Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Freiburger Wissenschaftler setzen auf Bionik

23.07.2007
Wissenschaftspreise für erfolgreiche bionische Forschung

An der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg hat sich die Bionik zu einem gewichtigen Schwerpunkt der biologischen Forschung entwickelt. Das aus Technik und Biologie zusammengesetzte Kunstwort umschreibt einen Wissenstransfer, bei dem Erkenntnisse aus der biologischen Forschung in technische Anwendungen umgesetzt werden. Für ihre Arbeiten in der Bionik sind die Freiburger Wissenschaftlerin Dr. Olga Speck sowie Prof. Dr. Thomas Speck mit renommierten Preisen ausgezeichnet worden. Vor kurzem gehörte Olga Speck beim Ideenwettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) "Bionik - Innovationen aus der Natur" mit ihrem Team zu den sechs besten Forschergruppen, die insgesamt ein Preisgeld von drei Millionen Euro für ihre Projekte erhielten. An dem Wettbewerb hatten sich insgesamt mehr als 150 Forscherteams mit Ideenskizzen beteiligt. Mit im interdisziplinären Forscherteam waren Prof. Dr. Rolf Mülhaupt von der Universität Freiburg und Dr. Rolf Luchsinger von der Eidgenössischen Materialprüfanstalt Dübendorf. Mit 500 000 Euro können die Freiburger ihr Projekt "Vom biologischen Vorbild zum bionischen Produkt: Wundheilung bei Pflanzen als Ideengeber für selbstreparierende technische Materialien" weiter verfolgen.

Die Freiburger Forschungsarbeit beschäftigt sich mit dem Prozess der Wundheilung bei Pflanzen. Lianen können bei Verletzung ihres Gewebes die Risse durch zelluläre Vorgänge schnell wieder schließen und reparieren. Im Labormaßstab ist es den Biologen gelungen, diese Wundversiegelung auf Polyurethan-Schäume zu übertragen. Der Selbstreparatureffekt verhindert bei Kunststoffmembranen, die mit diesen Schäumen beschichtet sind, dass sie bei Einrissen mit sofortigem Druckabfall reagieren. In der nächsten Stufe ist der Einsatz im technischen Maßstab beim Bau von Veranstaltungshallen oder Behelfsbrücken denkbar, die eine Schweizer Firma mit aufblasbaren Strukturen, bislang ohne Selbstheilung, anbietet. Selbst Luftmatratzen oder Schlauchboote könnten vielleicht eines Tages von den luftigen Konstruktionen profitieren.

Das biologische Vorbild für ein weiteres Schwerpunktprojekt ist der Winterschachtelhalm als vorbildliche Leichtbaukonstruktion. In Anlehnung an die Natur haben die Biologen neuartige Faserverbundmaterialien entwickelt, die sich für den Einsatz in der Architektur oder im Karosseriebau hervorragend eignen. Darüber hinaus haben die Wissenschaftler in einem verholzten Gras, dem Pfahlrohr, Hinweise gefunden, wie Materielaien aussehen können, die trotz großer dynamischer Belastungen und Schwingungen in ihrer Verbundstruktur intakt bleiben. Verschiedene Zellen und Gewebe zeigen unterschiedliche mechanische Eigenschaften. In enger Absprache zwischen Biologen und Ingenieuren entstand unter anderem aus den beiden natürlichen Vorlagen der Prototyp eines "technischen Pflanzenhalms", der sich durch eine Kombination aus Stabilität und Leichtigkeit auszeichnet. Die Struktur verbindet Leichtbau mit hervorragender Materialdämpfung. Das Leichtbaukonstrukt könnte nach entsprechender Weiterentwicklung in der Luft- und Raumfahrt, dem Automobil- und Schiffsbau sowie in der Prothetik und bei Sportgeräten zum Einsatz kommen.

Zusammen mit einem Team vom Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf wurden Olga und Thomas Speck für die Entwicklung des "Technischen Pflanzenhalmes" im Juni mit dem "techtextil Innovationprize.2007" ausgezeichnet.

Ein weiterer Preis im Rahmen des Ideenwettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) "Bionik - Innovationen aus der Natur" ging an das Projekt "Von pflanzlichen Gradientenmaterialien zu optimierten Faserverbundwerkstoffen", bei dem Prof. Speck als Mitglied im Forscherteam um Dr. Ingo Burgert vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung Potsdam/Golm ausgezeichnet wurde. "Wir haben die Wahrnehmung des erfolgreichen Bionik-Standorts Freiburg mit unseren Erfolgen sichtbar gefördert", sagt Speck. "Wir spielen in der ersten Liga."

Kontakt:
Dr. Olga Speck
Kompetenznetz Biomimetik
Plant Biomechanics Group Freiburg
Tel.: 0761/203-2803
E-Mail: biomimetik@biologie.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-biomimetik.de

Weitere Berichte zu: BMBF Biologe Bionik Luft- und Raumfahrt Wundheilung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops