Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Communicator-Preis 2007 an Bremerhavener Eisforscher

05.04.2007
Arbeitsgruppe Glaziologie erhält 50 000 Euro für herausragende öffentliche Vermittlung ihrer Forschungen zur Klimaentwicklung

Die Arbeitsgruppe Glaziologie am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) erhält in diesem Jahr den "Communicator-Preis - Wissenschaftspreis des Stifterverbandes". Die 15 Polar- und Meeresforscher um den Geophysiker Professor Heinz Miller werden damit für die herausragende öffentliche Vermittlung ihrer Forschungsarbeiten zur Klimaentwicklung ausgezeichnet. Die Gruppe ist das erste Wissenschaftlerteam, das den Communicator-Preis erhält, der in diesem Jahr zum achten Mal verliehen wird.

Der Communicator-Preis gilt in Deutschland als die wichtigste Auszeichnung für die Vermittlung von wissenschaftlichen Ergebnissen in die Öffentlichkeit. Mit ihm zeichnen die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft seit 2000 Wissenschaftler aus, die ihre Forschungsarbeiten besonders vielfältig, originell und kreativ an ein breites Publikum kommunizieren und sich darüber hinaus um den immer notwendigeren Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit verdient machen. Unter den sieben bisherigen Preisträgern waren unter anderen der Mathematiker Albrecht Beutelspacher, der Experimentalphysiker Wolfgang Heckl, der Katholische Theologe Hubert Wolf und im vergangenen Jahr der Paläobiologe und Afrikaforscher Friedemann Schrenk. Gekürt werden die Preisträger von einer Jury aus Wissenschaftsjournalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten. Dieses Jahr lagen ihr 27 Bewerbungen vor aus allen wissenschaftlichen Gebieten. Sieben Kandidaten kamen in die engste Wahl, am Ende fiel das Votum jedoch einstimmig für die Arbeitsgruppe Glaziologie aus.

Mit den Bremerhavener Glaziologen erhält ein Forscherteam den Communicator-Preis, das bereits seit zwei Jahrzehnten im ewigen Eis Antworten auf die inzwischen wohl drängendste globale Menschheitsfrage sucht - die nach der Entwicklung und Veränderung des Klimas. In zahlreichen nationalen und internationalen Expeditionen unternehmen die 15 Geophysiker, Geologen, Geografen und Meteorologen der Arbeitsgruppe Tiefenbohrungen im arktischen und antarktischen Eis. Aus den Eiskernen gewinnen sie grundlegende Erkenntnisse zur Rekonstruktion des Erdklimas in den vergangenen Jahrtausenden. Im Rahmen des europäischen Gemeinschaftsprojekts EPICA erbohrten die Bremerhavener Glaziologen dabei 2003 auf dem antarktischen Plateau den bislang ältesten Eiskern - Schätzungen gehen von etwa 900 000 Jahren aus. Aus der darin eingeschlossenen Luft konnten sie die bisher umfangreichsten Daten über die Existenz und die Veränderungen der beiden wichtigsten Treibhausgase Kohlendioxid und Methan gewinnen. Auch an Tiefbohrprojekten in Grönland, am Deutschen Klimaforschungsprogramm und am Programm "Klima in historischer Zeit", das auf die Rekonstruktion des Klimas der vergangenen 1000 Jahre abzielt, sind die Forscher beteiligt. Zu der immer drängenderen Frage nach der künftigen Klimaentwicklung leistet die Arbeitsgruppe ebenfalls einen gewichtigen Beitrag; hier entwickelte sie in den vergangenen Jahren zahlreiche Modellstudien und Szenarien, die sich vor allem mit dem Abschmelzen der polaren Eiskörper und den möglichen Folgen für die Meeresspiegelschwankungen befassten.

... mehr zu:
»Glaziologe »Klimaentwicklung

All diese und andere Forschungsarbeiten und -ergebnisse wurden von den Bremerhavener Wissenschaftlern von Beginn an mit großem Engagement und Einfallsreichtum einem breiten Publikum nahegebracht. In zahlreichen eigenen Beiträgen in Zeitschriften und Büchern sowie in Ausstellungen und Vorträgen in Schulen, Hochschulen und öffentlichen Bildungseinrichtungen verbanden die Glaziologen geschickt Wissenschaft mit dem Reiz des ewigen Eises. Früh luden die Forscher auch Journalisten ein, sich vor Ort einen direkten Eindruck von der Arbeit im Eislabor oder auf den Expeditionsschiffen in die Polarregionen zu verschaffen. Die daraus entstandenen Beiträge in Presse, Rundfunk und Fernsehen machten die Klimaforschung im Eis einem großen Publikum bekannt. Das Internet haben die Polar- und Meeresforscher ebenso früh für die Verbreitung ihrer Arbeiten entdeckt und genutzt wie DVD und andere neue Medien - und mit visuell reizvollen und technisch aufwändigen Videoinstallationen reicht ihre Vermittlungsarbeit sogar in den künstlerischen Bereich hinein. Für Wirtschaft und Politik, aber auch für den interessierten Bürger sind die Glaziologen schließlich seit Jahren gefragte Gesprächs- und Auskunftspartner zu allen Fragen der Klimaentwicklung.

Sowohl die Forschungsarbeiten als auch deren Vermittlung in die Öffentlichkeit wurden von den Bremerhavener Forschern von Beginn an als Team erbracht. Wesentlichen Anteil daran hat der Geophysiker und stellvertretende Direktor des Alfred-Wegener-Instituts, Professor Heinz Miller. Die von ihm und seinen Kollegen betriebene Arbeitsteilung bewertete nun auch die Jury des Communicator-Preises als beispielhaft und zeichnete deshalb in diesem Jahr erstmals keinen einzelnen Wissenschaftler, sondern ein Forscherteam aus. Darüber hinaus würdigte die Jury vor allem die sachliche und differenzierte Art, mit der die Arbeitsgruppe ihre Forschungsergebnisse kommuniziert. Dies gründet nach Meinung der Jury gleichermaßen auf dem hohen wissenschaftlichen Standard der Gruppe und auf ihrer langjährigen Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit.

Verliehen wird der Communicator-Preis am 14. Juni in Essen im Rahmen des diesjährigen Wissenschaftssommers. Auf Zeche Zollverein werden die Präsidenten von DFG und Stifterverband, Professor Matthias Kleiner und Dr. Arend Oetker, die Auszeichnung übergeben. Das Preisgeld stammt vom Stifterverband, in dem sich mehr als 3000 Unternehmen und Privatpersonen für die Förderung der Wissenschaft und deren Austausch mit der Öffentlichkeit engagieren. Darüber hinaus erhalten die Glaziologen ein Hologramm, das den Communicator-Preis symbolisiert. Das von dem Kölner Künstler Michael Bleyenberg gestaltete Werk soll die Bedeutung der Transparenz in der Wissenschaft sichtbar machen und zeigen, dass es sich lohnt, die Dinge "ins rechte Licht zu rücken". Wie das Hologramm entfaltet auch die Wissenschaft nur dann ihre ganze Strahlkraft.

Weitere Informationen zum Preisträger können unter http://www.dfg.de/aktuelles_presse/preise/communicator_preis/2007/index.html abgerufen werden.

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Heinrich Miller
heinrich.miller@awi.de
Tel.: 0471/4831-1210
Margarete Pauls
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
margarete.pauls@awi.de
Tel.: 0471/4831-1180

Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/aktuelles_presse/preise/communicator_preis/2007/index.html

Weitere Berichte zu: Glaziologe Klimaentwicklung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet
02.12.2016 | Universität zu Lübeck

nachricht Ohne erhöhtes Blutungsrisiko: Schlaganfall innovativ therapieren
02.12.2016 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie