Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leibniz-Preis für Peter Gumbsch

08.12.2006
Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG vergibt den höchsten deutschen Forschungspreis 2007 an den Leiter des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg und Halle.

Professor Peter Gumbsch, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg und Halle und Leiter des Instituts für Zuverlässigkeit von Bauteilen und Systemen IZBS an der Universität Karlsruhe erhält für seine herausragenden Forschungsleistungen auf dem Gebiet der Verformungs- und Bruchprozesse von Werkstoffen den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis 2007.

Das gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) am heutigen Donnerstag bekannt. Der Leibnizpreis ist der renommierteste und mit 2,5 Millionen Euro höchst dotierte Forschungspreis in Deutschland. Das Fraunhofer IWM ist damit als erstes Fraunhofer-Institut, das einen zweiten Leibnizpreisträger stellt. Bereits 1991 hatte Professor Hermann Riedel den Preis erhalten.

»Eine sehr große Ehre und natürlich eine ideale Basis, weiter in ergebnisoffene Grundlagenforschung zu investieren«, freute Gumbsch sich, als er erfuhr, dass sich die Jury der DFG für ihn als einen der Preisträger entschieden hatte. Die Forschungsschwerpunkte des Physikers liegen im Grenzgebiet zwischen der Physik und den Ingenieurwissenschaften. Zum heutigen Verständnis der Verformung und des Bruchs von Werkstoffen hat Peter Gumbsch elementare Beiträge geleistet, lobt der Preisträger von 1991 und IWM-Mitarbeiter Professor Hermann Riedel die Arbeit seines Kollegen.

... mehr zu:
»DFG »Physik »Simulation »Werkstoff

Die Simulation von Werkstoffen und hier insbesondere die Multiskalen-Materialmodellierung, also die mathematische Beschreibung von Werkstoffen über mehrere Größen- und Zeitskalen – von der atomaren Ebene über die Kristalle bis zum ganzen Werkstück – prägen Gumbschs Forschungsarbeiten. Um die Veränderung von Werkstoffeigenschaften in Fertigungsprozessen wie dem Formen von Metallteilen, oder im Einsatz von Bauteilen z.B. bei hohen Temperaturen oder unter Verschleiß genau beschreiben zu können, müssen werkstoffphysikalische Prozesse bis hinunter zur atomaren Ebene verstanden werden. Dieses elementare Verständnis wiederum muss via Multiskalensimulation in ingenieurwissenschaftliche Simulationen Eingang finden. Zur Kopplung von Finite-Elemente-Simulationen mit atomistischen Techniken hat er maßgebliche methodische Beiträge geleistet.

Mit Molekulardynamik und atomistischer Simulation ist Gumbsch und Kollegen jüngst ein Durchbruch gelungen. Ihre Arbeiten erklären, wie Oberflächenstrukturen bei Beschichtungsprozessen entstehen und wachsen. Die von Gumbsch entwickelten Simulationsmethoden sind ein entscheidender Schritt hin zum virtuellen Oberflächendesign und zum virtuellen Beschichtungsprozess.

Ideen für die Verwendung des Preisgeldes hat Peter Gumbsch viele. Sein Forschungsinteresse konzentriert sich, wie er sagt, »auf das Niemandsland der Plastizitäts- und Bruchforschung. Die Entstehungsprozesse von Rissen und Versetzungen sind bislang nur ungenügend beschrieben«, erläutert er, »hierfür müssen Modelle entwickelt werden«. Für das Ermüdungsverhalten von technischen Bauteilen, deren Festigkeit aber auch den Verschleiß seien diese Prozesse von zentraler Bedeutung.

Peter Gumbsch hat Physik an der Universität Stuttgart studiert, parallel dazu studierte er Wirtschaftswissenschaften. Nach seiner Promotion in Physik in Stuttgart war er ab 1991 als Gastwissenschaftler in London und Oxford tätig, bevor er ans Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart zurückkehrte. 2000 und 2001 lehnte er Rufe an die TU Braunschweig und an die Ohio State University ab, um eine C4-Professur in Karlsruhe anzunehmen. Zurzeit ist er Ordinarius für Werkstoffmechanik und Leiter des Instituts für Zuverlässigkeit von Bauteilen und Systemen der Universität Karlsruhe sowie Leiter des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg und Halle, das er seit 2001 führt.

Der Leibnizpreisträger 2007 ist international anerkannt und gefragt - bei internationalen Konferenzen und Workshops und in einschlägigen Berufungskommissionen. Er leitet EU-Netzwerke und EU-Projekte zu größenabhängigen mechanischen Phänomenen sowie der Multiskalensimulation von Funktionskeramiken. Er wurde bereits mehrfach ausgezeichnet: mit dem Peter Haasen Preis der Universität Göttingen, dem Masing-Gedächtnispreis der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde (DGM) und einem Lectureship der Federation of European Materials Societies (FEMS).

Peter Gumbsch hat auch die Forschungslandschaft in Deutschland geprägt. So ist es ihm im vergangenen Jahr erstmalig gelungen, zusammen mit Professor Dierk Raabe von Max-Planck-Institut für Eisenforschung eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft aufzubauen. Das Team arbeitet an neuartigen, präzisen Simulationsmodellen für Metalle und metallische Bauteile.

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis

Der zuständige Hauptausschuss der DFG hat heute zwei Wissenschaftlerinnen und acht Wissenschaftler für die Auszeichnung mit dem höchstdotierten deutschen Förderpreis bestimmt. Die neuen Leibniz-Preisträger erhalten 2007 erstmals eine Fördersumme von bis zu 2,5 Millionen Euro (vormals: 1,55 Millionen Euro) und können diese Mittel in einem Zeitraum von bis zu sieben Jahren (vormals: fünf Jahre) flexibel für ihre Forschungsarbeiten einsetzen.

Das Leibniz-Programm wurde 1985 eingerichtet mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler zu erleichtern.

Mit der heutigen Entscheidung erhöht sich die Zahl der bisher im Leibniz-Programm vergebenen Preise auf 249. Davon kommen 54 aus den Geisteswissenschaften, 70 aus den Biowissenschaften, 89 aus den Naturwissenschaften und 36 aus den Ingenieurwissenschaften.

Thomas Götz | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.iwm.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: DFG Physik Simulation Werkstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Gitterdynamiken in ionischen Leitern
18.10.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren
16.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

„Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern

20.10.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Aus der Moosfabrik

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie