase-fassen automatisch überall auf der Haut verteilt werden“, erklärt von Eiff. Bietet der Körper nun durch Verletzungen oder Krankheiten dem S. aureus eine Eintrittspforte, kann er dort oder von dort ausgehend mitunter schwerste Infektionen verursachen. In Folgestudien konnte seine Arbeitsgruppe auch Unterschiede in der genetischen Ausstattung zwischen S. aureus, die nur den Nasenvorhof besiedeln und solchen, die bei schweren Infektionen vorhanden sind, aufzeigen.

Ein zweiter wichtiger Aspekt, den die Preisjury als Begründung anführte, sind von Eiffs molekularbiologische Untersuchungen zu den so genannten „Small Colony Variants“ (SCVs). Dabei handelt es sich um Untergruppen von S. aureus und anderen Krankheitserregern. Das Forschungsteam um von Eiff fand heraus, warum diese Varianten fähig sind, anhaltende, chronisch-wiederkehrende Infektionen zu verursachen: Sie produzieren bestimmte Gifte nicht und stellen ihren Stoffwechsel vollständig um, so dass sie in den Wirtszellen des Menschen überleben können. Mit dieser geschickten Überlebensstrategie umgehen die Bakterien das Immunsystem und bleiben auch häufig von einer Antibiotikatherapie unbeeinflusst.

Obwohl diese Varianten auch äußerlich deutlich verändert sind, konnten sie in zahlreichen, hochrangig publizierten Studien von von Eiff und seinen Mitarbeitern bei anhaltenden Infektionen nachgewiesen werden. Durch die Charakterisierung dieser Isolate konnten wichtige Erkenntnisse gewonnen werden. „Wir sind den chronischen Entzündungen auf der Spur", sagt von Eiff, auch wenn es bis zur Entwicklung optimaler Therapiestrategien noch ein weiter Weg sei.

Simone Hoffmann | Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de/

Weitere Berichte zu: Bakterium Immunsystem Mikrobiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)
26.05.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene
24.05.2017 | Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften