Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU fördert Forschungsverbund zur Körperwahrnehmung mit zwei Millionen Euro

15.02.2007
Koordination durch Otto-Selz-Institut, Universität Mannheim

Mit den Grundlagen der Körperwahrnehmung und möglichen industriellen und klinischen Anwendungen befasst sich ein internationaler Forschungsverbund unter Koordination des Otto-Selz-Instituts für Angewandte Psychologie an der Universität Mannheim.

Dem Psychologen Professor Dr. Rupert Hölzl und seinem Mitarbeiter PD Dr. Dieter Kleinböhl gelang es, für den Verbund "SOMAPS" von der Europäischen Union zwei Millionen Euro für den Zeitraum von drei Jahren einzuwerben. An dem Projekt beteiligt sind Forscher aus den Bereichen Psychologie, Neurowissenschaften, Physik, Informatik und Ingenieurwissenschaften. Mitglieder des Verbundes sind neben dem Otto-Selz-Institut das Institut für Technische Informatik an der Universität Mannheim (Prof. Dr. Reiner Männer), das Institut für Neuropsychologie und Klinischen Psychologie (Prof. Dr. Herta Flor) am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim, sowie die Universitäten Aalborg in Dänemark (Center for Sensory-Motor Interactions, Prof. Dr. Lars Arendt-Nielsen), Twente in den Niederlanden (Prof. Dr. Jan R. Buitenweg) und die Fernuniversität Madrid (Prof. Dr. Soledad Ballesteros).

Die Wissenschaftler möchten gemeinsam das Verständnis der Vorgänge vertiefen, die an der Wahrnehmung des eigenen Körpers beteiligt sind. Unter Verwendung von Hirnbildgebungsverfahren sollen neue Messmethoden und Auswertungsstrategien für die Untersuchung und Beschreibung der Körperwahrnehmung entwickelt werden. Die erwarteten Ergebnisse sind für vielfältige Anwendungen in Bereichen der Industrie und Medizin denkbar, beispielsweise für Produktdesign, Rehabilitation von Körperbehinderten oder Schmerztherapie.

Im Rahmen der EU-Ausschreibung "Measuring the Impossible" werden Projekte der Grundlagenforschung gefördert, welche die systematische Erfassung und Analyse komplexer Zusammenhänge zum Ziel haben. Durch die Entwicklung neuer Methoden sollen zugrunde liegende Vorgänge zugänglich werden, welche bisher nicht direkt messbar waren.

Die Wahrnehmung des eigenen Körpers basiert auf solchen komplexen Zusammenhängen, die unterschiedliche Erscheinungs- und Messebenen umfassen. So lassen sich zwar die äußeren physischen Bedingungen wie die räumliche Ausdehnung der Körperoberfläche oder die zeitliche Abfolge der auf sie einwirkenden Reize objektiv mit physikalischen Maßen bestimmen. Für die im zentralen Nervensystem ablaufenden Prozesse, die für die Weiterleitung, Verarbeitung und Wahrnehmung dieser "Reizkarten" verantwortlich sind, trifft dies schon weit weniger zu, weil sie der direkten Beobachtung nur eingeschränkt zugänglich sind. Das Resultat dieser Prozesse wiederum, unsere subjektive Wahrnehmung, ist uns selbst zwar direkt aus der Erste-Person-Perspektive zugänglich, aber nur schwer einer anderen Person zu vermitteln und mit objektiven Verfahren gar nicht zu messen.

Das übergeordnete Ziel des SOMAPS-Verbundes besteht aus zwei Stufen: Zunächst sollen Verfahren entwickelt werden, welche es erlauben, mit Hilfe von Wahrnehmungsexperimenten und Hirnbildgebungsstudien virtuelle Karten der subjektiven Wahrnehmung und der zugrunde liegenden Hirnprozesse zu gewinnen. In einem zweiten Schritt soll mittels mathematischer Modelle geklärt werden, wie die drei Ebenen des physikalischen Körpers, seiner Repräsentation im zentralen Nervensystem und seiner Entsprechung in der subjektiven Wahrnehmung miteinander verknüpft sind und wie sich Eigenschaften der einen Ebene aus denen der anderen herleiten lassen. Dies ermöglicht, auch ohne direkte Messung der Hirnaktivität Aussagen über die in ihm ablaufenden Prozesse zu treffen oder umgekehrt aus bestimmten Aktivierungsmustern im Gehirn Rückschlüsse auf die Wahrnehmung zu ziehen.

Neben einem wichtigen Beitrag zur Gehirnforschung ergeben sich eine Vielzahl möglicher Anwendungen in der Industrie und Medizin: Die Modellierung subjektiver menschlicher Beurteilungen erlaubt ihre direkte Vorhersage aus den physikalischen Reizen, die auf den Körper einwirken, und der ausgelösten Hirnaktivität. Auf diesem Weg kann die Entwicklung neuer Produkte beschleunigt werden, weil aufgrund der teilweisen Simulierbarkeit der subjektiven Urteile weniger aufwändige empirische Erhebungen hinsichtlich Akzeptanz von Form und Oberflächen¬beschaffen¬heit durch den Konsumenten anfallen. So könnten beispielsweise individuell optimierte Autositze oder Rollstühle hergestellt werden. In der Medizin können die neuen Erkenntnisse und Methoden ebenfalls interessante Anwendungen finden, unter anderem in der Rehabilitation von Störungen der Körperwahrnehmung und des Körperbildes. Diese treten auf bei bestimmten psychischen Erkrankungen, aufgrund von Amputationen und neurologischen Störungen sowie in der plastischen Chirurgie.

Weitere Informationen zu den beteiligten Forschungseinrichtungen:
www.psychologie.uni-mannheim.de/prof_klips/osilab/index.html
www.icm-mannheim.org, www.ti.uni-mannheim.de
www.zi-mannheim.de
www.smi.auc.dk/
http://bss.ewi.utwente.nl/first_page.doc/index.html
http://www.uned.es/lab-envejecimiento/indexingles.html/research.htm
Ansprechpartner:
Professor Dr. Rupert Hölzl oder PD Dr. Dieter Kleinböhl
Universität Mannheim
Otto-Selz-Institut für angewandte Psychologie
Tel. 0621/181 - 2108 oder - 2111
hoelzl@psychologie.uni-mannheim.de oder kleinboehl@osi.uni-mannheim.de

Achim Fischer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de

Weitere Berichte zu: Forschungsverbund Körperwahrnehmung Psychologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops