Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

20 Millionen Euro für Gründungen von Biowissenschaftlern

26.07.2007
Schavan: "GO-Bio Wettbewerb fördert das unternehmerische Denken"

In den Biowissenschaften herrscht an kommerziell verwertbaren Ideen kein Mangel, dennoch wagen die Forscher nicht immer den Sprung ins Unternehmertum. Zu unsicher erscheint vielen dieser Karriereschritt. Deshalb hat das Bundesforschungsministerium (BMBF) nun in der zweiten Runde des Wettbewerbs GO-Bio sieben Sieger nominiert. Diese werden mit zunächst 20 Millionen Euro gefördert. Der Wettbewerb soll die Hürden für gründungsbereite Spitzenwissenschaftler absenken und bereits im akademischen Umfeld tätigen Unternehmern den Weg bereiten. GO-Bio soll Forscher ermuntern, ihre guten Ideen in Produkte umzusetzen. "Wir brauchen in Deutschland Wissenschaftler, die unternehmerisch denken. Deshalb ist dieser Wettbewerb ein wichtiger Impuls", betonte Bundesforschungsministerin Annette Schavan am Mittwoch in Berlin.

Über maximal sechs Jahre finanziert das BMBF ein Forscherteam, das eine wissenschaftliche Idee zu einem marktfähigen Produkt weiter entwickeln und ein Unternehmen gründen will. Für fünf Ausschreibungsrunden stellt das BMBF dabei insgesamt 150 Millionen Euro zur Verfügung. Nachdem im vergangenen Jahr die ersten zwölf GO-Bio-Gewinner ausgewählt wurden, stehen nun die Sieger der zweiten Runde fest. Aus mehr als 80 Bewerbern wurden dem BMBF durch ein Expertengremium im Juni 2007 zunächst sieben Teams für eine Förderung vorgeschlagen.

Die Finanzierung erfolgt dabei in zwei Phasen, die jeweils auf maximal drei Jahre angelegt sind: In der ersten Förderphase soll von der Arbeitsgruppe das Anwendungspotenzial der Entwicklung herausgearbeitet und bewertet werden. Begleitend sollen konkrete Kommerzialisierungsstrategien für die weitere Umsetzung der Ergebnisse entwickelt werden. In der zweiten Förderphase, über die nach einer Zwischenevaluation entschieden wird, erfolgt die Überführung dieser Strategien in die wirtschaftliche Verwertung.

... mehr zu:
»Antikörper »Enzym »Molekül

Schon die erste Runde von GO-Bio im vergangenen Jahre hatte gezeigt, dass es an guten Ideen für Unternehmensgründungen in Deutschland nicht mangelt. Auch die Resonanz in der zweiten Runde ist beachtlich - insgesamt wurden 85 Ideenskizzen eingereicht. Mehr als zwei Drittel der Anträge stammt dabei aus Universitäten und Kliniken, ein geringerer Anteil aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die regionale Verteilung der Bewerber ist groß. Aus fast allen Bundesländern wurden Bewerbungen eingesandt, die Mehrheit kommt jedoch aus dem Süden des Landes. Mit 20 Forschern liegt Bayern an der Spitze, gefolgt von Baden-Württemberg und Sachsen mit jeweils 11 Bewerbungen. Die thematische Bandbreite der eingereichten Ideen deckt das gesamte Spektrum der Biowissenschaft ab: von therapeutisch orientierten Projekten zur Entwicklung neuer Arzneimittel über technische Plattformen bis hin zu biotechnologischen Anwendungen in Industrie und Landwirtschaft. Ein ähnliches Bild hatte bereits die erste Runde des Wettbewerbs ergeben.

Weitere Informationen zu den Projekten und den Preisträgern sind zu finden unter www.biotechnologie.de.

Joachim Hauber, Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie, Hamburg

Titel: "Eradikation proviraler HIV-1 DNA aus Patientenzellen: Ansatz zur Entfernung des AIDS-Virus-Erbgutes aus den Chromosomen der Patienten"

Kurzbeschreibung: Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines neuen gentherapeutischen Ansatzes für Aids-Kranke, der auf dem Einsatz von speziellen Enzymen (Rekombinase) beruht. Diese molekularen Scheren wurden biotechnologisch so optimiert, dass sie gezielt das Erbgut von HI-Viren aus infizierten Zellen des Patienten herausschneiden können. Im Rahmen einer Unternehmensgründung soll dieser Ansatz als Aids-Therapie für den Markt entwickelt werden.

Heiko Funke-Kaiser, Charité, Berlin

Titel: "Entwicklung von Renin-/Prorenin-Rezeptor-Blockern, einer neuen Medikamentenklasse zur Endorganprotektion"

Kurzbeschreibung: Krankheiten wie Herzschwäche oder Diabetes haben oft Organschäden zur Folge, die mit bisherigen Medikamenten nur verlangsamt, aber nicht verhindert werden können. Ziel des Projektes ist die Umsetzung eines Therapieansatzes, der auf der gezielten Blockierung eines speziellen Signalweges (RER) mithilfe kleiner chemischer Moleküle basiert. RER spielt bei Organversagen eine entscheidende Rolle und könnte als Ausgangspunkt für die Entwicklung einer völlig neuen Medikamentenklasse (RERB) dienen, die in einem noch zu gründenden Unternehmen für den Markt entwickelt werden sollen.

Dieter Peschen, Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie, Aachen

Titel: "Weiterentwicklung einer Antikörper-vermittelten Resistenz Plattform und Ausgründung der Agro-Protect GmbH"

Kurzbeschreibung: Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer Plattform-Technologie, um Nutz- und Zierpflanzen unempfindlich gegen Krankheitserreger zu machen. Im Rahmen der Förderung soll zunächst eine Kartoffelsorte entwickelt werden, die gegen die durch den Pilz Phytophthora infestans initiierte Kraut- und Knollenfäule resistent ist. Das Verfahren beruht dabei auf der Nutzung von Antikörpern, die sich gegen ein Oberflächeneiweiß des jeweiligen Pilzes richten. Gleichzeitig sind an diese Antikörper Eiweißmoleküle gekoppelt, die eine Antipilzwirkung haben. Werden diese Moleküle in die Pflanze integriert, kann eine spezifische Resistenz initiiert werden. In einem noch zu gründenden Unternehmen soll die Technologie langfristig auch auf andere krankheitsauslösende Pilze, Bakterien und Viren angewendet werden.

Gundram Jung, Universität Tübingen

Titel: "Entwicklung, Produktion und initiale klinische Erprobung von gentechnisch optimierten Antitumor-Antikörpern"

Kurzbeschreibung: Gentechnisch hergestellte Antikörper gehören schon jetzt zum Waffenarsenal im Kampf gegen Krebs, aber ihre therapeutische Aktivität bleibt oft begrenzt. Ziel des Projektes ist die Weiterentwicklung und Optimierung bestehender Antikörper zur noch gezielteren und effizienteren Behandlung von Krebs. Dabei soll eine neue Plattform-Technologie zur Kombination verschiedener gentechnisch optimierter Antikörper entwickelt werden.

Ricardo Biondi, Universität Frankfurt/Main

Titel: Entwicklung von allosterischen Substanzen als Inhibitor oder Aktivator von AGC-Proteinkinasen zur Behandlung von Krankheiten)

Kurzbeschreibung: Ziel des Projektes ist die Entwicklung von Krebs- und Diabetesmedikamenten, die noch effektiver als bisherige Arzneien wirken und bestehende Behandlungen ergänzen sollen. Der Ansatz beruht auf der gezielten Beeinflussung spezieller Enzyme (AGC-Proteinkinasen) durch kleine chemische Moleküle. Diese sollen auf eine Strukturregion innerhalb der Proteinkinasen gerichtet werden, die offenbar eine zentrale Rolle für die generelle Aktivität der Enzyme spielt und daher zur Therapie bei Krebs oder Diabetes angewandt werden kann.

Jacques Rohayem, TU Dresden

Titel: "siROX, Advanced siRNA Technologies"

Kurzbeschreibung: Im Mittelpunkt des Projektes steht die Entwicklung von Krebsmedikamenten, die auf kleinen Molekülschnipseln - den small interfering RNAs (siRNAs) - basieren. Dieser Ansatz macht sich die Technik der RNA-Interferenz (RNAi) zunutze, mit der sich einzelne Gene gezielt ausschalten und stilllegen lassen. Bei der Entwicklung geeigneter Medikamentenkandidaten im Rahmen einer noch zu gründenden Firma soll gleichzeitig eine neue industrielle Herstellungsmethode etabliert werden, die kostengünstiger als bisherige Produktionsverfahren ist. Bei diesem sogenannten RCR-Verfahren soll ein spezielles virales Enzym (Calicivirus RNA-dependent RNA-Polymerase) zum Einsatz kommen.

Ulrich Rothbauer, LMU Biozentrum, München

Titel: "Chromobodies: Innovative biomedizinische Forschung und Diagnostik mit fluoreszierenden Nanobodies"

Kurzbeschreibung: Antikörper sind Schlüsselreagenzien zum Nachweis von Biomolekülen in Forschung und Diagnostik. Aufgrund ihres variablen Aufbaus lassen sie sich ideal nutzen, um gezielt bestimmte Substanzen in Zellen oder Gewebe aufzuspüren. Für den Einsatz in lebenden Zellen sind herkömmliche Antikörper allerdings zu groß und instabil. Im Rahmen dieses Vorhabens soll nun eine neuartige Technologie etabliert werden, die auf sogenannten Chromobodies basiert. Diese Nanosonden bestehen aus Kamel-Antikörpern-Fragmenten, die bis zu zehnmal kleiner als herkömmliche Antikörper sind. Durch Fusion mit fluoreszierenden Eiweißen sind sie stabil genug, um als Analysewerkzeug in lebenden Zellen eingesetzt zu werden. Ziel des Projektes ist es, die Chromobodies in einem noch zu gründenden Unternehmens für den Markt zu entwickeln.

Silvia von Einsiedel | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/press/2100.php

Weitere Berichte zu: Antikörper Enzym Molekül

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet
02.12.2016 | Universität zu Lübeck

nachricht Ohne erhöhtes Blutungsrisiko: Schlaganfall innovativ therapieren
02.12.2016 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie