Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leipziger Wissenschaftlerin erhält Preis für Hörstudie

08.06.2007
Dr. Sabine Grimm vom Institut für Psychologie I der Universität Leipzig erhält den diesjährigen Jungwissenschaftlerpreis der Deutschen Gesellschaft für Psychophysiologie und ihre Anwendung für ihre Studie zur Verarbeitung von Hörinformation durch unser Gehirn. Mit dieser Studie konnte erstmals nachgewiesen werden, dass neben den Tonmerkmalen auch der Zeitpunkt der Tonveränderung für die Hirnantwort entscheidend ist. Der Preis wird heute auf der Tagung "Psychologie und Gehirn" in Dortmund überreicht.
Die Studie beschäftigt sich mit der Verarbeitung von Hörinformation durch unser Gehirn. Im speziellen wurde dabei die Frage gestellt, wie und in welchen Grenzen unser Gehirn Zeitmerkmale von akustischen Reizen abbilden kann.

Mittels EEG wurden die Hirnstrompotentiale auf der Kopfoberfläche unter Einwirkung akustischer Reize gemessen.

Eine besonders interessante Komponente dieser Hirnantwort ist immer dann meßbar, wenn Veränderungen und Irregularitäten im akustischen Umfeld auftreten. Die Wissenschaftler nennen das Mismatch Negativity. Sie nutzen diese Komponente, um von der Stärke ihrer Ausprägung darauf zu schließen, wie gut die entsprechende akustische Veränderung im Gehirn abgebildet wird.

... mehr zu:
»Psychologie »Tonmerkmal

Erstmals konnte mit der Studie, nachgewiesen werden, dass die Wahrnehmung von Tonveränderungen durch unser Gehirn nicht nur von dem Tonmerkmal, das sich verändert (zum Beispiel die Tonhöhe) abhängig ist, sondern auch vom Zeitpunkt der Veränderung. Unser Gehirn reagiert also ganz spezifisch darauf, ob die Tonveränderung am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Tones auftritt. "Je später im Ton eine solche Veränderung auftauchte, desto kleiner wurde die Komponente der Hirnantwort, d.h. desto schwächer wurde die Repräsentation der Veränderung im Gehirn.", erklärt Frau Grimm.

Der neue Befund stützt die These, dass unser Gehirn ein exaktes zeitgetreues Abbild des akustischen Inputs liefert.

Weiter deutet es darauf hin, dass dieses exakte Abbild nur kurze Informationssegmente von nicht viel mehr als 300 Millisekunden (ms) Dauer umfasst, da Veränderungen die später als 300 ms nach dem Tonbeginn auftraten, die entsprechende Komponente nicht mehr auslösten und demzufolge nicht mehr im selben Segment repräsentiert waren. Genau dieser Zeitbereich scheint eine wichtige Rolle zu spielen bei der Segmentierung von akustischem Input durch unser Gehirn. Gesprochene Sprache zum Beispiel zeichnet sich in der Regel aus durch Silbenlängen von ca. 200-250 ms.

"In folgenden Studien wäre es interessant zu klären, wie genau diese exakt repräsentierten Informationssegmente in späteren Verarbeitungsstufen und wahrscheinlich auf abstrakteren Repräsentationsebenen zusammengefügt und zu einem auditiven Ereignis zusammengebunden werden.", so die Autorin und Preisträgerin.

"Bei dem Preis handelt es sich um einen renommierten, mit 750 Euro dotierten Preis der für eine hervorragende empirische oder theoretische Arbeit aus dem gesamten Gebiet der Psychophysiologie vergeben wird.", freut sich Professor Erich Schröger, Professor für Kognitive einschl. Biologische Psychologie an der Universität Leipzig. "Der Preis ist sehr begehrt und Dr. Grimm ist mit ihren 29 Jahren eine ungewöhnlich junge Preisträgerin."

Der genaue Titel der Studie ist: Mechanisms for detecting auditory temporal and spectral deviations operate over similar time windows but are divided differently between the two hemispheres. Sie wurde in der Zeitschrift "Neuroimage", Vol. 32, S. 275-282 veröffentlicht. Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit Urte Roeber und Erich Schröger vom Institut für Psychologie I der Universität Leipzig sowie Nelson Trujillo-Barreto vom Cuban Center of Neuroscience, Havanna.

Die prämierte Arbeit wurde von der DFG gefördert.

Weitere Informationen:
Dr. Sabine Grimm
Telefon: 0341 97 35975
E-Mail: grimms@unji-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/presse
http://www.uni-leipzig.de/aktuell/index.php?pmnummer=2007114

Weitere Berichte zu: Psychologie Tonmerkmal

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Krankheitserreger beim Reis blockieren
10.08.2017 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie