Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfinderwettbewerb der RUB: Innovative Verfahren aus Elektrotechnik, Physik und Medizin

18.06.2007
Mit einer neuen Sonde Plasmen überwachen, Leberentzündungen gezielter diagnostizieren und schwere Virusinfektionen der Atemwege verhindern: Das sind die Forschungsergebnisse, mit denen Bochumer Wissenschaftler den Erfinderpreis 2006 der RUB gewonnen haben. Die drei prämierten Verfahren sind entweder zum Patent angemeldet oder bereits patentiert.
Heureka!
Erfinderwettbewerb 2006 der RUB
Innovative Verfahren aus Elektrotechnik, Physik und Medizin
Mit einer neuen Sonde Plasmen überwachen, Leberentzündungen gezielter diagnostizieren und schwere Virusinfektionen der Atemwege verhindern: Das sind die Forschungsergebnisse, mit denen Wissenschaftler der RUB den Erfinderpreis 2006 gewonnen haben. Die Preise gehen an ein interdisziplinäres Forscherteam aus Elektrotechnik und Physik sowie an zwei Gruppen aus der Medizin. Der Erfinderpreis ist mit jeweils 1.000 Euro dotiert, er wird jährlich von der Ruhr-Universität Bochum in Kooperation mit der rubitec GmbH als hochschuleigener Verwertungsgesellschaft verliehen. Die drei prämierten Verfahren sind entweder zum Patent angemeldet oder bereits patentiert.

Plasmen überwachen

Prof. Dr. Ralf Peter Brinkmann (Theoretische Elektrotechnik)und Prof. Dr. Jörg Winter (Anwendungsorientierte Plasmaphysik) haben ein neuartiges Verfahren zur Bestimmung der Elektronendichte in technischen Plasmen entwickelt. Plasmen sind elektrisch angeregte Gase mit hohem Energieinhalt und besonderen chemischen Eigenschaften. Eingesetzt werden sie beispielsweise bei der Fertigung integrierter Schaltungen ("Ohne Plasma kein Pentium"), in der Umwelttechnologie und in der Medizin- und Biotechnik. Die prämierte Erfindung - die Multipol-Resonanz-Sonde - ist ein neues Verfahren zur Plasmadiagnostik: Eine elektrische Sonde regt im Plasma bestimmte hochfrequente Schwingungen an, aus deren Verhalten sich Parameter des Plasmas bestimmen lassen. Das Verfahren ist unempfindlich gegen Störungen und verursacht auch selbst keine Kontamination des Plasmas. Zudem ist es kostengünstig und nahezu wartungsfrei. Diese Eigenschaften machen es nicht nur interessant für die Wissenschaft, sondern auch für die Industrie: Die Multipol-Resonanz-Sonde ermöglicht es, Plasmen auch unter den erschwerten Bedingungen der industriellen Produktion zu überwachen.

Leberentzündung diagnostizieren

Prof. Dr. Helmut Meyer, Dr. Kai Stühler und Barbara Sitek vom Medizinischen Proteomcenter der RUB haben in Zusammenarbeit mit klinischen Partnern aus Kiel (Prof. Klöppel) und Bochum (Prof. Schmiegel; Dr. Mölleken) Proben von Hepatitis C-Patienten untersucht, bei denen eine Leberentzündung, die so genannte Leberzirrhose diagnostiziert wurde. Bei dieser Untersuchung haben sie Proteine identifiziert, die im geschädigten Gewebe in einer erhöhten oder verringerten Konzentration gegenüber dem gesunden Gewebe vorlagen und somit unmittelbar mit der Erkrankung zusammenhängen. Diese Proteine haben ein hohes Potenzial als Marker der Leberentzündung. Für diagnostische Verfahren, zum Beispiel Blutanalysen, können sie eingesetzt werden, um die Entstehung der Leberschädigung früher und schonender bei Patienten nachweisen zu können.

Virusinfektionen verhindern

Einen neuen Impfstoff gegen das Respiratorische Syncytialvirus (RSV) konnten Prof. Dr. Klaus Überla und Dr. Thomas Grunwald (Medizinische und Molekulare Virologie) entwickeln. RSV bewirkt eine akute Infektion der unteren Atemwege und führt vor allem bei Kleinkindern und Säuglingen zu schweren Krankheitsverläufen, aber auch bei Menschen über 65 ist die Sterberate nach einer RSV-Infektion vergleichbar mit der nach einer Grippevirusinfektion. Der neu entwickelte Impfstoff zeigte in ersten Tests eine schützende Immunantwort: Das Verfahren und die bisherigen Ergebnisse versprechen einen wirksamen Schutz gegen das Virus.

Patentbewusstsein stärken

Seit 2003 schreibt die rubitec - Gesellschaft für Innovation und Technologie der Ruhr-Universität - den Erfinderwettbewerb aus: Er richtet sich an alle Mitglieder und Angehörigen der RUB. Ziel ist, das Patentbewusstsein zu stärken, eine neue "Patentkultur" in der RUB zu etablieren und Diensterfindungen zu honorieren. Die Beiträge 2006 bewertete eine Jury mit sechs Personen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Neben den drei Siegerteams aus der Elektrotechnik, Physik und Medizin erhielten fünf weitere Forscherteams der RUB einen Preis über je 500 Euro für ihre Diensterfindungen, die über die RUB zum Patent angemeldet sind. Der Erfinderwettbewerb ist auch in diesem Jahr wieder ausgeschrieben, Bewerbungsfrist ist der 31.12.2007.

Weitere Informationen

Dietmar Tappe, rubitec GmbH, Tel. 0234/32-11969, E-Mail: dietmar.tappe@rub.de, Internet: http://www.rubitec.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rubitec.de

Weitere Berichte zu: Elektrotechnik Leberentzündung Physik Plasma RUB

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)
26.05.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene
24.05.2017 | Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften