Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Seltene erbliche Herzmuskelerkrankung Ursache für plötzlichen Herztod

02.08.2007
Forscher am Uniklinikum mit dem Wilhelm P. Winterstein-Forschungspreis der Deutschen Herzstiftung ausgezeichnet

Als Torhüter einer Fußball-Regionalliga-Mannschaft war der Mann in den 30-ern sportlich topfit. Bei einem Meisterschaftsspiel wehrte er einen Beinahe-Treffer der Gegenmannschaft noch souverän ab, brach aber wenige Sekunden danach, als seine Mannschaftskameraden zum Gegenangriff ansetzten, bewusstlos im Tor zusammen. Der Mann hatte Glück. Er wurde rechtzeitig ins Universitätsklinikum Münster (UKM) eingeliefert, sein Leben konnte gerettet werden. „Der Patient leidet an einer seltenen erblichen Herzmuskelerkrankung“, berichtet Dr. Matthias Paul, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Medizinischen Klinik C (Kardiologie und Angiologie). Eine bestimmte Form der arrhythmogenen rechtsventrikulären Kardiomyopathie (ARVC), die Paul und seine Kollegen am UKM erforschen, zählt zu den häufigsten Ursachen des plötzlichen Herztodes bei jungen, zuvor scheinbar herzgesunden Patienten. Für seinen Beitrag zur Erforschung von ARVC wurde Paul kürzlich mit dem renommierten Wilhelm P. Winterstein-Forschungspreis der Deutschen Herzstiftung ausgezeichnet. „Das gesunde Herzmuskelgewebe wird dann vor allem im Bereich der rechten Herzkammer allmählich durch Narbengewebe ersetzt, ohne dass der Patient dabei Schmerzen verspürt“, erläutert der Wissenschaftler. „Dies wiederum kann die normale Reizleitung am Herzen stören, das Auftreten von lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen begünstigen und gar zum plötzlichen Herztod führen.“ Etwa 30 Prozent aller plötzlichen Herztode bei Menschen im Alter von 30 bis 40 Jahren sind nach Angaben Pauls auf diese Ursache zurückzuführen.

Schon seit längerem erforschen die Kardiologen des Universitätsklinikums unter der Leitung von Klinikdirektor Prof. Dr. Dr. Günter Breithardt dieses Krankheitsbild. Gemeinsam mit Kollegen aus Berlin und Quedlinburg konnten die münsterschen Forscher durch Untersuchungen des Bluts von Patienten mit ARVC nachweisen, dass in der Hauptsache eine Veränderung (Mutation) des Gens Plakophilin-2 für diese Erkrankung verantwortlich ist. Plakophilin-2 ist ein herzeigenes Struktureiweiß, das für den Zusammenhalt der Herzmuskelzellen (über-)lebenswichtig ist. Die Daten von 30 ARVC-Patienten mit der Genmutation wurden mit denen von 65 ARVC Patienten, bei denen keine entsprechende Veränderung des Erbgutes im Blut nachgewiesen worden war, verglichen. Unter anderem wurden dazu die Krankengeschichten der Patienten einschließlich der Ergebnisse der bei ihnen durchgeführten EKG- und Herzkatheteruntersuchungen über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren herangezogen und ausgewertet. „Es stellte sich heraus, dass bei Patienten mit einer Plakophilin-2 Mutation nicht nur die Erkrankung der rechten Herzkammer stärker ausgeprägt ist und ihr EKG deutlichere Veränderungen zeigt. Bei ihnen ist auch das Risiko für künftige lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen gegenüber ARVC-Patienten ohne Genveränderung deutlich erhöht“, erläutert Paul. „Damit könnten wir einen wichtigen Beitrag zu einer individuellen Risikoabschätzung und Therapieplanung des jeweiligen Patienten liefern und auf diese Weise helfen, die Betroffenen vor dem plötzlichen Herztod zu retten.“

Dr. Matthias Paul | UKM Münster
Weitere Informationen:
http://www.ukmuenster.de

Weitere Berichte zu: ARVC Herzmuskelerkrankung Herztod

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro
21.02.2018 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Eva Luise Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen 2018 für Tübinger Neurowissenschaftler
21.02.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics