Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftspreis 2007: Mobilität

08.05.2007
Ausgezeichnet wird der Ingenieur Dr. Christian Stammen, Institut für fluidtechnische Antriebe und Steuerungen (IFAS), RWTH Aachen, für seine innovative Forschungsarbeit "Selbstverstärkende hydraulische Bremse".

Durch die aktuell zu mehreren Patenten angemeldete selbstverstärkende hydraulische Bremse ist es möglich, Schienenfahrzeuge besonders feinfühlig und exakt zu verzögern - ohne den bisher großen Energieaufwand und das Gewicht für die pneumatische Bremstechnik.

Wissenschaftspreis 2007: Mobilität

Leicht, schnell und sparsam: Neuartige selbstverstärkende hydraulische Bremse für Schienenfahrzeuge

... mehr zu:
»Bremse »Wissenschaftspreis

Am 7. Mai 2007 zeichnet der Industrie-Club Düsseldorf in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf den Ingenieur Dr. Christian Stammen, Institut für fluidtechnische Antriebe und Steuerungen (IFAS), RWTH Aachen, mit dem Wissenschaftspreis 2007 aus. Christian Stammen erhält den vom Industrie-Club Düsseldorf gestifteten Preis in Höhe von 20.000 Euro für seine innovative Forschungsarbeit "Selbstverstärkende hydraulische Bremse". Der Wissenschaftspreis des Industrie-Clubs im Land Nordrhein-Westfalen wird dieses Jahr zum 10. Mal vergeben.

Bisher sind Schienenfahrzeuge üblicherweise mit pneumatischen (durch Druckluft betriebene) Bremsen ausgestattet. Diese setzen umfangreiche Installationen wie z. B. Kompressoren, Druckluftspeicher und -leitungen mit entsprechendem Platzbedarf und Gewicht im Zug voraus. Sie sind nur unbefriedigend regelbar und verbrauchen für die Druckluftbereitstellung viel Energie. Hydraulische Bremsen bringen zwar eine höhere spezifische Leistung, bedürfen aber ebenfalls umfangreicher Leitungsnetze. Die innovative, von Christian Stammen entwickelte selbstverstärkende Bremse benötigt keine leistungsführenden Leitungen zwischen den Waggons, sondern lediglich elektrische Steuerleitungen. Seine selbstverstärkende elektrohydraulische Bremse baut den für den Bremsvorgang notwendigen Druck selber auf, indem sie sich über einen druckerzeugenden Hydraulikzylinder am Fahrwerk abstützt. Die hohe Leistungsdichte der Hydraulik führt zu einem kompakten und leichten Aufbau, der Verzicht auf eine elektrisch oder mechanisch angetriebene Pumpe spart Energie und Gewicht. Weiterer wesentlicher Vorteil ist, dass nicht die Anpresskraft der Bremsbeläge geregelt wird, sondern die Bremskraft selbst. Damit wird die gewünschte Verzögerung auch bei den im Betrieb unklaren Reibkraftverhältnissen durch die gut regelbare hydraulische Rückführung erzielt. Die große Schwierigkeit bei einem solchen Bremskonzept ist die Regelung, ohne die das Bremsprinzip instabil wäre und die Bremse aufgrund der Selbstverstärkung blockiert. Diese regelungstechnische Schwierigkeit wurde in der eingereichten Arbeit gelöst und es kann bei einem elektrischen Spannungsausfall sogar selbsttätig eine vorher frei einstellbare Verzögerung erfolgen.

Das neu entwickelte Bremssystem wird den Bau von Schienenfahrzeugen nachhaltig verbessern: es führt zu einer deutlichen Gewichtsreduktion um mehrere 100 kg pro Waggon; es ist Platz sparend und damit konstruktiv flexibel einbaubar; es spart Energie, da keine externe Betriebsleistung bereitgestellt werden muss. Im Vergleich: Während eine pneumatische Bremse mehr als 500 W Energie benötigt, kommt die selbstverstärkende hydraulische Bremse mit 21 W aus. Schnelle Ansprechzeiten und genaue Regelungsmöglichkeiten der Bremse führen zu mehr Sicherheit, selbst bei höheren Transportgeschwindigkeiten.

Die umfassende Arbeit reicht von der Simulation der neuen Bremse über die konstruktive Umsetzung des Regelungsprinzips bis hin zum Bau eines Prototyps in Zusammenarbeit mit einem namhaften deutschen Industrieunternehmen. Sie erfüllt damit das Hauptkriterium des Wissenschaftspreises, nämlich die Überführung der Grundlagenforschung in die Anwendung.

Das Bremsprinzip wird in dem durch die DFG öffentlich geförderten Projekt "EABM - Einzelrad-Antriebs-Brems-Modul" erforscht. Seine Anwendung ist nicht auf Schienenfahrzeuge beschränkt, sondern kann auch bei Lkw und Pkw Einsatz finden. In einigen Jahren könnte die hydraulische Bremse zuerst für Schienenfahrzeuge auf den Markt kommen.

Festakt am 7. Mai 2007 ab 18:30 Uhr

Die festliche Verleihung des Wissenschaftspreises 2007 findet am 7. Mai 2007 ab 18:30 Uhr im Industrie-Club Düsseldorf, Elberfelder Straße 6, statt.

Nach den Grußworten des Vorstandsvorsitzenden des Industrie-Clubs Düsseldorf, Dr. Gustav A. von Halem, des Präsidenten des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Dr. h.c. Gert Kaiser, und des Staatssekretärs im nordrhein-westfälischen Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie, Dr. Jens Baganz, stellt der Preisträger seine Arbeit vor. Den Festakt beschließt Prof. Dr. Bernd Gottschalk, Präsident des Verbands der Automobilindustrie e.V., Frankfurt am Main, mit dem Festvortrag "Automobilindustrie und Wissenschaft - Vernetzte Intelligenz für die Mobilität von morgen".

Wissenschaftspreis 2008: Physik

Mit dem Wissenschaftspreis werden jährlich wissenschaftliche Forschungsarbeiten in wechselnden Disziplinen ausgezeichnet, die dazu beitragen, die Lücke zwischen Grundlagenforschung und der Innovation in der Anwendung zu schließen. Ab Juli dieses Jahres sind Nachwuchswissenschaftler aufgefordert, zukunftsweisende Forschungsarbeiten zum Themenfeld "Physik" einzureichen. Es sollen Arbeiten prämiert werden, die deutlich über die eigentliche physikalische Forschung hinausweisen bzw. die bereits eine weitere praktische Umsetzung erfahren haben. Zu denken ist hier an in der Wirtschaft oder Medizin verwertbare Innovationen, z. B. für neue Messtechniken, Materialien, Simulationsverfahren, Datenverarbeitung, Elektronik, oder weiteres mehr.

Weitere Informationen:
http://www.wznrw.de/wz/veran/wispreis/wp2007.htm Unter dieser Adresse sind das Pressefoto von der Verleihung des Wissenschaftspreises 2007, die Pressemitteilung sowie Bildmaterial zur Bremse ab Dienstag, den 8. Mai 2007, 9:30 Uhr, im Internet abrufbar.

Carolin Grape | idw
Weitere Informationen:
http://www.wznrw.de/wz/veran/wispreis/wp2007.htm

Weitere Berichte zu: Bremse Wissenschaftspreis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus
23.02.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie