Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Paul-Bunge-Preisträgerin 2007

29.05.2007
Wissenschaftshistorikerin und Weltbürgerin Charlotte Bigg

Zum 15. Mal verleiht in diesem Jahr die Hans-R.-Jenemann-Stiftung den Paul-Bunge-Preis für herausragende Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente. Die Stiftung, die bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie geführt wird, zeichnete am 24. Mai 2007 anlässlich der Jahrestagung der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie in Bad Langensalza Dr. Charlotte Bigg, Berlin, mit dem mit 7.500 Euro dotierten Bunge-Preis aus. Den mit 1.500 Euro dotierten Bettina-Haupt-Förderpreis für Geschichte der Chemie erhielt aus gleichem Anlass der Hamburger Henning Schweer. Auf der Tagung in Bad Langensalza, der Heimatstadt des Apothekers, Chemikers und Chemiehistorikers Johann Christian Wiegleb (1732 bis 1800), wurden in rund 30 Vorträgen u.a. der kaiserliche Befehl zur Erprobung von Reifen aus synthetischem Kautschuk, chemische und pharmazeutische Laboratorien im 18. Jahrhundert sowie bedeutende Chemikerpersönlichkeiten und Schicksale jüdischer Chemiker vorgestellt.

Den Paul-Bunge-Preis 2007 erhielt Charlotte Bigg für ihre Dissertationsschrift "Behind the Lines: Spectroscopic Enterprises in Early Twentieth-Century Europe." "Behind the Lines" ist eine Geschichte über Experimentalpraktiken und über die durch diese geprägten Wissenschaftskulturen vom 19. Jahrhundert bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Sie knüpft an die Analyse der Laborwissenschaften an, die Instrumente als integrale Bestandteile von Experimentalsystemen und Experimentalkulturen versteht. Bigg gelang es, viele Praktiken und Kontexte zu rekonstruieren - hinsichtlich der Benutzung eines bestimmten Instrumententyps oder gemeinsamer metrologischer Standards, auch unter Einbeziehung der Instrumentenbauer. Die Arbeit behandelt unterschiedliche Gruppen: Universitätsphysiker und die optische Industrie, die an den Eigenschaften des Lichts, an Astrophysik oder an Eichstandards interessiert waren; oder Chemiker und Metallurgen, die am Nachweis neuer Elemente, an der Fortentwicklung der Spektroskopie zu einem quantitativen Verfahren oder an Methoden der Produktions- und Qualitätskontrolle arbeiteten. Eingebettet sind systematische Überlegungen zur Funktion der Metrologie oder zur Rolle der Instrumente bei der Durchsetzung von Innovationen. U.a. geht Bigg auf die Implementierung spektroskopischer Labormethoden in die industrielle Verfahrens- und Produktkontrolle unter den Bedingungen des Ersten Weltkriegs ein und zeigt auf, wie sich ein neuartiges Netzwerk aus Wissenschaft und Technik herausbildete. Interessant sind auch ihre Ausführungen zur Bedeutung der Spektroskopie für die frühe Geschichte der Quantenmechanik.

Charlotte Bigg wurde 1974 in Manchester geboren, legte in Frankreich das Baccaluarét ab, ging zum Studium der Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie nach Kanada an die University of Victoria, machte in Oxford ihren B.A. in Neuerer Geschichte, wechselte für ein Jahr an die Ludwig-Maximilians-Universität nach München und erwarb 1998 am King's College in Cambridge den Master in History and Philosophy of Science. Vier Jahre später promovierte sie dort. Seit 2002 - unterbrochen durch ein Jahr als Mitarbeiterin an der Professur für Wissenschaftsforschung der ETH Zürich - arbeitet Bigg am Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, zunächst als Postdoc-Stipendiatin innerhalb der Nachwuchsgruppe "Experimentelle Wissenschaftsgeschichte", die von Dr. Otto Sibum, Bunge-Preisträger von 1994, geleitet wird; dann im Rahmen eines eigenen DFG-Projekts.

Biggs derzeitiges Forschungsinteresse gilt der Geschichte von Beobachtungstechniken, der Visualisierung von physikalischen Phänomenen und der Erforschung der Brownschen Bewegung um 1900. In diesem Zusammenhang steht auch eine von ihr mitkonzipierte Ausstellung "Atombilder", die vor wenigen Wochen im Deutschen Museum eröffnet wurde.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat sich als treuhänderischer Träger einer Reihe von Stiftungen etabliert. Die Hans-R.-Jenemann-Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente zu fördern und diesem Arbeitsgebiet größere Sichtbarkeit zu verleihen. Von Hans R. Jenemann, dem 1996 verstorbenen Chemiker, Instrumentenhistoriker und Sammler chemischer Analysenwaagen, ins Leben gerufen, zeichnet die Stiftung seit 1993 herausragende Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente mit dem international ausgeschriebenen Paul-Bunge-Preis aus, der angesehensten und höchstdotierten Auszeichnung auf diesem Gebiet. Der Name des Preises erinnert an den bedeutendsten Konstrukteur chemischer Analysenwaagen im 19. Jahrhundert.

Kontakt:
Dr. Renate Hoer
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
Öffentlichkeitsarbeit
Postfach 900440
60444 Frankfurt
Tel.: 069/7917-493
Fax: 069/7917-307
E-Mail: r.hoer@gdch.de

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus
23.02.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie